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Treuchtlinger Karnevalisten stürmten das Rathaus

Auch vier Stadträte als „Türsteher“ retteten den Bürgermeister nicht - 10.01.2011 07:36 Uhr

Nachdem die vier „Türsteher“ ausgeschaltet waren, musste Bürgermeister Werner Baum trotz Widerstands, aber in charmanter Begleitung das Rathaus räumen. © Shaw


So verwehrten den Karnevalisten schon vor den Rathaustoren vier Stadtratsmitglieder als finster dreinblickende Türsteher mit verschränkten Armen den Zutritt, während der Bürgermeister vom Balkon aus in Reimform Forderungen an die Narren stellte. „Für jeden Posten geeignete Leut’“ wollte Baum haben, eher er zurücktrete. „Damit Ihr das Niveau im Rathaus nicht untergrabt“, erklärte er, was ihm schallendes Gelächter eintrug.

Als seinen Vertreter akzeptierte er schließlich Manfred Schwegler, während Kerstin Zischler den Posten von Richard Zäh übernehme, seine Assistentin Elisabeth Mayr aber als Ex-Prinzessin im Amt bleibe. Dazu kamen Thomas Stechhammer und Jürgen Scheuer als neue Tourismus-Chefs, das Prinzenpaar als Treuchtlinger Monarchen sowie Edgar Tschernach, der als neuer Chef der Stadtgärtnerei den umstrittenen Bürger-Golfplatz „mit Rabatten und Rosenbeeten“ sowie mit einer „Schutzhecke“ gegen verirrte Bälle versehen werde.

Entmachtet: Stefan Fischer, Uwe Linss, Wilfried Seuberth und Manfred Albert konnten das Rathaus nicht narrenfrei halten. © Shaw


Doch lange ließen sich die Narren nicht abhalten und führten den Rathauschef an seinen kaltgestellten Wachen vorbei hinunter auf den Vorplatz, wo Prinz Markus II. verbal zurückschoss: „Ein Jahr ist vergangen, und fast nichts hat sich in der Stadt getan“, packte er Baum bei seiner Bürgermeisterehre. „Hauptsache nicht bewegen“, laute das Lieblingsmotto der Treuchtlinger, weshalb er als Regent sofort ein wöchentliches „Treffen zum Nichtstun“ einführen werde.

Sein eigenes „Stuttgart 21“ hat die Altmühlstadt laut Markus Bartel ohnehin längst in dreifacher Form: „Der Biber fühlt sich nicht akzeptiert, zum Abschuss freigegeben wird aber das Krankenhaus, und für die FH gibt’s ein Abenteuerlager – kost’ ja nix.“ Doch auch die Opposition im Stadtrat kriegte ihr Fett weg. Sie sei „immer dagegen, wenn der Bürgermeister dafür ist“ und würde bei Einführung einer „Anti-Vergnügungssteuer“ stinkreich werden.

Als Tanzlehrerin für Politiker und Bürger stellte sich Prinzessin Maria Aurnhammer zur Verfügung. Sie lud die Treuchtlinger sowie insbesondere die vielen Kinder zu den bevorstehenden Bällen ein und ließ anschließend zusammen mit ihrem Prinzen und den Elferräten Bonbons in die Menge regnen. An die Gardemädchen verliehen beide die mit Eule und Stadtwappen geschmückten Faschingsorden zum 60. Vereinsjubiläum der Karnevalsgesellschaft.

Mit einem augenzwinkernden „Alles wird gut!“ und dem obligatorischen dreifachen „Treuchtlingen A-Ha!“ schloss Prinz Markus – auch wenn KGT-Chef Schwegler prophezeite, dass „die Treuchtlinger Tränen weinen werden, wenn Bürgermeister und Stadtrat in acht Wochen ins Rathaus zurückkehren“.

 

Patrick Shaw

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