Sonntag, 28.02.2021

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Vom Inn an die Altmühl: Ein "Corona-Kreuz" auf Odyssee

Ein altes Feldkreuz aus "Klein-Oberammergau" hat nun seinen Platz bei Markt Berolzheim gefunden - 20.01.2021 06:04 Uhr

Corona-Kreuz im Winter: Schon vor der Segnung, die das Flurkreuz in diesem Frühjahr erfahren soll, hat es bereits für stimmungsvolle Momente gesorgt.

19.01.2021 © Andreas Dollinger


Kommendes Jahr hätte er seinen 125. Geburtstag feiern können: der "Huberschneider" aus Tutting im Landkreis Passau. Georg Hubers wahre Leidenschaft galt der Schnitzerei. Vor allem religiöse Motive hatten es ihm angetan. Unter anderem bestückte er ein Feldkreuz mit einem "geschnitzten Herrgott". Nach etlichen Jahrzehnten hat das Kruzifix nun im Markt Berolzheimer Wald seinen endgültigen Bestimmungsort gefunden.

Es ist geschafft! Nach vielen Jahrzehnten hat das „Corona-Kreuz“ seinen wohl finalen Bestimmungsort am Ökumenischen Pilgerweg nahe Markt Berolzheim gefunden.

19.01.2021 © Jürgen Leykamm


Am Wegedreieck bei der Erdaushubdeponie lädt es nun zur Besinnung ein. "Es ist eine Stelle, wo Wanderer und Pilger nach einem kleinen Anstieg auf der neuen, vom Heimatverein gestifteten Bank etwas verschnaufen können", sagt der Weißenburger Heinz Ottinger, auf dessen Initiative hin das sakrale Flurzeichen hier aufgestellt wurde. "Ich gebe ihm den Namen Corona-Kreuz." Denn just im Covid-Jahr 2020 habe es "nach seiner Restauration seine erneute Erhöhung gefunden".

Die Geschichte des Kreuzes beginnt knapp 300 Kilometer südöstlich. In den Jahren des Zweiten Weltkriegs bestellt die in Tutting aufgewachsene Franziska Zankl beim "Huberschneider" eine aus Holz angefertigte, am Kreuz hängende Christusfigur für ein Flurkreuz. Dass er sich darauf versteht, hat Huber schon hinreichend bewiesen – erstmals mit zehn Jahren. Ein Professor namens Franz Rank will das Talent eigentlich an die Kunstakademie nach München holen. Doch Georgs Vater pocht darauf, dass der Sohn Schneider und nicht Bildhauer wird.

Georg Huber aus Tutting fertigte das Kreuz als Auftragsarbeit in den Jahren des Zweiten Weltkriegs an. Damals sollte es ein Trostspender sein – wie auch heute in Corona-Zeiten.

19.01.2021 © privat


In seiner Freizeit aber "schuf er unzählige Werkstücke aus Holz, meist mit religiösen Motiven: Christusköpfe, Kruzifixe und Krippenfiguren", wie Heinz Ottinger weiß. 1957 widmet die Passauer Neue Presse dem Wirken Hubers einen großen Bericht unter der Überschrift "Klein-Oberammergau in Tutting". Zu der Zeit steht besagtes Feldkreuz schon längst in Schönbrunn bei Landshut, wo Zankl nach ihrer Heirat hingezogen ist. Durch einen Erbfall kommt es später zur Tochter Hildegard Eichler nach Weißenburg. Dort aber findet sich kein passender Platz, weshalb das Kunstwerk zwei Jahrzehnte auf dem Speicher liegt.

"An unseren Glauben erinnern"

Immer wieder scheitern Bemühungen, einen neuen Besitzer für das Kruzifix zu finden – bis es schließlich Heinz Ottinger in seine Obhut nimmt und sich für seinen jetzigen Standort am Ökumenischen Pilgerweg von Eichstätt nach Heidenheim stark macht. Grünes Licht gibt es vom Markt Berolzheimer Bürgermeister Fritz Hörner samt Gemeinderat.

Durch einen Erbfall zog der Christus-Korpus von Schönbrunn bei Landshut nach Weißenburg zum Ehepaar Eichler um.

19.01.2021 © Jürgen Leykamm


Zustimmung findet die Platzierung des sonst nur in katholischen Gegenden üblichen Flurkreuzes auch beim evangelischen Dekan Wolfgang Popp aus Pappenheim. Es möge "die Menschen im Alltag an unseren Glauben und an Jesus Christus erinnern", erhofft sich der Seelsorger.

Doch bis es so weit ist, gilt es, den mittlerweile recht verwitterten Christuskorpus zu restaurieren. Eine Arbeit, der sich Ottinger gern annimmt – als Teil eines starken Teams, und für Gotteslohn. Sämtliche Leistungen erfolgen gratis: Das fürs Balkenwerk verwendete Lärchenholz stiftet Thomas Simon aus Weißenburg, die Zimmerarbeiten erledigt Marcus Bauer aus Markt Berolzheim, die Statik berechnet Helmut Frinzl aus Weimersheim, die Gemeinde kommt für das Fundament auf. Noch 2020 kann das Kreuz aufgestellt werden. Wegen der Corona-Pandemie müssen die Feier und die ökumenische Segnung allerdings entfallen. Beides soll nun im Frühjahr nachgeholt werden.

Heinz Ottinger sorgte dafür, dass das von ihm restaurierte Flurkreuz am Ökumenischen Pilgerweg bei Markt Berolzheim aufgestellt wurde.

19.01.2021 © Jürgen Leykamm


Ein gutes Ende hat die Odyssee des Flurkreuzes trotzdem schon jetzt gefunden – und es wird wohl als "Corona-Kreuz" in die Heimatgeschichte eingehen. In seiner Entstehungszeit hat es genauso Trost gespendet, wie es dies nun in Zeiten der Pandemie tun soll. "Wenn der Schöpfer es in den Kriegsjahren geschnitzt hat, dann waren seine Gedanken gewiss auch beim unsäglichen Leid der Menschen in den damaligen schlimmen Jahren. Aber im Kreuz ist Heil. Und so hoffen wir in unserer Zeit, dass dieses Heil auch uns wieder Hoffnung gibt", so Heinz Ottingers Wunsch.

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