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Treuchtlinger Stadtwerke: Die Last der langen Leitungen

Unabhängig, aber herausfordernd: Treuchtlinger Stadtwerke ziehen Bilanz und blicken in die Zukunft. - 20.08.2020 12:18 Uhr

Das vor einem Jahr fertiggestellte Schalthaus in der Kästleinsmühlenstraße ist das Herzstück der Treuchtlinger Stromversorgung.

19.08.2020 © Archivfoto: Patrick Shaw


Mit seinen 103 Quadratkilometern Gemeindegebiet bei nur 13.000 Einwohnern ist Treuchtlingen eine Flächenkommune. Das schlägt sich auch in den Leitungslängen nieder. Gut 330 Kilometer zieht sich allein das Stromnetz durch die Erde, weitere 50 Kilometer sind oberirdisch verlegt. Dazu kommen rund 120 Trafostationen, durch die jährlich etwa 60 Millionen Kilowattstunden Strom fließen. Angeschlossen sind mehr als 800 EEG-Anlagen (Photovoltaik, Biogas) und 7400 Abnehmer, davon 5500 Privat- und Gewerbekunden.


Wo Treuchtlingens Stromherz schlägt


Das Netz in den Ortsteilen haben die Stadtwerke 2011 vom Nürnberger Versorger N-Ergie übernommen. Der Stadtrat hatte sich damals wegen der Synergien bei Straßenbau und Folgekosten sowie insbesondere wegen des Einflusses auf Investitionsentscheidungen anhand eines Punktesystems für den Schritt entschieden (gegen die Übernahme sprachen Netzentgelte und Umweltfreundlichkeit). Noch ist es ein Draufzahlgeschäft, doch die Unabhängigkeit und die langfristigen Perspektiven waren Stadt und Stadtwerken wichtiger

Ziele der Stadtwerke für die nähere Zukunft sind im Strombereich der Einbau intelligenter Messsysteme ("Smart-Meter-Rollout"), der Aufbau der Infrastruktur für Elektromobilität (E-Ladestationen) sowie der Ausbau des das Stromnetz flankierenden Glasfasernetzes samt Vermietung an Telekommunikationsanbieter.

Noch eher wenig Erdgas-Autos

Das Treuchtlinger Erdgasnetz beschränkt sich zwar auf die Kernstadt, hat aber ebenfalls eine stattliche Länge von 53 Kilometern inklusive sechs Druckregelstationen. Es versorgt knapp 1600 Netz- und 1300 Vertriebskunden mit einem Äquivalent von rund 55 Millionen Kilowattstunden Energie pro Jahr. Insbesondere in Gebieten mit vielen alten Ölheizungen streben die Stadtwerke eine weitere Verdichtung an.

Ebenfalls angeschlossen ist die Gas-Tankstelle an der Heusteige. Ihre Nutzung fördert die Kommune mit Gutscheinen im Wert von 200 Euro bei erstmaliger Umrüstung oder Kauf eines entsprechenden Fahrzeugs. "Die Nachfrage entwickelt sich nach wie vor konstant, aber auf niedrigem Niveau", erläuterte Filser den Ratsmitgliedern. So seien vergangenes Jahr sechs neue Erdgasautos angemeldet worden, seit Beginn des Programms vor 14 Jahren sind es 49. Außerdem stellen auch die Stadtwerke selbst ihren Fuhrpark um – derzeit sind zehn Gasfahrzeuge im Einsatz.

Neue Wärmekunden gesucht

Noch ganz am Anfang steht das Wärmenetz des kommunalen Versorgers. Die beiden vom Biomasseheizwerk in der Hahnenkammstraße sowie dem Bio- und Erdgasheizwerk der Altmühltherme gespeisten "Inselnetze" sind anderthalb Kilometer lang. Neben Senefelder-Schule und Rotkreuz-Seniorenzentrum haben sie nur ein knappes Dutzend städtischer Einrichtungen als Kunden für ihre jährlich etwa 2,2 Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie.

Wichtigste Zukunftsaufgabe in diesem Bereich ist es für die Stadtwerke, die Schließung des Stadtkrankenhauses und des städtischen Pflegeheims als Großabnehmer des Biomasseheizwerks zu kompensieren. Gespräche mit den Bezirkskliniken als Betreiber der geplanten psychosomatischen Fachklinik laufen ebenso wie die Suche nach potenziellen Privatkunden am Patrich sowie Bemühungen, die Wärmesparte generell wirtschaftlicher zu machen.

Trinkwasser: Stadt will mehr Reserven

Auf etwa 140 Kilometer Länge bringt es schließlich das Trinkwassernetz der Treuchtlinger Stadtwerke. Von der Übergabestation am Nagelberg sowie sechs Hochbehältern aus versorgt es die Kernstadt und alle Ortsteile mit Ausnahme von Wettelsheim, Bubenheim und Dietfurt mit Wasser des Zweckverbands Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum (WfW) aus dem Mündungsgebiet des Lechs in die Donau. Die etwa 2800 Kunden verbrauchen davon rund 550 Millionen Liter im Jahr.

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Beim Trinkwasser haben sich die Stadtwerke als Ziel für die kommenden Jahre gesetzt, durch den Ausbau der Brunnen in Schambach und Möhren sowie eine Verbundleitung für Graben und Grönhart Redundanzen zu schaffen. Für den Fall, dass der WfW die Einspeisung im Zuge zunehmender Trockenheit einschränken muss, will die Kommune mit eigenen Reserven gerüstet sein. Zudem muss nach der Auflösung der nicht mehr rentablen Hirschberggruppe demnächst die Wasserversorgung von Möhren und Haag neu geordnet werden.

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