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Treuchtlingen und Weißenburg kaufen den Karlsgraben

Natur- und Denkmalschutz vereint: Kommunen erwerben 19 Hektar entlang dem Bodendenkmal - 20.09.2018 06:04 Uhr

Weißenburgs Oberbürgermeister Jürgen Schröppel, Landrat Gerhard Wägemann, Klaus Fackler vom Landschaftspflegeverband, Treuchtlingens Rathauschef Werner Baum und Ministerialdirektor Christian Barth (hinten, von rechts) ließen sich nach der Übergabe der Förderbescheide am Ufer des Karlsgrabens nochmals die Geschichte des frühmittelalterlichen Kanals erklären. © Patrick Shaw


Rund 19 Hektar Wiesen und Äcker entlang dem Kanalfragment nordöstlich des nach dem Bodendenkmal benannten Treuchtlinger Ortsteils Graben erwerben die beiden Kommunen. 90 Prozent liegen in der Dettenheimer Flur, also auf dem Gebiet der Stadt Weißenburg, zehn Prozent auf Treuchtlinger Grund. Die größere Bedeutung hat das Projekt dennoch für die Altmühlstadt, befinden sich in Graben doch das Karlsgrabenmuseum und das einzige erhaltene, rund 500 Meter lange Teilstück der „Fossa Carolina“, die einst Altmühl und Schwäbische Rezat, Rhein und Donau, Nordsee und Schwarzes Meer verbinden sollte.

Rund 264.000 Euro nehmen die zwei Kommunen für den Flächenkauf in die Hand. Davon trägt Weißenburg etwa 28.000 Euro, Treuchtlingen knapp 6000. Den Löwenanteil übernehmen mit 230.000 Euro Bund und Freistaat.

Allerdings ist das Vorhaben vordergründig kein Denkmal-, sondern ein Naturschutzprojekt. „Karlsgraben-Rezataue“ ist es überschrieben und soll die verbliebenen Feuchtwiesen im Emetzheimer Ried, dem Ursprungsbereich der Schwäbischen Rezat, zu einem Teil des Biotopverbunds „BayernNetzNatur“ machen. Arten wie Kiebitz, Weißstorch, Bekassine, Kammmolch und seltene Insekten sollen dort neuen Lebensraum erhalten.

Feuchtflächen für den Artenschutz

Dafür kaufen die beiden Nachbarstädte die bislang teils intensiv genutzten Wiesen und Äcker der umliegenden landwirtschaftlichen Betriebe und lassen dort künftig nur noch eine naturnahe Bewirtschaftung ohne Trockenlegung und Düngung zu. Auf diese Weise soll am Karlsgraben wieder „ein größerer, zusammenhängender Feuchtflächenkomplex“ entstehen, wie Umwelt-Bereichsleiter Robert Karl von der Regierung von Mittelfranken beim Ortstermin erklärte.

Konkrete Ziele sind das Erhalten von Steilabbrüchen, Sand- und Schlickbänken sowie die Umwandlung von Äckern in Grün- und Überschwemmungsflächen, um die Artenvielfalt zu steigern, das Grundwasser zu schützen und die natürliche Rückhaltefunktion der Fluss­auen zu stärken. Gerade in Zeiten des Klimawandels und zunehmend trockener Sommer sei die Wiederver­nässung von Wiesen zudem auch für die Landwirtschaft hilfreich, ergänzte Treuchtlingens dritter Bürgermeister Klaus Fackler.

Als Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbands war er zusammen mit Stefanie Berg vom Landesamt für Denkmalpflege auch der maßgebliche Impulsgeber für das Projekt. Denn die Überlegungen, dieses „Bodendenkmal von europäischem Rang“ zu erwerben und als „Karlsgraben-Erlebniswelt“ touris­tisch stärker zu vermarkten, gibt es laut Stadtoberhaupt Werner Baum schon seit den sensationellen Funden der Forschungsgruppe um Dr. Lukas Werther von der Universität Jena vor rund zwei Jahren.

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Werther und sein Team hatten erstmals wissenschaftlich nachgewiesen, dass die „Fossa Carolina“ tatsächlich unter Karl dem Großen (und nicht etwa von den Römern oder im späteren Mittelalter) gebaut sowie auch nahezu fertiggestellt wurde.

Natur- und Denkmalschutz zugleich

Eine rein denkmalschützerische Sicherung der Flächen wollte aber nicht so recht ins Laufen kommen – bis Landschaftspflegeverband, Denkmalamt und Amt für Ländliche Entwicklung auf die Idee kamen, den Naturschutz in den Vordergrund zu stellen. „Hier gibt es keinen Interessenkonflikt, sondern eine Kohärenz des Wirkens, die vorbildlich ist“, so Klaus Fackler. Der Kauf des Areals zwischen den beiden Kreuzungspunkten des Karlsgrabens mit der Bahnlinie komme sowohl der Umwelt als auch der Vermarktung des Bodendenkmals zugute, das die Kommunen gern mit Hinweisschildern, Rekonstruktionen und anderen Mitteln besser sicht- und erlebbar machen würden. Durch diese „besondere Verbindung von Natur- und Denkmalschutz“ habe der Karlsgraben nun „auch als europäische Idee die Jahrhunderte überdauert“, freute sich Ministerialdirektor Christian Barth.

Als „vorbildliches Projekt interkommunaler Zusammenarbeit, gerade in Zeiten, in denen um jeden Quadratmeter Fläche gekämpft wird“, bezeichnete Weißenburgs Oberbürgermeister Jürgen Schröppel die Kooperation. Die Kaufabwicklung übernahm das Amt für ländliche Entwicklung im Zuge des Dorferneuerungsverfahrens für Dettenheim, die Grundstücksverhandlungen führte der Bayerische Bauernverband, fachlich unterstützten das Landesamt für Denkmalpflege, die Naturschutzbehörden und der Bund Naturschutz.

Dies sei aber „erst der Beginn“, so Schröppel. Jetzt müssten die Flächen weiterentwickelt werden. Dafür soll es möglicherweise bald eine eigene Projektgruppe geben. Denn der Karlsgraben ist laut Naturschutz-Sachgebietsleiter Klaus Gabriel von der Regierung von Mittelfranken „eine touris­tische Attraktion par excellence“. Ein gutes Marketing müsse dabei allerdings Hand in Hand mit einem schonenden Umgang gehen, „damit die Belastung des Gebiets nicht zu groß wird“. 

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

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