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Trockenheit und Hitze: Wie geht es dem Wald in Treuchtlingen?

Vor allem Nadelbäume wird es künftig weniger geben - Viel Privatbesitz - 17.08.2020 05:58 Uhr

Ein Drittel der Fläche Treuchtlingens ist von Wald bedeckt. Die Forstwirtschaft ist auch ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.

14.08.2020 © Foto: Benjamin Huck


Wald wohin das Auge reicht: Treuchtlingen und Umgebung sind mit vielen Bäumen gesegnet. Doch wie steht es um die Lage des Waldes im Angesicht von Trockenheit und Borkenkäfer? Und was für eine Bedeutung hat der Forst für die Menschen in der Region? Die Förster Gernot Handke von der FBG Franken Süd und Markus Bernholt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) geben Auskunft.

Wie viel Wald gibt es im Treuchtlinger Stadtgebiet und wem gehören die Flächen?

Insgesamt misst das Treuchtlinger Stadtgebiet gut 103 Quadratkilometer. Mit Wald sind 35,5 Quadratkilometer (also 3550 Hektar) bedeckt, das entspricht einem Anteil von einem guten Drittel. 800 Hektar Wald gehört der Stadt Treuchtlingen, diese Fläche wird vom (AELF) betreut. 950 Hektar Wald gehören den Bayerischen Staatsforsten und somit dem Freistaat Bayern.

Den größten Anteil macht mit 1800 Hektar der Privatwald aus. Diese Flächen sind aber oft sehr klein, da sie bei Erbschaften geteilt werden und nun vielen Personen gehören. Wie viele Privatwaldbesitzer es in Treuchtlingen gibt ist nicht einfach zu ermitteln, die FBG, die auch für fast den gesamten Landkreis zuständig ist, zählt 289 Mitglieder aus der Altmühlstadt.

Wie viele Menschen arbeiten in der Forstwirtschaft?

In ganz Bayern sind etwa 196 000 Menschen in der Forst- und Holzwirtschaft tätig, in der Branche liegt der Umsatz bei gut 37 Milliarden Euro im Jahr. Genaue Zahlen für Treuchtlingen oder den Landkreis liegen nicht vor, allerdings gibt es hier zahlreiche Berufe, die mit dem Wald zu tun haben. Das fängt schon bei den Forstarbeitern an, die das Holz aus dem Wald holen.

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Rundgang durch die neue Geschäftsstelle der FBG Franken Süd in Treuchtlingen

Die Forstbetriebsgemeinschaft Franken-Süd hat ihre neue Geschäftsstelle an der Treuchtlinger Heusteige bezogen. So sieht sie aus.


In den Sägewerken wie in Wettelsheim und Auernheim wird das Holz weiterverarbeitet. Die Schreiner und Zimmerer fertigen daraus dann Gebäude und Möbel. Auch die neue Geschäftsstelle der FBG an der Heusteige besteht zum großen Teil aus Holz, das in der Region verarbeitet wird. Auch manche Douglasie aus den heimischen Wäldern ist für Privatbesitzer im Baumarkt zu finden, allerdings ohne Kennzeichnung der Herkunft.

Was sind die Top-3-Laub- und Nadelbäume in Treuchtlingen?

Aktuell hat der Borkenkäfer auch wieder Hochsaison. Das Tier greift vor allem Fichten an, die deshalb in der Region immer seltener werden.

14.08.2020 © Foto: Patrick Shaw


Bei den Laubbäumen dominiert die Buche, gefolgt von der Eiche und dem Ahorn. Würde der Mensch nicht in die Natur eingreifen, würde der Wald wohl zu 90 Prozent aus Buchen bestehen. Bei den Nadelbäumen ist die Vielfalt nicht ganz so groß, hier dominiert die Fichte mit 95 Prozent, außerdem gibt es noch vereinzelt Kiefern und Tannen. Die Fichte war viele Jahre über beliebt, weil sie schnell wächst. Allerdings wird sie nun immer öfter ein Opfer der Trockenheit und des Borkenkäfers.

Um eine Ausbreitung des Borkenkäfers zu verlangsamen, werden die meisten Fichten zwangsweise gefällt, was sich auch an den Preisen am Holzmarkt bemerkbar macht. Dabei ist die Lage in der Region noch gut: Förster Handke kann von Fichtenwäldern in Hessen und Thüringen berichten, die bereits aufgegeben wurden und absterben – was sich anhand einer roten Krone zeigt.

Wenn es der Boden und die Umgebung hergibt, werden vereinzelt noch Fichten gepflanzt. Doch mittelfristig wird man in der Region wieder mehr Laubbäume sehen. Diese werden nun vor allem im Herbst und nicht mehr im Frühjahr gepflanzt, damit sie nicht gleich mit einem trockenen Sommer konfrontiert sind.

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Der Borkenkäfer bereitet den Treuchtlinger Waldbesitzern Sorgen

Der Borkenkäfer macht den Waldbesitzern rund um Treuchtlingen derzeit schwer zu schaffen. Durch das milde Frühjahr begann der Befall frühzeitig, es droht eine dritte Generation Käfer heranzuwachsen. Viele Fichten sind befallen, Forstbetriebe und Sägewerke kommen kaum noch hinterher.


Welche neuen Baumarten werden nachgepflanzt, um den Wald zukunftssicher zu machen?

Gezackte Blätter und rote Früchte: Die Elsbeere soll als heimische Baumart den Waldumbau in Zeiten anhaltender Trockenheit ermöglichen.

14.08.2020 © Foto: Chromorange/Ernst Weingartner


Hier verfolgen die Forstleute drei Ansätze zur Verjüngung. Erstens wird überprüft, welche Bäume gut in deutschen Gegenden wachsen, in denen es bereits seit einigen Jahren so trocken ist, wie es bei uns erwartet wird. Dieses Verfahren stößt jedoch irgendwann an seine Grenzen, so werden für das Alpenvorland bald nordbayerische Bäume gepflanzt, doch weiter südlich ist das Land dann eben vorbei.

Der zweite Schritt ist die Anpflanzung von heimischen Exoten. Dazu zählen etwa die Elsbeere oder die Kirsche, die in Deutschland schon längst heimisch sind, aber eher vereinzelt wachsen. Sie sollen mit der zunehmenden Trockenheit zurecht kommen.

Für den dritten Schritt sehen sich die Experten die Bäume in Südeuropa oder auf dem Balkan an. Dort herrscht jetzt schon ein Klima, das in ein paar Jahren im Altmühltal erwartet wird. Bäume aus dieser Region könnten es also auch bald bei uns aushalten. Allerdings ist diese Variante für die Förster die letzte Wahl, weil keiner Absehen kann, ob es etwa Nebenwirkungen im Zusammenhang mit den neuen Arten geben kann.

Gibt es Flächen, die aus der Bewirtschaftung herausgenommen wurden, um einen "ursprünglichen" Wald zu schaffen?

Die Bayerischen Staatsforsten wollen etwa zehn Prozent ihres Waldes naturnah bewirtschaften und lassen dort auch den ein oder anderen Baum liegen, damit sich im Totholz Insekten und Pilze ansiedeln. Im Privatwald hänge die Situation vom jeweiligen Eigentümer ab. "Bei 289 Mitgliedern allein in Treuchtlingen gibt es eine große Bandbreite", sagt Handke. Viele wollen aus Naturschutzgründen überhaupt kein Holz entnehmen, andere wiederum schlagen nur alle zehn Jahre Brennholz.

Wieder andere wohnen gar nicht mehr vor Ort, für sie existiert der Wald oft nur auf dem Papier und es wird nichts daran getan. Aber auch die Lage Treuchtlingens im Tal trägt mancherorts zur ursprünglichen Bewirtschaftung teil, sagt Förster Bernholt: "Manche Flächen liegen an einem so steilen Hang, dass sie praktisch nicht bewirtschaftet werden."

Wie stark haben die Corona-Einschränkungen die Forstwirtschaft getroffen?

"Im Wald ging die Arbeit seit März wie gehabt weiter, aus Arbeitsschutzgründen muss man oft sowieso einen Sicherheitsabstand einhalten", sagt Handke. Zudem finden die Arbeiten immer unter freiem Himmel statt und die Natur bleibt nicht stehen. Die FBG hatte ihre Geschäftsstelle im Frühjahr für den Publikumsverkehr geschlossen, doch Nachfragen gab es genug, berichtet Handke: "Die Menschen hatten aus verschiedenen Gründen Zeit, in den Wald zu gehen und sich darum zu kümmern."

Die FBG hofft auch, nun vor allem junge Waldbesitzer, die ihre Fläche von den Eltern oder Großeltern geerbt haben, zu erreichen und sie über Rechte und Pflichten aufzuklären. Hier kommt auch Amtsförster Markus Bernholt ins Spiel, der etwa Auskünfte für Fördermöglichkeiten der Staatsregierung geben kann.

FBG und AELF: Was ist der Unterschied?

Förster arbeiten bei beiden Einrichtungen, dennoch sind die Aufgaben unterschiedlich. Bei der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Franken Süd handelt es sich um einen Verein mit mehr als 2800 Mitgliedern, oft Privatpersonen. Die FBG kümmert sich im Auftrag der Mitglieder um die Pflege des Walds und den Verkauf des Holzes. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Weißenburg ist eine dem bayerischen Landwirtschaftsministerium untergeordnete Behörde. Die Förster beraten die Waldbesitzer zum Umbau des Forstes und haben die Schädlinge wie etwa Borkenkäfer im Blick. Mit dem Verkauf hat das Amt nichts zu tun.

BENJAMIN HUCK beh E-Mail

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