Mittwoch, 23.10.2019

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Treuchtlingen: Sturm Eberhard eröffnet Borkenkäfer-Saison

So früh wie noch nie schlagen Forstamt und Forstbetriebsgemeinschaften Alarm – Das gute Wetter jetzt nutzen - 23.03.2019 13:25 Uhr

Ganz schön gewütet hat Sturm „Eberhard“ im Treuchtlinger Stadtwald oberhalb der Firma Franken-Schotter. Durch Rodungen zur Erweiterung des Steinbruchs sind die dortigen Waldränder besonders anfällig für Windbruch, der wiederum idealer Nährboden für den Borkenkäfer ist. © Patrick Shaw


 „Es sind gar nicht so viele Bäume, die derzeit im Wald liegen, aber die sind ein idealer Brutplatz“, erklärt Jürgen Stemmer, Bereichsleiter am Weißenburger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Denn es sind nicht die kahlen, rindenlosen Baumleichen, die der Borkenkäfer liebt, sondern gerade erst gebrochene, entwurzelte oder durch Trockenheit geschwächte Bäume – insbesondere die eigentlich in der Region nicht heimischen Fichten.

Dementsprechend liegen auch viele Waldbesitzer falsch bei ihrer Begutachtung. „Wenn Rinde und Nadeln weg sind, ist auch der Käfer schon fort“, so Eckhard Freist von der FBG Pappenheim-Weißenburg. Bestes Anzeichen für Käferbefall sei vielmehr das feine, kaffeebraune Bohrmehl am Stammansatz. „Wer mit Götterblick zu den Kronen durch den Wald läuft, sieht das natürlich nicht.“

Auch die Regierung von Mittelfranken hat gerade eine erneute Anordnung zur Bekämpfung des Borkenkäfers erlassen. Sie ist am 16. März in Kraft getreten und gilt bis Ende 2023. Die beiden Käferarten Buchdrucker und Kupferstecher „zählen zu den wichtigsten forstschädlichen Insekten in Bayern“, heißt es darin. „Ihre Überwachung und Bekämpfung erfordert alljährlich hohe Anstrengungen.“ Überdurchschnittliche Temperaturen und wenig Niederschläge hätten im vergangenen Jahr die Entwicklung der Borkenkäfer enorm begünstigt.

Die Anordnung erklärt für ganz Mittelfranken Nadel- und Mischwälder sowie Grundstücke, auf denen unentrindetes Nadelholz näher als 500 Meter zu solchen Wäldern lagert, zu Gefährdungs- und Befallsgebieten. Eigentümer und Nutzungsberechtigte sind demnach verpflichtet, ihre Grundstücke von April bis September mindestens einmal alle vier Wochen zu kontrollieren, eventuellen Käferbefall zu melden und diesen zu bekämpfen. Waldbesitzern, die dem nicht nachkommen, drohen Rechnungen für behördliche Ersatzvornahmen.

„Vier Wochen sind aber eigentlich viel zu lang und April als Beginn zu spät“, meint Fabian Röhnisch, Geschäftsführer der in Treuchtlingen ansässigen FBG Franken-Süd. Schon jetzt rege sich die Vorjahresbrut unter der Rinde und werde möglicherweise noch vor Ostern ausschwärmen. Die vier Käfergenerationen des Vorjahrs seien künftig vermutlich eher die Regel als die Ausnahme.

Am Wochenende in den Wald!

Die rund 800 Waldbesitzer im Landkreis sollten deshalb „am Wochenende in ihre Wälder gehen, das Sturmholz rausholen und in den Ofen legen“, rät Eckhard Freist. Für die Vermarktung seien die Mengen zwar meist noch zu klein, die Forstbetriebsgemeinschaften stünden aber trotzdem als Helfer und Berater bereit. Dies sei besonders bei Windwurf wichtig, dessen Aufarbeitung „die Spitze des fachlichen Könnens im Forst“ darstelle. Unter Spannung stehender Windbruch oder hoch aufragende Wurzelteller seien bei unsachgemäßer und ungesicherter Arbeitsweise lebensgefährlich.

Finanziell sollte die Aufarbeitung von Käferholz durch Forstunternehmen auch für kleine Privatwaldbesitzer kein Problem sein. „Der Einschlag kostet zwischen 20 und 30 Euro pro Festmeter, das Holz brachte vergangenes Jahr 50 bis 60 Euro“, fasst Jürgen Stemmer zusammen. Allerdings werde es später im Jahr immer schwieriger, überhaupt Forstunternehmer mit freien Kapazitäten zu finden. „Frühzeitig kleine Mengen aufarbeiten“, laute deshalb die Devise.

Ziel der Forstämter ist laut Revierförster Markus Bernholt die „saubere Waldwirtschaft“. Bei Waldbesitzern, die ihre Wälder geerbt und wenig Bezug zur Forstwirtschaft haben oder sehr naturverbunden sind, stoße dies jedoch auf Unverständnis. Sie würden lieber alles Totholz liegenlassen, weil sie glauben, das sei gut für die Natur. „Ist es im Fichtenwald aber nicht“, so Bernholt. Die Fichte sei ein Nutzbaum und gehöre eigentlich gar nicht in die Region. Sie brauche deshalb die Bewirtschaftung und Pflege. Würde man die Natur einfach machen lassen, gäbe es in Franken fast ausschließlich dichte Buchen- und Haselwälder.

Dazu kommt dann noch der Klimawandel, der der „durstigen“ Fichte mit Hitze und Trockenheit zusätzlich zusetzt. Schon angesichts dessen haben die Forstexperten keinerlei Verständnis für Leugner der globalen Erwärmung. „Wir starten heuer wieder aus einem milden Winter in hochsommerliche Temperaturen“, verdeutlicht Forstamtschef Stemmer. „Vegetationsperiode und Blühtermine liegen mittlerweile vier Wochen früher. Das bestätigt auch die Wissenschaft.“

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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