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Treuchtlinger Bahnhof wird fahrradfreundlicher

Stadt und Bahn schaffen neue Stellplätze, gegenüber E-Bike-Boxen ist die Skepsis aber groß - 15.07.2020 06:04 Uhr

Der Treuchtlinger Bahnhof soll radfahrerfreundlicher werden. Dafür erhöhen Stadt und Bahn die Stellplatzzahl von 72 auf 123.

14.07.2020 © Patrick Shaw


Der Ausbau der Stellplätze kommt unabhängig von der Debatte über bessere Parkmöglichkeiten für Pendler am Treuchtlinger Bahnhof. Vor eineinhalb Jahren hatte die Deutsche Bahn im Zuge ihrer "Bike & Ride"- Offensive eine Bedarfsanalyse gestartet, SPD und JGB hatten eine Beteiligung der Stadt beantragt. Nach einer "virtuellen Begehung" im September legte die Bahn im März dieses Jahres das Ergebnis und die Stadtverwaltung eine Entwurfsplanung vor.

Diese sieht 48 neue überdachte "Bügelstellplätze" vor, 27 davon in der Verlängerung des Bahnhofsvorplatzes unter den Bäumen an der Stirnseite der bestehenden Stellflächen und 21 in einem Bogen entlang des Gehsteigs der Bahnhofstraße. Die Gesamtzahl der Plätze steigt damit auf 120 – immer noch deutlich weniger als in Weißenburg (253) oder Gunzenhausen (188), aber "immerhin erweiterbar", wie Bauamtsleiter Jürgen Herbst erklärt. Von den geschätzten 56 000 Euro Baukosten übernehmen Bund und Freistaat rund 38 000.

Unter den Bäumen an der Stirnseite der bestehenden Fahrradstellflächen (im Hintergrund) vor dem Treuchtlinger Bahnhof sollen die 48 neuen Bügelstellplätze und drei E-Bike-Boxen entstehen.

14.07.2020 © Patrick Shaw


Zusätzlich hat die Verwaltung geprüft, ob auch die bestehenden Stellplätze durch Doppelstock-Anlagen ersetzt sowie daneben sechs abschließbare Container samt Ladestationen für E-Bikes geschaffen werden könnten. Ersteres scheitert sowohl an den Kosten, die sich nahezu verdoppeln würden, als auch an der zu geringen Höhe der bestehenden Überdachungen. Und auch für die Stromanschlüsse wären allein für den Bau der Zuleitung rund 12 000 Euro fällig.

So diskutierte der Ausschuss am Ende lediglich über die 48 überdachten Bügelstellplätze sowie sechs E- Bike-Boxen ohne Ladepunkt. Rund 4000 Euro kostet eine solche Box – bei einer voraussichtlichen Mietgebühr von ein bis zwei Euro pro Tag, im Monats-Abo sogar noch weniger, wie einige Ratsmitglieder skeptisch bemerkten. Denn die 24 000 Euro für sechs solche Container müsste die Kommune selbst tragen. Zudem wäre die praktische Bezahlung per Smartphone-App ebenfalls nur mit Stromanschluss möglich.

Sowohl Bauamtschef Herbst als auch Max Böhm (SPD) plädierten dennoch für die Container. "E-Bikes kosten heute oft über 2000 Euro", gab Böhm zu bedenken. Ein Auto-Parkplatz schlage sogar leicht mit dem drei- bis vierfachen Preis einer solchen Box zu Buche, ergänzte Herbst. "Es geht uns um die Zukunftsausrichtung", stimmte auch Bürgermeisterin Kristina Becker zu.

Für Pendler oder Touristen?

CSU-Fraktionschef Uwe Linss hält die Boxen dagegen "im Vergleich zu den geringen Gebühren und angesichts der Haushaltslage für zu teuer" – zumal zwar das Radfahren boome, er bei der Elektromobilität aber große Zweifel habe. Stefan Fischer (SPD) hielt dem entgegen, dass die Stadt "nicht den Fehler machen sollte, nur über die Pendler zu reden". Treuchtlingen sei Bahnknotenpunkt, und es gelte, "auch dem Tourismus etwas anzubieten". Das wiederum ließ Linss nicht gelten, nähmen Radtouristen ihr Fahrrad doch mit, statt es am Bahnhof stehen zu lassen.

Hans König, dessen TBL sich im Wahlkampf vehement für umweltfreundliche Mobilität stark gemacht hatte, positionierte sich "komplett gegen die Boxen". Er zweifle daran, dass überhaupt jemand bereit sei, Geld auszugeben, "nur um sein Rad unterzustellen". Er halte mehrere jüngst abgelehnte Bauprojekte für "wichtiger als so was hier" und wünsche sich "ein Veto vom Kämmerer".

Der jedoch ist laut Rathauschefin Becker der Ansicht, "dass man das schon rechtfertigen kann". Verlässliche Daten über die Nachfrage gebe es freilich nicht, räumte Jürgen Herbst ein. In Gunzenhausen seien entsprechende Boxen "teuer gewesen und werden kaum genutzt". Dort habe die Stadt diese aber auch "strategisch sehr ungünstig aufgestellt". Letztlich stellte Becker einen Kompromiss zur Abstimmung: die 48 geförderten Bügelstellplätze mit Dach zuzüglich drei statt sechs E-Bike-Boxen. Dem folgten sechs der zehn Ausschussmitglieder.

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