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Treuchtlingens Naturparkrangerin hat ein Auge auf Mensch und Natur

Ann-Katrin Frisch kümmert sich um das westliche Altmühltal und seine Besucher - 08.05.2020 06:03 Uhr

Die Treuchtlinger Naturparkrangerin in ihrem Revier. Ann-Katrin Frisch will im Altmühltal Tourismus und Naturschutz miteinander in Einklang bringen. © Naturpark Altmühltal e.V.


Was macht eigentlich ein Naturparkranger?

Wir haben vielfältige Tätigkeiten, zum Beispiel Naturschutz und Landschaftspflege. Im Altmühltal sind vier Ranger unterwegs, da hat jeder einen etwas anderen Schwerpunkt. Mein Augenmerk liegt unter anderem auf Kalkphänomenen, wie etwa steinernen Rinnen, und auf Streuobst, das ist ja ein wichtiges Thema im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Außerdem arbeiten wir in Sachen Naturschutz eng mit Gemeinden, Landschaftspflegeverbänden und unteren Naturschutzbehörden im Naturpark zusammen. Natürlich können auch Bürger, die eine Idee für ein Naturschutzprojekt haben, an uns Ranger herantreten.

Wie viel sind Sie im Büro und wie viel in der Natur unterwegs?

Wir wären gern mehr draußen, da geht es wohl allen Rangern gleich. Es ist wichtig, dass wir vor Ort unterwegs sind, um Gebiet und Leute kennenzulernen. Aber natürlich sind wir auch viel vor dem Computer, haben Besprechungen und müssen immer wieder mit dem Naturpark-Verein Rücksprache halten, bei dem wir tätig sind. Im Frühjahr und Sommer sind wir deutlich mehr draußen, im Winter holt man dann vielleicht Verwaltungsarbeiten nach.


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Für welches Gebiet sind Sie zuständig?

Ich bin für die Landkreise Weißenburg-Gunzenhausen und Donau-Ries zuständig, eben für die Teile der Landkreise, die im Naturpark Altmühltal liegen. Das ist der westliche Teil des Naturparks. Insgesamt hat der knapp 3000 Quadratkilometer Fläche, mein Gebiet umfasst etwa 750 Quadratkilometer.

Mittler zwischen Mensch und Natur

Sie sind seit November 2019 im Amt. Wie gut kennen Sie Ihren Bereich schon?

Ich bin zugezogen, komme ursprünglich aus dem Allgäu und wohne jetzt seit vier Jahren in Mittelfranken. Da war ich natürlich privat im Naturpark unterwegs und jetzt in den letzten Monaten auch viel beruflich. Ich habe mir schon viel angeschaut, aber es gibt noch irre viel, das ich mir noch anschauen möchte und das mir wichtig ist. Allerdings habe ich auch schon mit Leuten gesprochen, die seit 20 Jahren im Altmühltal unterwegs sind und die immer noch neue Orte entdecken.

Durch Corona ist der Tourismus weitgehend zum Erliegen gekommen. Ist das vielleicht eine Chance für die Natur?

Uns im Naturpark Altmühltal ist eigentlich schon wichtig, dass viele Leute draußen unterwegs sind. Davon lebt ein Naturpark. Da geht es ja nicht nur um Naturschutz, auch der Tourismus ist uns sehr wichtig. Wir versuchen gerade als Ranger, Mittler zu sein zwischen Mensch und Natur. Es ist für die Natur wichtig, dass der Mensch draußen ist. Nur was der Mensch kennt, kann er auch schätzen lernen. Und nur was er schätzt, will er schützen.

Bildung für Schüler und Lehrer

Dennoch gibt es Konflikte zwischen Naturschutz und Tourismusförderung. Wie gehen Sie damit um?

Ein Arbeitsbereich von uns Rangern ist die Besucherlenkung. Wir arbeiten darauf hin, dass wir einen möglichst verträglichen Tourismus haben. Natürlich gibt es da auch Konflikte mit dem Naturschutz, etwa bei Moutainbikern oder den Bootswanderern auf der Altmühl. Zum Thema Bootswandern gab es eine Masterarbeit, die festgestellt hat, dass Kanus, die über Kiesbänke fahren, Laichhabitate von Fischen zerstören. Unsere Aufgabe ist es dann, die Menschen darauf aufmerksam zu machen und uns Maßnahmen zu überlegen. Manchmal ist das ganz einfach und es reicht, auf der Altmühl mit dem Kanu rechts statt links zu fahren.

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Das Thema Umweltbildung spielt für Sie ebenfalls eine wichtige Rolle. Was planen Sie da konkret?

Da gibt es verschiedene Programme, zum Beispiel die Naturpark-Schulen im Altmühltal. Im Moment haben wir davon zwei, eine dritte entsteht gerade. Das sind ganz normale Schulen, die ein Zertifikat bekommen und sich dann Naturpark-Schulen nennen dürfen. Voraussetzung ist eine Zusammenarbeit mit uns, etwa im Rahmen von Fortbildungen für die Lehrer. Wir Ranger führen mit den Schülern dann Aktionen zu Umweltthemen durch. Wir machen auch Erwachsenenbildung, es wird zum Beispiel Führungen geben "Mit dem Ranger unterwegs". Da gehen wir mit den Leuten durchs Altmühltal und zeigen ihnen die Schönheiten und Schätze des Naturparks.

"Möchte nicht alle nur halb machen"

Innerhalb eines Jahres wurde die Stelle, auf der Sie nun sitzen, dreimal neu besetzt. Befinden Sie sich auf einem Schleudersitz?

Nein. Meine Vorgänger hatten unterschiedliche Gründe für die Kündigung. Einer hat sich beruflich einfach anders entwickelt, der anderen war der Fahrtweg zu weit. Wir Ranger sind viel im Gebiet unterwegs und sitzen daher viel im Auto. Wenn dazu noch ein langer Arbeitsweg kommt, kann das sehr belastend sein. Und die Stelle als Naturparkranger – so toll sie ist – hat ein Manko: Sie ist immer auf zwei Jahre befristet. Der Freistaat macht alle zwei Jahre seinen Haushalt und schaut, ob noch genug Geld da ist, um Ranger zu beschäftigen. Das ist ein Unsicherheitsfaktor. Wenn dann jemand irgendwo eine unbefristete Stelle angeboten bekommt, kann das verlockend sein.

Ist der Fahrtweg auch für Sie ein Problem?

Nein, ich wohne in Hilpoltstein. Ich brauche eine halbe Stunde bis Treuchtlingen, das ist im Rahmen. Für die Zeit im Auto habe ich mir schon viele Hörbücher gekauft.


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Nach einem halben Jahr als Naturparkrangerin, wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?

Ich habe Umweltpädagogik studiert, deshalb ist mir die Umweltbildung ein großes Anliegen – auch im Hinblick auf den Naturschutz. Ich mache die Bildungs- und Informationsarbeit ja nicht, um Kinder und Erwachsene nur zu bespaßen. Das Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Tourismus wird mich ebenfalls immer begleiten. Für mich persönlich sind die Größe meines Gebiets und die vielen unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche eine große Herausforderung. Ich möchte nicht alles nur so halb machen.

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