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Viel Schlamm und eine Überraschung im alten Mühlkanal

Bei Arbeiten an der Treuchtlinger Sägmühle kamen 200 Tonnen Sediment und einige Relikte zutage - 14.10.2020 06:04 Uhr

Als das Wasser des Mühlkanals an der Treuchtlinger Sägmühle erstmals seit 20 Jahren abgelassen wurde, fanden sich auf dem Grund unter anderem die Überreste eines lange zurückliegenden Verkehrsunfalls.

© Patrick Shaw


Notwendig sei die Maßnahme, weil die Wasserkraftanlage seit geraumer Zeit nicht immer zuverlässig funktioniere, erklärten die Verantwortlichen auf Nachfrage. Die Treuchtlinger Stadtwerke haben bereits seit geraumer Zeit das Wasserrecht zur Nutzung der Anlage inne. Die Firma Ossberger befasst sich seit Mitte September mit der technischen Erneuerung. Derzeit wird etwa ein neuer Schaltschrank erstellt, um den Grad der Automatisierung anzuheben.

Zeitgleich bereitete die Firma Herter von Mitte bis Ende September den Grund des Möhrenbachs für die Zukunft vor. Über einen Zeitraum von etwa drei Wochen wurde der Mühlkanal unmittelbar vor der Sägmühle trockengelegt und von Sediment befreit.

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Im Vorfeld hatte die Untere Naturschutzbehörde die Baumaßnahme ohne Einwände freigegeben: Die Wehre an der Wasserkraftanlage wurden geöffnet und das Bachbett somit trockengelegt. Der größte Teil des Fischbestands folgte auf natürlichem Weg dem Fluss des Wassers, der Rest wurde anschließend von einem Mitarbeiter der Stadtwerke abgefischt und im Möhrenbach ins Wasser gelassen. Sämtliche Flusskrebse wurden so ebenfalls gerettet beziehungsweise versetzt.

Fundstücke auf dem Grund

Der Anblick des leeren Bachlaufs löste bei Autofahrern und Spaziergängern, Anwohnern und Durchreisenden Erstaunen aus – einzelne verwunderte Anfragen erreichten auch die Redaktion des Treuchtlinger Kuriers. Zeitgleich war aber auch das Personal der Stadtwerke überrascht von den Fundstücken, die der Grund des Mühlkanals offenbarte: Ein Sammelsurium aus Autoreifen und Autoteilen, vermutlich die Überreste eines lange zurückliegenden Autounfalls; außerdem Absperrmaterial sowie die Überreste eines Gartenzauns. Letztere könnten auch vor langer Zeit illegal entsorgt worden sein, aber das wird sich wohl nie klären lassen.

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Mit der enormen Menge an Sediment, das sich in all den Jahren auf dem Grund des Möhrenbachs abgesetzt hatte, hatte im Vorfeld niemand gerechnet. 20 Jahre lang sei an der Wasserkraftanlage "nichts gemacht worden", so Matthias Reichenthaler, technischer Leiter für den Fachbereich Strom bei den Stadtwerken und Betreuer der Baumaßnahme an der Sägmühle. Nun wurden schätzungsweise 200 Tonnen Sediment ausgegraben und entlang des Möhrenbachs aufgeschichtet.

Viele Tonnen Sediment

Der Schlamm musste dort zunächst austrocknen, im Anschluss wurden Proben der Erdmassen entnommen und im Labor auf Schadstoffbelastung untersucht. Wenn die Werte unauffällig sind, stellt sich eine weitere Frage: Denn wo das getrocknete Sediment verteilt werden kann, ist noch nicht entschieden.

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Bisher hat das zuständige Personal bei den Stadtwerken vor allem Landwirte aus der unmittelbaren Umgebung kontaktiert. Diese erklärten sich prinzipiell dazu bereit, etwas von dem Sediment abzunehmen und als Auffüllmaterial auf den Feldern auszubringen. Auch die Gemeinde Langenaltheim hat hier grundsätzliches Interesse angemeldet.

Die Baumaßnahme am Möhrenbach schlägt insgesamt mit schätzungsweise rund 50.000 Euro zu Buche, die bereits vom Werk- und Bäderausschuss des Stadtrats genehmigt wurden. Die Kosten entstehen unter anderem durch Tiefbau, Reparaturarbeiten an den Wehren und die Personalausgaben für externe Firmen und Mitarbeiter der Stadtwerke.

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