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Treuchtlingens Flächennutzungsplan schrumpft zusammen

Flächen sollen freibleiben, falls die Altmühl über die Ufer tritt - 19.07.2020 05:57 Uhr

Kein sozialer Wohnungsbau in der Gstadter Straße: Das dafür vorgesehene Grundstück (links im Bild) liegt im Hochwassergebiet der Altmühl und muss vorerst landwirtschaftliche Fläche bleiben. Der Stadtrat will die Zuweisung aber „nochmal anpacken“.

16.07.2020 © Foto: Patrick Shaw


"Die übergeordneten Vorgaben höhlen die kommunale Selbstverwaltung immer weiter aus!" Treuchtlingens dritter Bürgermeister Hubert Stanka (UFW) sprach in der jüngsten Bauausschusssitzung aus, was wohl viele im Gremium dachten, nachdem sie die jüngsten Änderungen im Flächennutzungsplan der Altmühlstadt beschlossen hatten. Der soll am nächsten Donnerstag, 23. Juli, im Stadtrat verabschiedet werden – allerdings ohne so einige Wohn- und Gewerbeflächen, die sich die Stadt gewünscht hätte.

"Schuld" an den Streichungen ist mehrfach die Altmühl beziehungsweise ihr Hochwasserraum. So müssen wegen potenzieller Überschwemmungen zwei Grundstücke nördlich und östlich der Firma Alfmeier Grünflächen bleiben, ebenso wie die vorgesehene Verlängerung des Wettelsheimer Gewerbegebiets nordöstlich der Staatsstraße 2230 in Richtung Markt Berolzheim. Gleiches gilt für drei geplante Gewerbeflächen nahe der Kläranlage, der Firma Krauss-Maffei und des Dietfurter Sträßchens im Umfeld der Heusteige.

Geht es nach dem Dietfurter Ortsausschuss, sollte zudem auch das Areal östlich des Dietfurter Sträßchens der Landwirtschaft vorbehalten bleiben. Dagegen votierte CSU-Fraktionschef Uwe Linss, der betonte, dass er "normalerweise dem Ortsausschuss folgen würde". Wenn aber so viel herausfalle, hätte er diese Gewerbefläche "doch gern drin". Da die UFW mit ihren Dietfurter Ratsmitgliedern Stanka und Christian Früh den Plan ihrerseits nicht allein wegen dieses Punktes ablehnen will, wird dies nun wohl auch so kommen – allerdings gegen den schriftlichen Einwand des Ortsausschusses.

Vom Tisch ist dagegen die in der vorherigen Sitzung diskutierte "bandwurmartige Siedlungsentwicklung" westlich der Wiegandhalle. Hier wird die Bebauung mit Abschluss des Friedhofs begrenzt. Und es gibt eine schlechte Nachricht für den sozialen Wohnungsbau: In der Altmühlau am Stadtrand östlich der Gstadter Straße können vorerst keine Sozialwohnungen entstehen. Grund ist auch hier das Hochwassergebiet, wenngleich die Stadt das Thema nach der Genehmigung des Flächennutzungsplans "nochmal anpacken will".

Zu einer kurzen Diskussion führte die Frage, ob das fälschlich als Gemeindebedarfsfläche ausgewiesene Wohngebiet südlich des Hackschnitzelheizwerks in der Hahnenkammstraße so im Plan bleiben kann. Linss und TBL-Sprecher Hans König plädierten dafür, um der Stadt "alle Türen für eine Heizwerk-Erweiterung offen zu halten". Bauamtsleiter Jürgen Herbst verdeutlichte indes, dass dies eine "Scheinausweisung" wäre. Dennoch will die Stadt die Ausweisung als Mischgebiet prüfen.

Einen "guten Kompromiss" hat die Bauverwaltung laut Hubert Stanka für das Sägewerk in Wettelsheim erarbeitet, das wegen des Immissionsschutzes nun nicht ganz, aber teilweise vom Misch- zum Gewerbegebiet wird. Umgekehrt wandelt die Stadt das bei den Bewohnern umstrittene Mischgebiet am Weitstein in Dietfurt wieder in ein Wohngebiet um – was den Nebeneffekt höherer Lärmschutzvorgaben beim bevorstehenden Bau der B 2-Umgehung hat. Und auch in Gundelsheim und Haag müssen zwei erhoffte neue Gewerbegebiete landwirtschaftliche Flächen bleiben, ebenso wie drei angedachte Bauplätze im Landschaftsschutzgebiet bei Windischhausen.

Neben diesen Änderungen, die nach dem 23. Juli nochmals öffentlich ausgelegt werden, würdigte der Bauausschuss 85 weitere Stellungnahmen und empfahl dem Stadtrat, den neuen Nutzungsplan anzunehmen. "Ich hätte nicht gedacht, dass das heute so sanftmütig abgeht", gestand Rathauschefin Kristina Becker am Ende erleichtert.

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