10°

Dienstag, 07.07.2020

|

zum Thema

Treuchtlinger Grundschule: Unterricht mit Abstand

Nach drei Monaten Corona-Auszeit gehen nun wieder alle Schüler zur Schule - 16.06.2020 06:04 Uhr

Anstehen mit Abstand: Gelbe und grüne Punkte markieren vor dem Eingang der Treuchtlinger Grundschule die Entfernung, die die Schüler beim Warten zueinander einhalten sollen, um sich gegenseitig vor der Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen. Zusätzlich starten die Zweit- und Drittklässler morgens eine Viertelstunde später, um den Andrang an diesem „Nadelöhr“ zu entzerren. © Patrick Shaw


Seit rund drei Monaten war Jonas (Name geändert) nicht mehr in der Schule. Der Neustart nach der Corona-Auszeit ist für den Treuchtlinger Grundschüler eine ganz schöne Umstellung – und dann sind da noch die vielen neuen Abstands- und Hygieneregeln. Wenn Jonas aufs Klo geht, muss er vor der Tür "Hallo?" rufen, um zu hören, ob schon jemand drin ist. Und an den "Einbahnverkehr" auf der Treppe hat er sich auch noch nicht ganz gewöhnt, wie der kleine Hopser auf die richtige Seite zeigt, den er auf Schulleiter Herbert Brumms freundliche Ermahnung hin macht.

Herzlich begrüßt die Treuchtlinger Grundschule die Kinder nach der langen Corona-Auszeit schon am Eingang – der aber weiterhin nach Klassen getrennt bleibt. © Patrick Shaw


Seit Ende April gehen an den Schulen im Landkreis die Abschlussschüler wieder in den Unterricht – an den Grundschulen also die Viertklässler. Mitte Mai kamen die Abc-Schützen hinzu sowie an den weiterführenden Schulen die Fünftklässler. Seit dieser Woche gibt es nun für alle wieder "echten Unterricht", nicht nur online oder daheim mit den Eltern.

Für Herbert Brumm und sein Team ist der Neustart – wenn auch auf Etappen – eine immense Herausforderung. "Ich habe gerade 240 Liter Desinfektionsmittel geliefert gekommen", begrüßt er unsere Zeitung zum Gespräch. Das Herumgehacke auf den Lehrern, von denen manch einer glaube, sie hätten während des "Lockdown" eine ruhige Kugel geschoben, kann der Rektor nicht mehr hören: "Das Gegenteil ist die Realität, die meisten arbeiten mehr als je zuvor." Und es sei "nicht gerade die Arbeit, die sie gelernt haben".

Mehrarbeit und Modernisierung statt "ruhiger Kugel"

Denn neben dem regulären Unterricht drehen die Pädagogen für die zunächst weiterhin im Wechsel daheim bleibenden Schüler Lernvideos, stellen per Post und digital Material für den Hausunterricht bereit oder kommunizieren per E-Mail mit den Eltern. Letzteres will die Grundschule auch nach der Pandemie beibehalten – einer der Fortschritte, den Corona ins Rollen gebracht hat.

Im Treppenhaus der Treuchtlinger Grundschule herrscht zur Wahrung der Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie eine Einbahnstraßen-Regelung. Die Schüler halten sich bislang vorbildlich daran. © Patrick Shaw


In den Schulhäusern in der Hahnenkammstraße, in Schambach und in Wettelsheim hat sich unterdessen vieles verändert. Allein das Hygienekonzept sei eine Mammutaufgabe gewesen, erzählt Brumm. Nun zieren Einbahnstraßenschilder die Treppenhäuser, Abstandspunkte den Pausenhof, und vor den Toiletten sind Wartezonen markiert. Außerhalb der Klassenräume ist auch das Tragen eines Mund-Nasenschutzes Pflicht, im Unterricht darf jeder selbst entscheiden. "Glücklicherweise hatten wir die Zeit vor den Pfingstferien mit weniger Schülern als Experimentierphase", blickt der Schulleiter zurück. "Eigentlich haben wir seit März permanent Schule, denn parallel liefen immer die offene Ganztagsbetreuung und die Notbetreuung mit bis zu 26 Kindern – auch in den Ferien."

Die Schüler scheinen sich mit den ungewohnten Bedingungen weit besser zu arrangieren als viele Erwachsene. "Wir sind selbst verblüfft, wie gewissenhaft alle sind", lobt Brumm. "Die Regeln sind für die meisten Kinder schon Teil ihrer Lebenswelt."

Halbe Klassen und täglicher Wechsel

Anders als an vielen Schulen, die ihre halbierten Klassen wochenweise abwechselnd im Klassenzimmer und zu Hause unterrichten, setzt die Treuchtlinger Grundschule auf einen täglichen Wechsel. "So bleibt das Schulgefühl erhalten, und die Lehrer können unmittelbarer auf die Hausaufgaben eingehen", erklärt Rektor Brumm. Es sei weniger die Wissensvermittlung, die in den vergangenen Monaten gelitten habe, als vielmehr die Beziehung zu den Schülern.

Wie fast überall, schützt auch im Sekretariat de Treuchtlinger Grundschule eine Plexiglasscheibe Mitarbeiter und Schüler vor der Ansteckung mit dem Coronavirus. Zuversicht verbreitet ein kleines, kindgerechtes Schaubild, auf dem Mund-Nasenschutz und Hygieneartikel den Erreger besiegen. © Patrick Shaw


Für die Eltern ist das Hin und Her zwar nicht leichter, und es gibt auch verärgerte Stimmen. Man könne aber nicht allen gerecht werden, meint Brumm – zumal berufstätige Eltern, die nicht alleinerziehend sind oder in "systemrelevanten" Berufen arbeiten (sodass sie Anspruch auf Notbetreuung hätten), nach der langen Schließung wohl kaum noch Überstunden oder Urlaub übrig hätten.

"Alles was wir tun, ist der Versuch, das Beste aus der Situation zu machen", betont der Schulleiter. Und so kämen auch viele positive Rückmeldungen, darunter zum Beispiel erst kürzlich "ein riesengroßes Dankeschön an die Schulleitung, die bei allem nie die gute Laune verliert". Der Elternbeirat backe sogar hin und wieder Kuchen fürs Kollegium...

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Treuchtlingen, Treuchtlingen, Treuchtlingen