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Treuchtlingen: Wo sind all die Jurahäuser hin?

Alte Bauform war einst für die Region prägend - 18.04.2020 05:59 Uhr

In der Hauptstraße, neben dem evangelischen Pfarramt, wurde Ende März ein altes Haus dem Erdboden gleich gemacht.

17.04.2020 © Foto: Patrick Shaw


Die markanten Jurahäuser mit ihrem flachen Legschieferdach prägten einst das südliche Altmühlfranken. In der Treuchtlinger Stadtmitte gibt es jedoch nur noch wenige davon – zu leichtfertig wurden sie in den Nachkriegsjahren moderneren, vermeintlich besseren Neubauten geopfert.

Und auch ansonsten ist die Altmühlstadt selbst nicht gerade reich an historischer Bausubstanz und Baudenkmälern. Deshalb schauen Stadtverwaltung und auch interessierte Bürger durchaus genauer hin, wenn irgendwo ein altes Haus neuerer Bebauung weichen soll. Zwei Beispiele fielen dabei in den vergangenen Monaten ins Auge.

Zum einen fehlt seit dem vergangenen Herbst dem kleinen Jurahaus in der Fischergasse zwischen Rathaus und Treuchtlinger Kurier das Dach. Zum anderen ist der alte Stadel in der Hauptstraße neben dem Anwesen Nummer 46 an der Ecke zur Kirchenstraße (stadtauswärts zwischen Metzgerei Geißelmeier und Altmühlbrücke) verschwunden.

In der Fischergasse soll ein altes Jurahaus ein neues Dach bekommen. Trotz seiner Historie und besonderen Bauweise ist das Gebäude nicht geschützt.

17.04.2020 © Foto: Patrick Shaw


Das Jurahaus in der Fischergasse ist laut Denkmal-Atlas des Landesamts für Denkmalschutz sowie nach Auskunft von Janina Gampe vom Stadtbauamt nicht denkmalgeschützt, soll aktuell aber auch nicht abgerissen werden. "Wenn der Eigentümer das wollte, könnte die Stadt aber nichts dagegen machen", so Gampe.

Statt des alten Legschieferdaches schützt derzeit eine Folie den Dachstuhl und die Räume darunter. Das Steindach zu ersetzen, wäre enorm aufwändig und teuer – ein Beispiel dafür ist das Gasthaus "Zum Güldenen Ritter" in Schambach, dessen 2011 erneuertes Juradach rund 120 Tonnen wiegt (wir berichteten).

Das laut Denkmal-Atlas aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende Eckhaus in der Hauptstraße 46 ist dagegen denkmalgeschützt – die abgerissene Scheune daneben war es jedoch nicht. Sowohl im historischen Teil als auch auf der nun frei gewordenen Fläche sollen dem Stadtbauamt zufolge demnächst neue Wohnungen entstehen, die als "City Domizil" vermarktet werden.

Auch wenn ein Haus alt und schützenswert aussieht, ist es nicht unbedingt ein Denkmal. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat auch in Treuchtlingen die Häuser kartiert (Umrisse in rosa). Manchmal sind nur Gebäudeteile geschützt.

17.04.2020 © F.: Bayer. Landesamt f. Denkmalpflege, Geodaten: Bayer. Vermessungsverwaltung


Insgesamt sind in der Treuchtlinger Stadtmitte der Denkmal-Kartierung des Landesamts zufolge neben Burgruine, Stadtschloss, Rathaus, Forsthaus, Markgrafen-, Lambertus- und Marienkirche 26 Gebäude denkmalgeschützt, davon 17 südlich und neun nördlich der Hauptstraße.

Das ist nicht viel – auch etliche ältere Häuser könnten also jederzeit aus dem ohnehin schon nur sporadisch historischen Stadtbild verschwinden. "Generell geht die Stadt auf die Eigentümer zu, wenn alte Häuser abgerissen werden sollen", erklärt Janina Gampe dazu auf Nachfrage. "Wenn das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, haben wir aber keine Handhabe."

Verein will Gebäude bewahren

Der Jurahaus-Verein aus Eichstätt wurde 1984 gegründet, zu einer Zeit, als Jurahäuser den Ruf hatten, für ein ärmliches, feuchtes und rückständiges Wohnen zu stehen. Er hat nun die neueste Ausgabe seiner Mitgliederzeitschrift „Das Jurahaus“ veröffentlicht. Das Magazin steht für Bewahren und Bauen im Altmühlgebiet und beschäftigt sich neben Lokalgeschichte auch mit der Historie einzelner besonderer Gebäude in der Region.

So wird die Geschichte eines ehemaligen Dreitseithofs in Büttelbronn erzählt, ebenso gibt es eine Baudokumentation über den ehemaligen Brauereigasthof „Zur Krone“ in Büttelbronn. Ein Artikel widmet sich auch der Jura-Scheunenkirche St. Gunthildis in Dettenheim. 

Weitere Themen des Heftes lauten: „Hexenverfolgung in Eichstätt – Opfer, Täter und Zuschauende“, „Nach der Flugscham die Bauschaum – Zu den ökologischen Folgen des Bauens“, „Ländliche Baukultur und Tourismus – Zusammenhänge und Perspektiven“ oder „Katzenmumien und anderer Zauber – Funde in historischen Gebäuden.“

Das Heft Nummer 26 kann im Internet unter www.jurahaus-verein.de bestellt werden.

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