Donnerstag, 26.11.2020

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Treuchtlinger Schüler zwischen Nazis und Piraten

Autor Dirk Reinhardt las an der Senefelder-Schule aus seinen Jugendbüchern - 27.03.2018 06:05 Uhr

In drei Runden erzählte Dirk Reinhardt den Siebt- bis Neuntklässlern der Treuchtlinger Senefelder-Schule aus seinen Jugendromanen, die auf wahren Begebenheiten beruhen.

26.03.2018 © Benjamin Huck


Deutschland in der Nazi-Zeit. Ab 1939 ist der Zweite Weltkrieg in vollem Gange. Widerstandsgruppen müssen im Verborgenen agieren, damit ihre Mitglieder nicht von der Gestapo festgenommen und in ein Konzentrationslager gesperrt werden. Dieses Schicksal droht auch den Edelweißpiraten, die sich ab 1942 in den Städten rund um Köln organisierten.

Dirk Reinhardt kommt aus der Nähe von Köln und hat in Münster Geschichte studiert. Der promovierte His­toriker hat für seine Romane Zeitzeugen befragt und Akten ausgewertet. In seinem Werk „Edelweißpiraten“ berichtet er aus der Sicht eines Mitglieds dieser Gruppe, wie sie vorgegangen sind und welchen Gefahren sie ausgeliefert waren. Vor den Schülern der siebten bis neunten Klassen aller Zweige der Senefelder-Schule las er Auszüge aus seinem Buch vor und kommentierte den geschichtlichen Hintergrund.

So fielen in den letzten Kriegsjahren nicht nur die Bomben der Allierten auf deutsche Städte, sondern auch Flugblätter, die zum Widerstand aufriefen und sich gegen die Propaganda des NS-Regimes wandten. Die Mitglieder der Hitler-Jugend seien damals verpflichtet gewesen, diese Flugblätter einzusammeln und abzugeben, wo sie dann vernichtet wurden.

Die Edelweißpiraten behielten einen Teil der Flugblätter und stellten sogar selbst welche her, um sie an belebten Plätzen zu verteilen. Nach einiger Zeit kam ihnen die Gestapo auf die Spur – Verhöre und Folter waren die Folge.

Edle Rebellen

Neben zeitgeschichtlichen Zusammenhängen, wollten die Schüler der „Sene“ auch wissen, woher denn der Name Edelweißpiraten kommt – liegt doch das Ruhrgebiet weder am Meer oder in der Bergen, noch passen die beiden Begriffe zusammen. Eine Theorie des Historikers: als „Piraten“ bezeichnete die Gestapo Jugendliche, die sich nicht anpassen wollten. Die Gruppen machten sich quasi über den Begriff lustig, indem sie ihn übernahmen. Das Edelweiß diente als Erkennungszeichen der Gruppe. Es wurde als Anstecknadel im ganzen damaligen Reich an den Kiosken zum Kauf angeboten, eigentlich zum Andenken an die Gebirgsschützen, die auch diese Pflanze als Symbol verwendeten.

Wie weit die Ereignisse noch auf die Nachkriegszeit wirken, hat Reinhardt bei seiner Großmutter erfahren. „Sie hat sich immer geweigert, durch eine bestimmte Straße zu gehen, obwohl es eine Abkürzung gewesen wäre. Doch dann hätte sie an dem Haus eines Mannes vorbeigehen müssen, der damals bei der Gestapo war und sie befragt hatte.“ Ihr Vergehen: Sie hatte einen britischen Rundfunksender gehört und ihre Nachbarn über die unausweichliche Kriegsniederlage informiert.

Der Historiker widmet sich auch aktuellen Themen. In seinem Jugendroman „Train Kids“ befasst er sich mit der Situation jugendlicher Migranten, die mit Güterzügen in Mexiko unterwegs sind. Für seine Recherchen führte er in dem Land längere Gespräche mit vielen der betroffenen Jugendlichen.

Doch die Schüler interessierte nicht nur der historische Hintergrund, sondern auch, wie viel Geld er mit den Büchern verdient. Zehn Euro kosten die „Edelweißpiraten“ als Taschenbuch, die meisten Schätzungen lagen viel zu hoch. „50 Cent bleiben für mich als Autor am Ende übrig“, sagt Reinhardt. Um seine Lesung zu unterstützen, hat der VfL Treuchtlingen 200 Euro an den Freundeskreis der Senefelder-Schule gespendet, die im Zuge der „Cold Water Grill Challenge“ zusammengekommen waren.

Benjamin Huck Treuchtlinger Kurier E-Mail

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