Dienstag, 22.10.2019

|

zum Thema

2017

Bundestagswahl

Wahl in Treuchtlingen: Schwarze Dörfer, rot-blaue Stadt

CSU ist stark in den Ortsteilen, AfD in Gundelsheim und der Nordstadt – Niedrige Wahlbeteiligung - 26.09.2017 06:04 Uhr

Gut besucht war das Wahllokal in der Treuchtlinger Stadthalle am Sonntagmorgen. Schon nach eineinhalb Stunden hatten rund 100 Wähler ihre Stimme abgegeben. Danach sank die Beteiligung aber deutlich. © Patrick Shaw


Mit Blick auf Treuchtlingen fällt zunächst die mit 70,7 Prozent eher geringe Wahlbeteiligung auf. Nur 6768 der 9569 Berechtigten gaben ihre (Zweit-)Stimme ab. In den 27 Gemeinden des Landkreises gingen nur in Polsingen mit 66,6 Prozent noch weniger Bürger zur Urne. Erwartungsgemäß votierten die Bewohner der Treuchtlinger Ortsteile konservativer als die der Kernstadt, deren Zweitstimmenverteilung nahe am Bundesergebnis liegt.

CSU-Hochburg im Stadtgebiet ist Windischhausen mit über 70 Prozent, gefolgt von Gundelsheim (49,0), Graben/Grönhart (48,8) und Auernheim (47,3). Die Sozialdemokraten schneiden dagegen mit 29,5 Prozent am bes­ten in Dietfurt ab. Ebenfalls recht „rot“ sind Schambach (27,9), das Wahllokal im evangelischen Kindergarten (27,4) sowie die Briefwahl-Bezirke 1 und 2 (27,9 und 27,1). In Bubenheim sind die Liberalen mit 10,3 Prozent auffallend stark und die Grünen mit 3,8 Prozent am schwächsten, während letztere in Möhren, Haag und Dietfurt jeweils mehr als zehn Prozent holen. Die Linke kommt fast nur in der Kernstadt über die Fünf-Prozent-Hürde, die Freien Wähler nirgends.

Das Zweitstimmen-Verhältnis bei der Bundestagswahl 2017 in Treuchtlingen. © Benjamin Huck


Ganz besonders schauen Deutschland und die Altmühlstadt bei dieser Wahl auf das Abschneiden der AfD. Mit 12,4 Prozent kommen die Rechtspopulisten in Treuchtlingen auf nahezu denselben Wert wie im Bund (12,6). Sehr viele Rechtswähler gaben ihren Stimmzettel im Wahllokal im Kulturzentrum Forsthaus ab, dessen Einzugsbereich laut Wahlleiterin Anita Enser der „nördliche Stadtteil westlich der Bahn und Teile des Patrichs“ sind. Dort kommt die AfD auf 16,7 Prozent.

In Gundelsheim punktete die neue Kraft im Bundestag mit ihren nationalistischen Ideen bei immerhin 15,8, in Bubenheim bei 14,7 und im Briefwahlbezirk 4 bei 15,9 Prozent der Wähler. Nichts von den Rechtspopulis­ten halten indes mit unter acht Prozent Schambach, Windischhausen und Dietfurt. Unter dem Strich am „rechtesten“ (CSU und AfD) wählten damit die Gundelsheimer, am „linkesten“ (SPD, Grüne und Linke) die Bürger im katholischen Pfarrheim.

Artur Auernhammer punktet für die CSU

Bei den Erststimmen holt CSU-Direktkandidat Artur Auernhammer das beste Ergebnis mit 75 Prozent in Windischhausen. In keinem der Treuchtlinger Dörfer kommt er auf weniger als die Hälfte der Stimmen, während es in der Kernstadt in allen fünf Bezirken nur 40 bis 42 Prozent sind.

Umgekehrt lief es für SPD-Spitzenmann Lutz Egerer. Er vereint in der Innenstadt rund ein Viertel der Wählerstimmen auf sich, kommt in den Ortsteilen aber über die 20 Prozent nicht hinaus (Ausnahme: Schambach mit 23,4 Prozent). Dr. Herbert Sirois (Grüne) holt in Möhren und Haag stattliche 10,6 Prozent, Johannes Dallheimer (FDP) dagegen nirgends außer in zwei Briefbezirken mehr als vier Prozent. Harald Weinberg (Linke) hat seine Unterstützer mit bis zu 7,8 Prozent vor allem in der Kernstadt sowie in Bubenheim und Windischhausen.

Das gute Abschneiden der AfD in Gundelsheim bekommt dort auch Direktkandidat Dr. Wolfgang Dörner zu spüren. Ihn wählten 16,3 Prozent der Dorfbewohner, gefolgt von den Treuchtlinger Städtern mit um die 13 Prozent. Marco Meier (Freie Wähler) kommt in Bubenheim und Graben/Grönhart auf über sieben Prozent, und Bruno Walter (Die Violetten) holt im Forsthaus immerhin acht Stimmen.

Wie schon erstmals bei der Europawahl 2014, galten für die Altmühlstadt heuer neue Stimmbezirke. Da immer mehr Bürger per Brief abstimmen (diesmal 22,5 Prozent), wurden die bisher neun Kernstadt-Wahllokale auf fünf zusammengekürzt und zwei neue Briefwahlbezirke geschaffen. Weggefallen sind die Lokale im Rathaus, im Freizeitheim am Brühl und im evangelischen Gemeindehaus. Aus den drei Bezirken im Kulturzentrum Forsthaus wurden einer sowie das neue Wahllokal am Patrich. Zudem verlor Wettelsheim einen Stimmbezirk, Möhren und Haag wurden zusammengelegt.

Hohe Zustimmung für Gerhard Wägemann

Bei der Landratswahl holt der allei­nige Kandidat und Amtsinhaber Gerhard Wägemann (CSU) in allen außer einem Treuchtlinger Bezirk über 90 Prozent. Ausreißer ist Schambach (87,1). Mit 63,7 Prozent deutlich geringer als bei der Bundestagswahl fällt in der Altmühlstadt die Beteiligung aus. Nur 5684 der 10.070 Berechtigten gaben ihre Stimme ab, davon 480 für den nicht auf dem Wahlzettel stehenden Spaßbewerber Michael Luff, Andreas Schreiner von den Piraten sowie weitere, selbst nominierte Kandidaten.

Letztere konnten die Wähler auf dem Wahlzettel eigenhändig ergänzen – ein Albtraum für die Wahlhelfer. Denn einzutragen waren nur Name und Beruf. Allerweltsnamen wie „Hans Meyer“ mit Beruf „Landwirt“ und ohne Ort sind so laut Anita Enser kaum zuzuordnen: „Wir wüssten nicht, was wir damit anfangen sollen.“

+++ Hier geht es zu allen Ergebnissen der Bundestags- und Landratswahl 2017 in der Stadt Treuchtlingen. +++ Und hier zur gesamten Wahlberichterstattung unserer Zeitung. +++

Patrick Shaw Redaktion Treuchtlinger Kurier E-Mail

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Treuchtlingen