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Treuchtlingen: Stadtkrankenhaus wird nicht reaktiviert

Im Zuge der Corona-Pandemie wurden bayernweit Standorte gesucht - 21.04.2020 05:54 Uhr

Vergangenes Jahr wurden die medizinischen Geräte und Einrichtungsgegenstände aus dem ehemaligen Treuchtlinger Stadtkrankenhaus geräumt. Sie dienen nun der Versorgung von Menschen in der Ukraine und im Kosovo. Der schlechte bauliche Zustand macht einen Betrieb als Notfall-Intensivstation unmöglich.

20.04.2020 © Archivfoto: Benjamin Huck


Krankenhausplätze und Intensivbetten sind in der aktuellen Corona-Krise sehr gefragt. Das ehemalige Treuchtlinger Stadtkrankenhaus musste Ende 2018 seine letzte Abteilung schließen, auch als Folge der von der Bundespolitik seit Jahren vorangetriebenen und sich jetzt wohl rächenden Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. In Hersbruck im Nürnberger Land konnte das erst vor kurzem aus den selben Gründen geschlossene Krankenhaus nun zumindest als Teststation reaktiviert werden.

In Treuchtlingen kommt ein solches Szenario jedoch nicht in Frage. Wie bei der jüngsten öffentlichen Stadtratssitzung im Rathaus mitgeteilt wurde, hat sich die neugewählte Bürgermeisterin Kristina Becker in den Räumen der Klinik umgesehen und sie auf eine neue Nutzung hin überprüft – etwa als Notfall-Intensivstation mit Beatmungsplätzen. Ein Großteil der Möbel und Einrichtung wurde schon an Krankenhäuser in der Ukraine und im Kosovo abgegeben, wo die medizinische Versorgung bei weitem nicht so gut ist wie hierzulande. Allerdings spricht vor allem der bauliche Zustand des Hauses gegen eine Wiederaufnahme.

Auf dem Gelände des Stadtkrankenhauses und des ehemaligen städtischen Pflegeheims, das gerade abgerissen wird, soll demnächst eine neue psychosomatische Fachklinik der Bezirkskliniken Mittelfranken entstehen. Könnte dieses Krankenhaus in Zukunft Intensivpatienten aufnehmen, sollte in den nächsten Jahren erneut eine durch ein Virus ausgelöste Atemwegserkankung wie aktuell Covid-19 ausbrechen? Diese Pläne würden derzeit geprüft, teilt eine Sprecherin der Bezirkskliniken mit. Da aber viel in Bewegung sei, könne keine definitive Aussage getroffen werden.

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Das Stadtkrankenhaus Treuchtlingen: Ein verlassener Ort

Ende 2018 hat das Stadtkrankenhaus Treuchtlingen geschlossen. Seit dem Frühjahr 2019 werden die Stationen und die Operationssäle ausgeräumt und abgebaut. Ein Blick hinter die Kulissen.


Auch in Parsberg im Landkreis Neumarkt musste das kleine Krankenhaus Anfang des Jahres schließen – wegen Personalmangels und eines zu geringen Patientenaufkommens. Dort gibt es noch eine mit sechs Betten inklusive Beatmungsgeräten ausgestattete Intensivstation.

Genutzt werden die Plätze allerdings nicht, auch weil die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen zurückgeht. Zudem gibt es in der 7200-Einwohner-Stadt auch ein (oberpfälzisches) Bezirksklinikum, für das gerade 20 Beatmungsgeräte für den Ernstfall angeschafft wurden.

Das Problem dort, wie wohl auch in der künftigen psychosomatischen Fachklinik in Treuchtlingen: In der Regel wird kein Intensivbereich benötigt, da in dem Haus keine Menschen am Körper operiert, sondern allein seelisch behandelt werden, wozu kein Eingriff nötig ist. Außerdem hat sich bereits an anderen Orten in Deutschland gezeigt, dass nicht die mangelnde technische Ausrüstung das Problem ist, sondern das seit Jahren fehlende Personal im Gesundheitswesen.

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