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Treuchtlinger Bürgerliste: Sparen und Umwelt schonen

Die Stadtratskandidaten der TBL vereinen konservative, ländliche und grüne Ziele - 19.12.2019 06:04 Uhr

Drei Viertel aus den Dörfern, vier Fünftel männlich: die Stadtratskandidaten der Treuchtlinger Bürgerliste (von links) Hans König, Walter Bosch, Michael Schwierz, Wolfgang Ritter, Ludwig Hüttinger, Ernst Meyer, Fabian Röhnisch, Marco Meyer, Anton Schmidbaur, Markus Fürbaß, Siegfried Schmidt, Christa Schulz, Kerstin Klönne, Andreas Oswald, Lydia Goppel, Stefan Hüttmeyer, Moritz Lichtmannegger, Nadine Hüttinger, Brigitte Kutschera, Jürgen Gempel, Friedrich Oswald, Günter Schwimmer, Ernst Auernhammer und Ronny Schwarz. © TBL


Ähnlich wie beim Fraktionspartner CSU ist die TBL-Liste mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren jünger als die von SPD und UFW, mit nur fünf Kandidatinnen aber ebenso frauenarm. Hinsichtlich Grundausrichtung und Stimmverhalten wohl bislang die konservativste Stadtratsfraktion, schickt sich die Bürgerliste allerdings an, den als Treuchtlinger "Grünen-Ersatz" etablierten UFW die Deutungshoheit in Sachen Natur- und Klimaschutz streitig zu machen.

Und das nicht nur, weil die TBL traditionell stark in den Dörfern sowie bei Land- und Forstwirtschaft vertreten ist (nur jeder vierte Kandidat lebt in der Kernstadt), sondern auch ganz konkret mit den beiden jungen Umweltschützern Andreas Oswald und Moritz Lichtmannegger, dem FBG-Geschäftsführer und Holzenergie-Fachmann Fabian Röhnisch sowie Christa Schulz als einem der aktiven Köpfe hinter der Bürgerinitiative gegen die Tiefenwasserentnahme durch die Firma Altmühltaler.

Aufs Wesentliche konzentrieren

Spitzenkandidat Hans König freute sich bei der von Wolfgang Ritter moderierten Versammlung über die Anwesenheit von CSU-Bürgermeisterkandidatin Kristina Becker und des zweiten TBL-Urgesteins Oswald Bayer sowie insbesondere darüber, dass er "keinen Bewerber überreden musste". Er hoffe für die TBL auf "einen Sprung nach vorn".

Günter Schwimmer als zweites amtierendes Ratsmitglied berichtete kurz über die Arbeit im Stadtrat, wo die TBL durch die Fraktionsgemeinschaft mit der CSU in vier von sechs Ausschüssen vertreten ist. Trotz Zustimmung zur Modernisierung der Therme sei es das Anliegen der Bürgerliste, "Maßnahmen auf das Wesentliche zu begrenzen, um die finanzielle Lage nicht weiter zu verschlechtern". Negativbeispiele seien die aufwändige Brückensanierung in der Bürgermeister-Döbler-Allee sowie generell "lückenhafte Ausschreibungen, teils mangelhafte Bauüberwachung und Kostenüberschreitungen". Zwar habe der Stadtrat in der Vergangenheit vieles einhellig vorangebracht, nicht einverstanden sei die TBL aber beispielsweise mit der Form der Innenstadtsanierung.

Langjähriger "Zaungast" tritt an

Mehrfach zu Wort kam bei der Versammlung einer der wohl kommunalpolitisch erfahrensten Treuchtlinger, ohne je Ratsmitglied gewesen zu sein: Anton Schmidbaur besucht als "Beobachter" seit rund zehn Jahren nahezu jede öffentliche Sitzung und wirft nun auf Listenplatz fünf selbst den Hut in den Ring. Es sei für ihn "oft schwer, nur zuzuhören", und er habe den Eindruck, dass "im Stadtrat nicht mehr genug gestritten, sondern nur noch nach kurzem Austausch abgestimmt wird".


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Er halte die SPD zwar für "ideenreich", oft aber für "arrogant und realitätsfern", so Schmidbaur. Die Opposition sei hingegen "zu leise und mutlos". Insbesondere kritisierte er die "schroffe, respektlose und unprofessionelle Art des Bürgermeisters", mit der dieser jüngst einen Antrag von Hans König abgebügelt habe. Zudem fehlten oft "Offenheit und Transparenz" – insbesondere mit Blick auf den diesjährigen "Wasserstreit".

Umweltfreundliche Mobilität

Bei den weiteren Kandidaten fällt auf, dass viele aus den kleineren Ortsteilen und Höfen sowie gleich drei (plus eine Ersatzkandidatin) aus der TBL-Hochburg Haag kommen. Vier Bewerber sind amtierende Ortssprecher. Entsprechend wichtig sind ihnen die Belange der Dörfer, des Handwerks und der Landwirtschaft. Grabens Sprecher Walter Bosch etwa wies auf die Bedeutung guter Verkehrswege hin, auf die der ländliche Raum angewiesen sei.

Dass dies nicht im Widerspruch zu Umwelt- und Klimaschutz steht, machten Christa Schulz, Andreas Oswald und Fabian Röhnisch deutlich. "Wenn man Enkel hat, verändert sich der Blick auf die Zukunft", so Schulz, der Ideen wichtig sind, "wie wir Kernstadt und Ortsteile besser umweltfreundlich verbinden können". Für den Ausbau erneuerbarer Energien will sich Oswald einsetzen, und zwar "insbesondere auf dem Land", wo Flächen für Photovoltaik und Windkraft vorhanden seien. Röhnisch macht sich für den "Energieträger Holz" und das Treuchtlinger Hackschnitzelheizwerk als Beiträge zum Klimaschutz stark.

"Konstruktiv und mit Augenmaß"

Aber auch viel Unzufriedenheit kam bei der Vorstellungsrunde ans Licht – ob über Kinderbetreuung, Verkehrsplanung, Barrierefreiheit oder Benachteiligung der Dörfer. Sie wolle "nicht nur daheim sitzen und mich ärgern", begründete etwa Lydia Goppel ihre Kandidatur. "Schimpfen kann jeder, bei der TBL kann man aber mitreden", stimmte ihr Wolfgang Ritter zu. Die Bürgerliste stehe für "engagierte, konstruktive, sachbezogene und transparente Politik für alle Treuchtlinger, ob in der Stadt oder den Ortsteilen". Es gelte, "die Lebensverhältnisse der Bürger zu verbessern, aber im Rahmen der Möglichkeiten und mit Augenmaß".

Das Wahlprogramm der TBL stellte schließlich Hans König vor. Er sehe die Nominierung nicht als Beginn eines Wahl-"Kampfes", sondern als "Bewerbung, um für Treuchtlingen etwas zu erreichen". Im Stadtrat gehe es oft gar nicht um Politik, sondern um "viel Arbeit, die handwerklich vernünftig gemacht gehört und hinter der man stehen kann". Dabei wolle er "den Bürgern in die Augen schauen und sich nicht bei jedem strittigen Punkt in die Nichtöffentlichkeit verziehen".

Die Stadtratskandidaten der Treuchtlinger Bürgerliste:

1. Hans König, 55, Zimmermeister, Windischhausen

2. Günter Schwimmer, 46, Schreinermeister, Wettelsheim

3. Wolfgang Ritter, 45, Bauingenieur, Gundelsheim

4. Nadine Hüttinger, 30, Unternehmerin, Naßwiesen

5. Anton Schmidbaur, 70, Maschinenbautechniker i.R., Treuchtlingen

6. Marco Meyer, 37, Scheinermeister, Auernheim

7. Andreas Oswald, 24, Student (Klima-/Umweltwissenschaften), Haag

8. Lydia Goppel, 57, Hausfrau, Wettelsheim

9. Walter Bosch, 55, Bauaufseher am Wasserwirtschaftsamt, Graben

10. Fabian Röhnisch, 41, Forstingenieur, Treuchtlingen

11. Ronny Schwarz, 40, Kachelofenbauer, Windischhausen

12. Christa Schulz, 71, Rentnerin, Treuchtlingen

13. Stefan Hüttmeyer, 38, Einzelhandelskaufmann, Falbenthal

14. Ludwig Hüttinger, 68, Rentner, Heumödern

15. Ernst Meyer, 56, Stahlformenbaumeister, Treuchtlingen

16. Kerstin Klönne, 36, Justizvollzugsbeamtin, Möhren

17. Markus Fürbaß, 44, Polizeibeamter, Treuchtlingen

18. Michael Schwierz, 30, geschäftsführer Landwirt, Heunischhof

19. Siegfried Schmidt, 53, Rettungsassistent, Treuchtlingen

20. Brigitte Kutschera, 54, Gastronomin, Wettelsheim

21. Friedrich Oswald, 65, Vertriebssachbearbeiter i.R., Haag

22. Moritz Lichtmannegger, 26, Auszubildender (Gartenbau), Neufang

23. Jürgen Gempel, 33, Landwirt, Metzenhof

24. Ernst Auernhammer, 65, Landwirtschaftsmeister, Grönhart

Die Ersatzkandidaten:

25. Günter Albrecht, 61, Sachbearbeiter, Bubenheim

26. Christa Mrasek, 52, Hauswirtschaftsmeisterin, Haag

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