Dienstag, 13.04.2021

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Treuchtlinger Feuerwehr unter neuer Führung

Christoph Misoph und Phil Schreiber sind Kommandanten - Weiter unzufrieden mit neuem Gebäude - 15.01.2019 06:05 Uhr

Die Treuchtlinger Feuerwehr hat ein einsatzreiches Jahr hinter sich. Hier ein Foto von der Übung im Oktober.

14.01.2019 © TK-Archiv/Benjamin Huck


Der bisherige Kommandant Andreas Berger trat nach zwölf Jahren Amtszeit nicht mehr zur Wahl an, ebenso wie sein Stellvertreter Stefan Beierlein. Bereits im Oktober hatte Berger diesen Schritt intern angekündet. Er wolle sich nun auf seine Aufgabe als Kreisbrandmeister konzentrieren. Der Kommandant bedankte sich bei seiner Mannschaft für die geleistete Arbeit und sprach sich dafür aus, seinen Nachfolger genauso wie ihn zu unterstützen.

Die neue Spitze der Treuchtlinger Feuerwehr: Kommandant Christoph Misoph und sein Stellvertreter Phil Schreiber.

14.01.2019 © Benjamin Huck


Zurzeit zählt der Treuchtlinger Feuerwehrverein 83 Mitglieder, darunter 51 Aktive (davon sechs Frauen). Außerdem gibt es aktuell drei Jungfeuerwehrler. Bei der Mitgliederversammlung waren 38 Aktive anwesend. Der neue Kommandant Christoph Misoph erhielt in geheimer Wahl 32 Ja- und eine Nein-Stimme. Fünf Wahlberechtigte enthielten sich. Auf seinen Stellvertreter Phil Schreiber entfielen 25 Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen. Andere Kandidaten standen nicht zur Wahl. Der Stadtrat muss das Votum nun noch bestätigen. Bürgermeister Werner Baum lud die beiden Neugewählten zu einem baldigen Treffen ein, um über die Zukunft der Wehr zu sprechen.

Zuvor hatte der bisherige Kommandant Berger einen Rückblick auf das vergangenen Jahr gegeben. Zwar seien es mit 84 Einsätzen nicht viel mehr als sonst gewesen (2017: 80), dafür habe die Wehr mit 1724 Stunden fast doppelt so viel Arbeitszeit wie im Vorjahr (994) geleistet. Vor allem fünf große Einsätze sorgten für das Plus: der zweimalige Brand einer Lagerhalle in Büttelbronn im März, das Bayern-3-Dorffest im September sowie im Dezember der tödliche Verkehrsunfall auf der B 2 und das Feuer am Lohhof.

Unerwartete Schwierigkeiten

Allein bei diesen fünf Einsätzen seien 890 Stunden zusammengekommen, manche Kameraden seien mehr als zwölf Stunden auf den Beinen gewesen. „Das brauchen wir nicht jedes Jahr“, so Berger, der auch von manchen Schwierigkeiten erzählt, die es für die Ehrenamtlichen gab. So sei nach dem Brand in Büttelbronn das Wasser in den Schläuchen zu Stangen gefroren, die im Feuerwehrhaus erst wieder auftauen mussten. Außerdem habe es vor dem Einsatz am Lohhof zunächst die Meldung gegeben, dass es sich nur um einen Zimmerbrand handle. Beim Eintreffen der Wehr sei dann das ganze Ausmaß des Großfeuers deutlich geworden.

Was die Zahlen ebenfalls hebt, waren die 15 Einsätze zum Thema „Person in Wohnung/Aufzug“ – vor allem am Treuchtlinger Bahnhof. Im August musste die Feuerwehr innerhalb von anderthalb Tagen dreimal dorthin ausrücken, weil der Lift streikte. Schelte betreibt Berger gegen die Aufzugsfirma aus Nürnberg: „Nur weil die ihre Arbeit nicht machen, müssen wir es ausbaden.“ Stellenweise seien die betroffenen Personen zwei Stunden im Fahrstuhl festgesteckt, bis die Feuerwehr alarmiert wurde.

Berger blickte auch auf seine vergangenen zwölf Jahre als Kommandant zurück. In dieser Zeit habe es 739 Einsätze mit insgesamt gut 12.000 Einsatzstunden gegeben. Und auch die Ausrüstung der Wehr habe sich geändert. Noch von seinen Vorgängern angeleiert, bekam die Wehr 2007 nach 35 Jahren eine neue Drehleiter. Zudem erhielten die meisten Fahrzeuge eine neue Ausstattung für eine bessere Verkehrssicherheit, ebenso wurden sie in den Jahren 2014/15 auf Digitalfunk umgerüstet. Manche Investition sei aber glücklicherweise noch nicht zum Einsatz gekommen: So musste erst unlängst das 2002 angeschaffte Sprungpolster, das zur Standardausrüs­tung eines Wagens gehört, aus Altersgründen ersetzt werden – ohne je gebraucht worden zu sein.

Gruppenbild mit Ehrungen (von links): Der amtierende Kommandant Andreas Berger, Feuerwehrreferent Uwe Linss, Kreisbrandinspektor Volker Satzinger, die Geehrten für 25 Jahre Hermann Schweier und Stephan Otter, Bürgermeister Werner Baum, Feuerwehrvereinsvorsitzender Norbert Becker sowie der amtierende stellvertretende Kommandant Stefan Beierlein.

14.01.2019 © Benjamin Huck


Großen Raum in der Versammlung nahm nicht zuletzt das geplante neue Feuerwehrhaus ein. Seit 2014 läuft das Projekt, trotz erfolgreicher Standortsuche sind viele Wehrmitglieder aber noch unzufrieden mit der Art der Umsetzung ("Zum Thema" siehe unten). Dennoch sind die Vereinsmitglieder engagiert, was sich etwa beim Hilfseinsatz für das Bayern-3-Dorffest oder bei diversen Bewirtungen zeigte.

Unter anderem durch diese Arbeitseinsätze stiegen die finanziellen Reserven des Vereins um knapp 6700 auf gut 30.300 Euro, wie Kassier Udo Schultheiß berichtete. Ein Teil des Geldes soll nun in die Ausrüstung investiert werden: Der Gerätewagen hat keinen Tüv mehr, eine Reparatur komme zu teuer. Die Feuerwehr will deshalb zusammen mit der Stadt ein Ersatzfahrzeug beschaffen, etwa einen gebrauchten Transporter, der dann neu lackiert sowie mit Blaulicht und Martinshorn ausgestattet werden soll. Die Versammlung votierte einstimmig dafür, sich an der Neubeschaffung mit bis zu 10.000 Euro zu beteiligen.

Mitglieder geehrt

Zudem ehrte Kreisbrandinspektor Volker Satzinger zwei Mitglieder für 25 Jahre aktiven Dienst. Stephan Otter und Hermann Schweier erhielten dafür das Feuerwehr-Ehrenzeichen des Freistaats. Satzinger motivierte die beiden, noch 15 weitere Jahre ihren Dienst zu tun – „denn dann winkt eine Woche Urlaub im Bayerischen Feuerwehrheim in Bayerisch Gmain“. Einen Tag nach ihrer Versammlung am Freitag hatte die Treuchtlinger Feuerwehr dann gleich den ersten Einsatz des Jahres: die Verkehrsabsicherung beim Rat­haussturm der Karnevalsgesellschaft.

ZUM THEMA:

Vergangenen April hat der Stadtrat zwar den Bau des neuen Treuchtlinger Feuerwehrhauses beschlossen, die Wehrmitglieder sind mit dem Ausgang des Votums aber alles andere als zufrieden. Dies wurde bei der Mitgliederversammlung (Bericht rechts) erneut deutlich.

Ende 2014 hatte die Feuerwehr einen Planungsausschuss gegründet, der seitdem 69 Mal getagt hat. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Stadtrat und Wehr gingen schon bei der Standortsuche los. So sollte das Haus zunächst neben dem Norma-Markt in der Nürnberger Straße entstehen, was die Floriansjünger als unpraktisch empfanden. Mit dem neuen Standort auf dem Gelände der ehemaligen Firma KB in der Elkan-Naumburg-Straße zeigten sie sich zufrieden.

Der große Streit entbrannte dann über die Frage nach der Größe des Neubaus. Der Planungsausschuss hatte sich für die Variante „10+2“ ausgesprochen – also zehn Fahrzeugstellplätze plus zwei Wasch- und Rüsthallen, die auch als temporäre Stellplätze genutzt werden können. Nach Bitten des Stadtrats wurde der Plan auf „9+1“ reduziert.

Verkleinerung enttäuschte

Umso mehr zeigte sich die Wehr im vergangenen Frühjahr enttäuscht, als im Stadtrat nur noch von acht Stellplätzen mit einer Rüsthalle die Rede war. Im neuen Entwurf fiel die Montagegrube weg und es gab nur noch 40 Umkleiden – also weniger als aktive Mitglieder (51).„Das entspricht nicht den definierten Ansprüchen unsererseits“, so Martin Schöner vom Planungsausschuss.

Einen Tag nach der Entscheidung im April traf sich die Wehr zu einer außerordentlichen Dienstversammlung und suchte danach noch mehrmals das Gespräch mit dem Stadtrat. Nachdem es dort jedoch zu keinem Entgegenkommen kam, löste sich der Planungsausschuss Ende Oktober 2018 auf – nicht ganz ohne Enttäuschung.

Zudem gibt die Feuerwehr zu bedenken, dass Treuchtlingen als Stütztpunktwehr viele Gemeinschaftsaufgaben für alle zwölf Ortswehren übernehme. Die Diskussions- und Verhandlungskultur sei von beiden Seiten nicht immer zuträglich gewesen, rekapituliert Martin Schöner. „Wir haben extrem viel Zeit reingesteckt und wenig Erfolg rausgehauen. Da stellt sich natürlich die Frage, ob das Sinn macht.“ Die jahrelangen Diskussionen hätten Auswirkungen auf die Wehr an sich gehabt – man müsse nun sehen, wie es weitergeht.

Antwort des Bürgermeisters

Bürgermeister Werner Baum bietet den neuen Kommandanten nun ein klärendes Gespräch im Rathaus an. Er habe zwar gedacht, dass das Thema Feuerwehrhaus abgearbeitet sei, wolle aber trotzdem einen Neuanfang wagen. Der Beschluss „8+1“ sei gefallen, aktuell befinde sich das Projekt in der Ausführungsplanung. „Die Kubatur des Gebäudes ist beschlossen, Verschiebungen im Inneren sind aber noch möglich“, so Baum.

Das Stadtoberhaupt möchte für die ferne Zukunft auch nicht gänzlich ausschließen, dass das Haus einmal erweitert wird. Schließlich sei auf den 8000 Quadratmetern Grund noch Platz. Der Spatenstich ist für das Frühjahr 2020 geplant. „Wenn es steht, wird man dann vielleicht feststellen, dass es doch nicht so klein ist“, so das Fazit des Bürgermeisters.

 

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