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Donnerstag, 22.10.2020

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Treuchtlinger Behindertenbeirat startet Aktionsplan

Das neue Gremium hat in seiner ersten Sitzung seine Ziele abgesteckt - 10.09.2020 06:04 Uhr

Die Johann-Lindner-Straße am Galgenbuck wird derzeit ausgebaut. Unter anderem wird dabei der Gehsteig mittels Absenkungen barrierefrei – ein Ansinnen, das bisher der Senioren- und nun auch der Behindertenbeirat vielerorts verfolgen.

© Patrick Shaw


Der Beirat wurde durch einen Beschluss des Stadtrats ins Leben gerufen. Neben Privatpersonen gehören ihm Vertreter von sozialen Einrichtungen sowie jeweils ein Mitglied von Stadtverwaltung und Stadtrat an. Bei der Vorstellungsrunde wurde deutlich, welche Anliegen die Mitglieder für Treuchtlingen verfolgen wollen. Ihre Ziele: alle Menschen mit Behinderung in der Altmühlstadt und den Ortsteilen "mitzunehmen", bauliche Barrieren abzubauen (etwa mancherorts Bordsteine oder fehlende Behindertentoiletten), Angebote in leichter Sprache zu schaffen sowie Angehörige zu unterstützen, die mit der Behinderung eines Kindes oder Elternteils umgehen müssen.

Die Mitglieder des neuen Treuchtlinger Behindertenbeirats mit dem Vorsitzenden Gerhard Schimm, seinem Stellvertreter Rudolf Hermann und Schriftführerin Anna Mirwald (vordere Reihe, von links).

© Benjamin Huck


Ein großes Thema ist die in den Augen der Interessenvertreter mangelnde Mitsprache bei städtischen Entscheidungen. So habe man bei mehreren Bauprojekten erst nach Abschluss festgestellt, dass es Hürden für Behinderte gibt. Die Beiratsmitglieder hätten sich gewünscht, hier schon während der Planung beteiligt worden zu sein. Bürgermeisterin Kristina Becker hofft, das viele Ideen des Gremiums in die Praxis umgesetzt werden können. Sie bitte jedoch um Verständnis, dass es nicht immer so schnell gehen kann, wie es sich mancher wünsche.

Laut Satzung benötigt der Beirat ein kleines Führungsgremium. Zum Vorsitzenden wählte die Runde Gerhard Schimm. Der Wettelsheimer ist seit vielen Jahre Vertrauensperson für Schwerbehinderte des Gesamtkonzerns Deutsche Bahn. Sein Stellvertreter ist Rudolf Hermann, ebenfalls lange Zeit Vertrauensmann für Schwerbehinderte bei der Bahn für Südbayern. Er hält auch regelmäßig Vorträge zu den Themen Schwerbehinderung und Vorsorge im Treuchtlinger Kulturzentrum Forsthaus. Zur Schriftführerin wählte die Versammlung Anna Mirwald, die in den Werkstätten der Rummelsberger Diakonie arbeitet und dort mit Schwerbehinderten zu tun hat.

Grundlage für Förderung

Gerhard Schimm möchte zusammen mit dem Gremium einen Aktionsplan für Treuchtlingen erarbeiten. "Wenn wir ein schriftliches Konzept haben, können wir auch Förderanträge stellen", sagt er. Der Plan soll sich in seinem Gerüst auf die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) beziehen. Diese schafft keine Sonderrechte, sondern konkretisiert die universellen Menschenrechte aus der Perspektive von Menschen mit Behinderung. Das Anliegen: Jeder Mensch soll lernen, dass Menschen mit Behinderung wertvoll sind. Die in der Konvention angesprochenen Themen umfassen unter anderem Bildung, Wohnen, Arbeit und Freizeit.

Der Behindertenbeirat möchte sich künftig einmal im Monat treffen. Die nächste Sitzung ist für Mitte Oktober geplant. Bis dahin sollen sich die Mitglieder in die UN-Konvention mit ihren 50 Artikeln sowie ins neunte Buch des deutschen Sozialgesetzbuchs mit seinen über 240 Paragraphen einarbeiten. Letzteres beinhaltet die Regeln zum Schwerbehindertenrecht und soll als Grundlage für die Arbeit des Beirats dienen.

Bis Jahresende möchte der Vorsitzende Schimm den Aktionsplan ausarbeiten. Dieser soll dann dem Stadtrat vorgelegt und somit verbindlich werden. Außerdem wollen die Mitglieder in jeder Sitzung über aktuelle "Stolpersteine" vor Ort sprechen und zusammen mit der Stadt nach Lösungen suchen.

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