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Treuchtlingen: Solar-Ausbau kommt nur langsam voran

Die Energiewende gestaltet sich in der Region bisweilen zäh. - 13.08.2020 06:05 Uhr

In Treuchtlingen und den Dörfern produzieren bereits viele Anlagen Strom aus Sonnenkraft, wie etwa auf dem Dach der Altmühltherme. Doch nicht überall ist im Stromnetz genügend Kapazität für die Energie vorhanden.

12.08.2020 © Archivfoto: Rudi Beringer/Limes Luftbild


Altmühlfranken ist von Sonnenschein gesegnet. Bis zu 1750 Sonnenstunden gibt es in Treuchtlingen im Jahr, ein guter Wert für Bayern. Das wird auch an den zahlreichen Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung deutlich, die auf den Dächern von Privathäusern und Industrieanlagen oder entlang der Bahnstrecken stehen. Doch dieser Sonnenreichtum gepaart mit dem Wunsch des Ausbaus der Erneuerbaren Energien sorgt für Probleme, denn: die Leitungen in Treuchtlingen geben es nicht her, den Sonnenstrom weiter zu transportieren.

Vor allem in den Dörfern wie Gundelsheim oder Wettelsheim ist das schwierig. Dort gibt es neben vielen Häusern auch zahlreiche Ställe mit großer Dachfläche, die sich für Photovoltaik-Anlagen eignen würde. Eine Einspeisung könnte das Mittelspannungsnetz jedoch überlasten. "Dafür bräuchten wir ein Umspannwerk, das ist aber eine Angelegenheit für die nächsten zwei bis drei Jahre" meint Bürgermeisterin Kristina Becker.

Erst 2013 hatten die Treuchtlinger Stadtwerke das Stromnetz vom Betreiber N-Ergie für rund fünf Millionen Euro übernommen. Das Netz umfasst das gesamte Gemeindegebiet von über 100 Quadratkilometer und ist damit ziemlich groß, zudem sind die Orte weit auseinander. Der Versorgungsradius der Stadtwerke ist mit 21 Kilometern extrem groß, bei vergleichbaren Netzen sind es im Durchschnitt nur sechs Kilometer.

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Noch ist es ein Draufzahlgeschäft, doch die Unabhängigkeit und die langfristigen Perspektiven waren Stadt und Stadtwerken bei der damaligen Entscheidung wichtiger. Erst im vergangenen September wurde in der Kästleinsmühlenstraße das neue Schalthaus fertiggestellt, das den Strom in Treuchtlingen verteilt.

Bei den Stadtwerken anmelden

Wer eine Photovoltaikanlage auf seinem Dach errichten möchte, muss das Vorhaben zunächst bei den Treuchtlinger Stadtwerken anmelden. Hier kümmert sich Matthias Reichenthaler und seine Mitarbeiter um den Ausbau. "Wir haben eine Anschlusspflicht", sagt Reichenthaler und dieser Pflicht kommen die Stadtwerke auch nach. Nur nicht zu dem Zeitpunkt, an dem es ein Anlagenbetreiber vielleicht möchte.

Denn wer die Kapazität des Stromnetzes erhöhen will, muss zunächst Baggern und eine zusätzliche Leitung im Boden verlegen oder gleich ein neues Kabel mit gesteigerter Kapazität einziehen. Der Ausbau kostet natürlich Geld, das von den Kunden dann über die Netzentgelte beglichen wird. Denn die Politik fordert zwar einen Ausbau der Erneuerbaren Energien, die Unterstützung für die Akteure vor Ort ist dann aber gering. Das Treuchtlinger Netz auf einmal zu ertüchtigen ist kaum möglich, dazu fehlen die personellen und finanziellen Kapazitäten.

30 Megawatt Einspeisung

Doch der Bedarf ist da: "Wir bekommen pro Woche fünf bis zehn Anfragen für neue Anlagen", so Reichenthaler. Der Eigenerzeuger-Anteil in Treuchtlingen hat sich allein seit Jahresanfang von 21 auf fast 30 Megawatt erhöht, wobei noch nicht alle Anlagen gebaut sind.

Neben dem Ausbau des Netzes kann sich Bürgermeisterin Becker auch den Aufbau von Stromspeichern vorstellen. Neben einem großen Akku könnte auch die Erzeugung von Wasserstoff aus dem überschüssigen Strom in Frage kommen. Das Gas lässt sich speichern und anschließend über eine Brennstoffzelle wieder in Strom umwandeln. Noch ist das Verfahren teuer und energieintensiv, allerdings gibt es diverse Förderprogramme von Landes- und Bundesregierung.

Doch es sind nicht nur die fehlenden Leitungskapazitäten, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien bremsen. Auch das notwendige Genehmigungsverfahren kostet Zeit und damit auch Geld. Beispiel Windischhausen: Hier möchte das Unternehmen Energiebauern von Martin Bichler aus Sielenbach bei Augsburg einen 19,4 Hektar großen Solarpark errichten. Die Stromleitung würde das Unternehmen sogar selbst bis zum regionalen Übergabepunkt errichten und somit die Stadtwerke nicht belasten. Doch die Fläche hat einen Haken.

 

 

Denn das Areal für den Solarpark liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Diese Schutzzone des Naturparks Altmühltal ist laut Flächennutzungsplan für die Solarnutzung tabu. Das muss vor dem Bau geändert werden, ohne dass die Schutzzone an Größe und Qualität verliert. Die Flächen müssen also andernorts ergänzt werden – und zwar lückenlos, wie Silke Schebitz vom städtischen Bauamt erläutert.

Deshalb habe man – neben zwei Flurstücken in Windischhausen – Ersatzflächen in anderen Gemeinden finden müssen, was in den Gemarkungen Büttelbronn, Langenaltheim und Übermatzhofen geschehen ist. Diese werden nun neu zum Landschaftsschutzgebiet erklärt, dazu müssen auch die Eigentümer zustimmen, die dann auf ihre Fläche nicht mehr alles machen dürfen wie vorher.

Der Treuchtlinger Bauauschuss hat der Änderung im vergangenen November zugestimmt und die Sache an den Naturschutzbeirat im Landratsamt übergeben. Dort liegt die Angelegenheit auch – denn wegen Corona konnten in den vergangenen Monaten dort keine Sitzungen stattfinden. "Wäre es eine normale Fläche gewesen, wäre das Verfahren schneller beendet gewesen", meint Schebitz. Denn neben der Zustimmung im Stadtrat waren auch aus Windischhausen keine kritischen Stimmen lautgeworden, als das Projekt im März 2018 bei der Bürgerversammlung erstmals öffentlich präsentiert wurde.

Akzeptanz vor Ort

Mehr als zwei Millionen Euro haben die Treuchtlinger Stadtwerke in das neue Schalthaus in der Kästleinsmühlenstraße investiert.

12.08.2020 © Archivfoto: Patrick Shaw


Obwohl das Verfahren nun schon über zwei Jahre dauert, ist Bichler mit der Vorgehensweise einverstanden. "So ein Vorhaben steht und fällt mit der Zustimmung der Gemeinde", sagt er. Anders ist das etwa bei der Windkraft, dort könnten auch Vorrangflächen gegen den Willen der Menschen vor Ort entstehen, was der Akzeptanz schade.

Wenn alle baurechtlichen Genehmigungen vorliegen, könnte Bichlers Unternehmen die Anlage innerhalb von vier Wochen aufstellen, sie soll 30 Jahre in Betrieb sein. Dafür werden Stahlprofile in die Erde gerammt, die auch wieder entfernt werden können. Die einzige versiegelte Fläche befindet sich am Rand der Anlage, dort kommt ein kleines Trafohäuschen hin – für die Einspeisung ins Netz. Gerade einmal 0,1 Prozent der Fläche werden dadurch versiegelt.

BENJAMIN HUCK E-Mail

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