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Treuchtlingen: Wohnbaugenossen vermieten günstige Wohnungen

Ungefähr 200 Wohnungen in Treuchtlingen - Neubau nur mit Eigenkapital - 29.09.2020 05:57 Uhr

Eines der ersten Treuchtlinger Genossenschaftshäuser in der Friedrich-Ebert-Straße aus den 1950er Jahren wurde 2019 energetisch saniert.

© Foto: Ralph Goppelt/WBG


Eine der großen Vermieterinnen in Treuchtlingen ist die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) Altmühlfranken. Vor 70 Jahren gegründet, um vor allem Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg günstigen Wohnraum zu beschaffen, ist sie heutzutage immer noch eine Anlaufstelle für Menschen, die nicht so viel Geld verdienen und auf niedrige Mieten angewiesen sind.


Treuchtlingen spart bei Straßen und Sozialwohnungen


Im gesamten Landkreis gehören der WBG etwa 330 Wohnungen in knapp 50 Gebäuden. Der Großteil davon steht in Treuchtlingen: 27 Mehrfamilienhäuser mit knapp 200 Wohnungen und Garagen, vor allem am Brühl sowie vereinzelt in der Nähe des Bahnhofs. Die zentrale Lage ist auch ein wichtiges Kriterium für den Bau neuer Wohnungen, sagt WBG-Aufsichtsratsvorsitzende Anette Pappler: "Viele unserer Bewohner können sich kein Auto leisten, deshalb sollen die Grundstücke möglichst zentrumsnah sein."

Lange Vermietungsdauer, kaum Leerstand

Die Objekte sind beliebt, Leerstand kennt die WBG kaum. Momentan befinden sich für Treuchtlingen etwa 30 Personen auf der Warteliste. Wer sich für eine Wohnung interessiert, muss zunächst einen Antrag auf Wohnungszuteilung ausfüllen (im Internet unter www.wbg-wug.de). Freie Unterkünfte werden nach Wartezeit vergeben, außer ein Härtefall verlangt dringend nach einem Obdach.


Treuchtlingens Flächennutzungsplan schrumpft zusammen


Wenn eine Wohnung leer wird, sehen sich die Verantwortlichen zunächst den Zustand an. "Wir haben viele Mieter, die jahrzehntelang, manchmal bis zu ihrem Tod, in einer Wohnung leben", sagt WBG-Vorsitzender Jörg Archinger. Nach dem Auszug eines Mieters wird die Wohnung, falls nötig, innen saniert, vor allem die Bäder werden aufgehübscht. Eine Außensanierung findet an vielen Gebäuden hingegen auch statt, wenn die Mieter noch im Haus wohnen. "Wir wollen sie aber nur gering an den Modernisierungskosten beteiligen", erklärt Archinger.

Moderate Mieterhöhungen

Laut Bürgerlichem Gesetzbuch ist alle drei Jahre eine Mieterhöhung von bis zu 20 Prozent zulässig. Die WBG legt Wert auf eine moderate Erhöhung von unter zehn Prozent, und das auch nicht alle drei Jahre. Die durchschnittliche Grundmiete über den Gesamtbestand beträgt derzeit 4,59 Euro pro Quadratmeter.

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Finanziell ist die WBG solide aufgestellt. Neben den Städten und Gemeinden Pleinfeld, Ellingen, Weißenburg, Treuchtlingen und Pappenheim halten auch die Mieter Anteile an der Genossenschaft, die 102 Euro kosten und deren Anzahl sich je nach Wohnungsgröße ändert.


Symptom oder Chance: Braucht Treuchtlingen mehr Pendler?


Während manche Genossenschaften, vor allem in Großstädten, so viele Wohnungen wie möglich bauen, legt die WBG Altmühlfranken Wert auf ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Die letzten Neubauten stammen aus den 1990er Jahren. Oft hängt die Nachfrage mit der Ankunft einer großen Zahl an Menschen aus dem Ausland zusammen, etwa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs oder im Rahmen des aktuellen Zuzugs von Geflüchteten aus dem Nahen Osten. "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die zweite Generation oft selbst eigene Häuser baut oder Eigentum erwirbt", erzählt Archinger.

Altbauten werden energetisch saniert

Zuletzt hat die WBG immer wieder Gebäude modernisiert, etwa im vergangenen Jahr in der Friedrich-Ebert-Straße in Treuchtlingen. Heuer wagt sich die Genossenschaft an ein neues Wohnbauprojekt – in der Schönau in Weißenburg entsteht ein Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohnungen. "Den Bau finanzieren wir aus Fördermitteln sowie aus eigenen Rücklagen", sagt Archinger. Kredite habe man nicht aufnehmen müssen.


Braucht Treuchtlingen mehr Wohnraum?


In Treuchtlingen würde die Genossenschaft gern auch wieder bauen, doch bislang hat sie kein passendes Grundstück gefunden. Und mit dem Weißenburger Projekt ist die WBG nun zunächst ausgelastet, so Archinger. "Aber in zwei, drei Jahren könnten wir Treuchtlingen nochmal angehen."

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