Mittwoch, 25.11.2020

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Umfrage: Treuchtlinger Radler wünschen sich mehr Trennung vom Autoverkehr

Ein wichtiges Anliegen sind vom Autoverkehr getrennte Fahrtstrecken - 18.11.2020 06:00 Uhr

Mit Blick auf die vorhandene Infrastruktur sehen die Teilnehmer der Rad-Umfrage besonders im Zentrum Verbesserungsbedarf.

17.11.2020 © Archivfoto: Benjamin Huck


Fakt ist: Eine geeignete Planung der Radwege kann nur dann gelingen, wenn sich die Betroffenen selbst zu Wort melden können. Denn wer häufig mit dem Radl unterwegs ist, stößt zwangsläufig auf Defizite: Gefahrenstellen, ungenaue Beschilderungen, fehlende Fahrradständer und Straßenzüge, in denen sich Autos, Lastwagen und Radfahrer ziemlich nahe kommen – all das gibt es in jeder Stadt, und auch in Treuchtlingen.

Insgesamt 525 Datensätze

Erstmalig waren nun die Bewohner des Stadtkerns und aller Ortsteile in einer Bürgerbefragung dazu aufgerufen, auf eben solche Defizite aufmerksam zu machen. Insgesamt gingen 525 Datensätze bei der Stadtverwaltung ein – eine Beteiligung, die relativ verhalten ausfiel. Wie Bauamtsleiter Jürgen Herbst betont, sei diese Online-Lösung vor allem Corona geschuldet gewesen. Im Frühjahr 2021 wolle man allerdings anhand der Umfrageergebnisse "Vertiefungsschwerpunkte" herausarbeiten und diesmal anders vorgehen. Das Ziel sind persönliche Gespräche mit Radlern, die wahrscheinlich fruchtbarer ausfallen werden. Den Zuständigen im Bauamt schweben Straßenumfragen oder Termine in Firmen vor.

Mehr als die Hälfte der Befragten empfindet es als sehr wichtig, nicht in einem Strom mit den Autos zu fahren.

17.11.2020 © Stadt Treuchtlingen


Insgesamt 478 auf Anhieb verwertbare Datensätze wurden bislang im Schnellverfahren durchleuchtet und zusammengefasst; erste Ergebnisse lagen nun dem Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschuss vor. Die Erkenntnis: Das Gros der Radfahrer, die im und um das Stadtgebiet unterwegs sind und an der Umfrage teilgenommen haben, ist im mittleren Alter (30 bis 69 Jahre). 58 Prozent der Teilnehmer waren Männer, die Mehrheit nutzt das Fahrrad täglich oder zumindest einmal die Woche (65 Prozent).

Da insgesamt 174 Teilnehmer keine Angaben zu ihrem Wohnort machten, lassen sich nur schwer Aussagen darüber treffen. Immerhin gaben die meisten (88 Personen) an, aus der Kernstadt zu stammen; für sie dürfte das Fahrrad auch deswegen das Mittel der Wahl sein, weil die Wege kurz sind. Bezüglich der Ausstattung stellte sich heraus, dass 73 Prozent ohne Kindersitz und Fahrradanhänger fahren.

Die meisten Teilnehmer sehen Defizite im Bereich des Hauptbahnhofs - und südlich davon, bis etwa zum Wallmüllerplatz.

17.11.2020 © Stadt Treuchtlingen


Bauamtsleiter Jürgen Herbst zeigte sich darüber überrascht. Er räumte aber ein, dass in einer ländlichen Gegend wie dem Treuchtlinger Raum das Auto wohl anders als in großen Städten immer noch ein beliebtes Verkehrsmittel sei, um etwa den Wocheneinkauf zu erledigen.

Ganz grundsätzlich teilt sich die Umfrage in zwei Bereiche auf: Zum einen wurden die Nutzungsgewohnheiten abgefragt, zum anderen die Meinungen der Radfahrer – ihre persönliche Wahrnehmung der aktuellen Situation mitsamt eigener Präferenzen, Bedürfnisse und Verbesserungswünschen. Letzterer Teil wurde bislang nur in groben Zügen ausgewertet – ab dem Sommersemester wird hier die Hauptarbeit bei den Studenten der Hochschule für angewandtes Management liegen.

Handlungsbedarf im Zentrum

Eine Kernaussage wird jedoch bereits jetzt deutlich: Insgesamt empfinden es drei von vier Radfahrern als wichtig oder sehr wichtig, dass sie getrennt von den Autofahrern fahren können. Laut Jürgen Herbst wird eben diese Trennung seit 2017 vorangetrieben, indem die Stadt bis Jahresende alle Ortsteile bis auf Auernheim mit Radwegen bis nach Treuchtlingen ausgebaut habe. Er verwies allerdings darauf, dass nur ein begrenzter Raum für alle Verkehrsteilnehmer zur Verfügung stehe: "Was man den Radfahrern gibt, wird den anderen Verkehrsgruppen weggenommen." Nichtsdestotrotz nehme man die Bedürfnisse der Radfahrer ernst und sehe sich verantwortlich dafür, dass diese sich bei ihren täglichen Fahrten wohlfühlen.


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Teil der Befragung war auch eine Karte, auf der das Stadtgebiet in fünf Zonen eingeteilt wurde und die Befragten angeben konnten, an welchen Stellen sie den größten Verbesserungsbedarf sehen. Die meisten lokalisierten das Zentrum – ein Gebiet, das sich von der Hauptstraße bis zum Bahnhof und den Straßenzügen, die ihn umgeben, erstreckt. Rund ein Fünftel der Teilnehmer sah außerdem Galgenbuck und Burgstall (Stadteil 1: Ost) sowie die Nordstadt beiderseits der Ansbacher Straße (Stadtteil 5: Nord) als Gebiete an, in denen bessere Radwege nötig seien, um mehr Sicherheit herzustellen.

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Die Detailantworten darüber, welche Straßenzüge genau in diesen Stadtteilen einer Verbesserung bedürfen, waren zwar Teil der Umfrage, wurden aber bisher nicht ausgewertet. Ebenso stehen die Antworten darüber aus, wie die Teilnehmer einzelne Punkte der Radfahrer-Infrastruktur derzeit bewerten und wie wichtig ihnen diese sind – etwa das Vorhandensein von Schließfächern und Abstellplätzen, Hindernisfreiheit entlang der Radwege oder die Beschilderung. Darüber hinaus wurden die Bürger anhand von Beispielfotos dazu aufgerufen, die für sie ideale Gestaltung eines Radwegs auszuwählen.

Gegenüber dem Treuchtlinger Kurier erklärte Herbst im Anschluss an die Sitzung, dass man in der Kernstadt grundsätzlich mehr Bedarf für den Ausbau von Radwegen sehe als in den Ortsteilen. Aus diesem Grund habe man sich in der Umfrage darauf konzentriert, Probleme in der Kernstadt auszumachen. Für die Ortsteile sei hingegen denkbar, dass man innerorts Tempo-30-Zonen einrichtet, etwa so wie es zuletzt für Dietfurt beschlossen wurde (wir berichteten am 22. Oktober). Das sei als verkehrsberuhigende Maßnahme "völlig ausreichend", um den Schutz der Radfahrer sicherzustellen.

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