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Treuchtlingen: Wo kommt eigentlich das Fernwasser her?

Quellen befinden sich im Zusammenfluss von Donau und Lech - Leitung bis nach Erlangen - 14.08.2019 05:56 Uhr

Im schwäbischen Genderkingen, wo Donau (rechts) und Lech (links) zusammenfließen, wird das Trinkwasser gewonnen, das über die Fernleitung in die Treuchtlinger Wasserhähne fließt. Am oberen Bildrand in der Mitte steht das Wasserwerk des Zweckverbands Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum. © Foto: WFW/Hajo Dietz/Nürnberg Luftbild


Gut 40 Minuten brauch man mit dem Auto von Treuchtlingen nach Genderkingen. Die an Donau und Lech gelegene Gemeinde in Nordschwaben hat gut 1200 Einwohner, eine katholische Kirche und einen kleinen Flugplatz. Und sie hütet einen Schatz: das Treuchtlinger Trinkwasser.

Bei Genderkingen fließt der Lech von Süden in die aus dem Westen kommende Donau. Im Zuflussdreieck befindet sich das Wasserwerk des Zweckverbands Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum (WFW), einem Zusammenschluss hauptsächlich mittelfränkischer Städte und Landkreise. In Genderkingen startet auch die Fernleitung, die das Wasser bis nach Franken leitet, bevor es unter anderem in Treuchtlingen und einigen seiner Ortsteilen aus dem Hahn kommt.

Das "Fernwasser" ist also nur etwa 28 Kilometer von seinem Ursprung bis in die Altmühlstadt unterwegs. Doch warum müssen die Treuchtlinger überhaupt Wasser aus der Ferne trinken? Die Leitung gibt es seit den 1970er Jahren, als die Stadt Probleme mit ihren Brunnen hatte.

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Mit dem relativ harten und sauerstoffarmen Lechwasser versorgen die Stadtwerke seither über den Hochbehälter am Nagelberg die Kernstadt sowie die Dörfer Gundelsheim, Graben und Heumödern. Rund 450 000 Kubikmeter zapfen sie pro Jahr aus der Fernleitung, im Herbst wird noch Schambach mit 30 000 Kubikmetern Verbrauch angeschlossen. Das Wasser in Genderkingen wird aus dem Grundwasser gewonnen, das den Lech begleitet. Es handelt sich dabei überwiegend um ein durch die Untergrundpassage gereinigtes "Uferfiltrat". Aus zwölf Metern Tiefe holen drei Horizontalfilterbrunnen bis zu 2000 Liter pro Sekunde aus dem Kiesboden. Etwa 130 000 Kubikmeter werden täglich gewonnen, im Wasserwerk belüftet und gefiltert.

Die über 100 Kilometer lange Fernwasserleitung führt von Genderkingen über Treuchtlingen und Weißenburg bis nach Nürnberg und Erlangen. © Infografik NN/WFW


Aufs Jahr gerechnet fließen 25 bis 30 Millionen Kubikmeter Richtung Norden. Zum Vergleich: Etwa 8,1 Millionen Kubikmeter pro Jahr entnehmen die 35 angeschlossenen Kommunen, Zweckverbände und Betriebe aus dem unter Treuchtlingen liegenden Tiefenwasserdepot des "überdeckten Sandsteinkeupers", aus dem auch die Firma Altmühltaler ihr Mineralwasser holt.

Zurück an den Lech: Zunächst wird das Fernwasser 150 Meter hoch in den Scheitelbehälter Graisbach gepumpt, von wo es in Rohren mit 1,40 Metern Durchmesser im freien Gefälle über Treuchtlingen, Weißenburg und Ellingen weiter nach Nürnberg und Erlangen fließt. Der Verbrauch steigt seit einigen Jahren um jährlich zwei bis vier Prozent, heißt es von der WFW. Das liege weniger am Pro-Kopf-Verbrauch als am Bevölkerungswachstum in der Region. Der Zweckverband geht davon aus, dass der Verbrauch in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

Der Bedarf wird auch in die Neuverhandlung der Wasserrechte in Genderkingen eingehen, die dort Ende 2023 auslaufen. Ein Stück lechaufwärts bei Oberndorf hat der Verband deshalb ein weiteres Wasserschutzgebiet als Reserve, um notfalls weitere Brunnen bauen zu können.

Großzügig kalkuliert

Dabei profitiert das System von einer recht großzügigen Berechnung vor einigen Jahrzehnten. Denn als der Wasserverbrauch nach dem Zweiten Weltkrieg kräftig anstieg, wurde mit einem künftigen Pro-Kopf-Verbrauch von 200 bis 250 Litern pro Tag gerechnet. Heute sind es durchschnittlich um die 122 Liter. Also würden die Anlagen noch einiges an Bevölkerungswachstum vertragen.

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Die Trockenheit bereitet der WFW derzeit noch keine Sorgen, der Grundwasserstand in Genderkingen sei ausgesprochen stabil. Auf die Qualität des Wassers wirft der Versorger aber verstärkt ein Auge. Der Nitratgehalt liegt zwar mit sechs Milligramm pro Liter deutlich unter dem Grenzwert von 50 Milligramm. Jedoch können Spuren von Industriechemikalien oder Medikamenten im Nanogrammbereich nachgewiesen werden – Stoffe, die es früher wohl auch schon gab, deren Anteil aber nicht gemessen werden konnte.

BENJAMIN HUCK UND MARTIN MÜLLER E-Mail

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