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Wie sinnvoll ist Wassersparen im Haushalt?

Unser Wasser: Nur geringer Anteil des Leitungswassers wird auch getrunken - 02.09.2019 05:57 Uhr

Bei zehn Minuten Duschen fließen im Schnitt 100 Liter Wasser durch die Leitung. Doch nicht der Wasserverbrauch an sich ist problematisch, sondern der Stromverbrauch, um das Duschwasser auf die richtige Temperatur zu bringen. © Foto: Patrick Pleul/dpa


Die Zahl wurde in den vergangenen Monaten im Zuge der Wasserdiskussion in Treuchtlingen oft genannt: 95,6 Prozent des Leitungswassers werden die Toilette heruntergespült oder für andere Zwecke verwendet, und nicht als Lebensmittel für Essen und Trinken. Dabei ist für die meisten Menschen in Deutschland Wassersparen seit langem ganz selbstverständlich. Und der Effekt ist spürbar, so das Umweltbundesamt (UBA): Seit 1991 ist die Trinkwassernutzung um 23 Liter auf aktuell 121 Liter pro Kopf/Tag gesunken. "In Deutschland nutzen wir heute nur 2,7 Prozent des verfügbaren Wasserdargebots als Trinkwasser. Dennoch gibt es gute Gründe weiter sorgsam mit Wasser umzugehen", heißt es vom UBA.

Wassersparen lohne sich vor allem beim Warmwasser. Nicht wegen des Verbrauchs von Wasser an sich, sondern um Strom oder Gas zu sparen, die nötig sind, um das Dusch- oder Badewasser zu erhitzen. Sparsames Verhalten entlaste auch die Haushaltskasse und das Klima. Gleich doppelt sparen kann auch, wer seinen Garten nicht mit Leitungswasser sondern mit Flüssigkeit aus einer Zisterne gießt. Denn nach dem Trinkwasserverbrauch berechnen sich auch die Abwassergebühren.

Komfortable Situation

Deutschland ist in einer vergleichsweise komfortablen Situation: Es gibt noch ausreichend Wasser, um die Trinkwasserversorgung überall sicherzustellen. Rund 70 Prozent des Trinkwassers wird aus Grundwasser gewonnen. Nur in rund vier Prozent der 1000 Grundwasserkörper in Deutschland wird mehr Wasser entnommen, als sich neu bilden kann. Meist liegt das am Bergbau, der ein Abpumpen des Grundwassers erfordert.

Eine zu große Entnahme von Grundwasser in Küstenregionen führt beispielsweise dazu, dass Salzwasser in das Grundwasser eindringt. Dann ist es als Trinkwasser kaum noch nutzbar. Auch der Eintrag von Nitrat durch übermäßiges Ausbringen von Gülle auf Äckern kann die Qualität des Wassers verschlechtern.

Durch den Klimawandel könnte sich der Nutzungsdruck auf das Grundwasser regional verschärfen, wenn dort – wie befürchtet – die Niederschläge weniger werden oder das Niederschlagswasser zu einem höheren Anteil oberflächlich abfließt. Hier hilft das Wassersparen den Wasserhaushalt zu entlasten und die Erschließung neuer Wasservorkommen zu vermeiden.

Private Haushalte in Deutschland haben durch ihren sparsamen Trinkwasserverbrauch bereits viel beim Wassersparen erreicht. Durch den zunehmenden Austausch alter Haushaltsgeräte mit wassersparenden Armaturen, Waschmaschinen und Geschirrspülern wird der tägliche Wasserbedarf noch weiter zurückgehen. Seit einigen Jahren ist die Europäische Union dabei, ihre Ökodesign-Richtlinie zu überarbeiten, damit auch für Wasserhähne und Duschköpfe künftig ein vorgeschriebener Höchstverbrauch gilt.

Im Europäischen Vergleich der genutzten Mengen liegt Deutschland bereits im unteren Drittel. Besonders niedrig ist der Verbrauch in Litauen (97 Liter pro Einwohner pro Tag), Estland (100) und Tschechien (103). Am anderen Ende der Skala stehen Rumänien (294), Spanien (265) und Kroatien (232).

Probleme mit den Leitungen

Eine geringere Wassernutzung kann örtlich allerdings zu Problemen in den Rohrleitungen führen. Durch den Wegzug vieler Menschen aus ländlichen Regionen, den demografischen Wandel und das Wassersparen kann das Wasser in den Trinkwassernetzen stehen bleiben. Dies kann die Trinkwasserqualität beeinträchtigen. Zudem können Lecks in Rohrleitungen zu ungeahnten Wasserverlusten führen. Mit 6,8 Prozent hat Deutschland in Europa allerdings die niedrigsten Leitungsverluste.

In den Abwassernetzen bilden sich mancherorts unangenehm riechende Faulgase, weil zu wenig Wasser durch die Leitungen fließt. Denn die Leitungen stammen oft aus den 1970er Jahren und sind auf hohen Verbrauch ausgelegt. Damals gingen die Fachleute sogar von einem Anstieg auf 200 Liter pro Person und Tag aus.

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"Dieses Problem sollten aber nicht die Haushalte lösen, indem sie mehr Wasser verbrauchen als nötig. Hier sind die Wasserversorger oder Abwasserentsorger viel kompetenter, um zu entscheiden, wann eine gezielte Spülung der Leitungen nötig ist oder langfristig die Netze sogar umgebaut werden müssen", heißt es vom Umweltbundesamt. Allerdings liegen keine Untersuchungen darüber vor, ob und in welchem Umfang Spülungen in den letzten Jahren infolge des gesunkenen Wassergebrauchs in privaten Haushalten erforderlich geworden sind.

Ein Sparpotential ist bei Privathaushalten also durchaus noch vorhanden. Der größte Verbraucher sind sie allerdings nicht: Die öffentliche Wasserversorgung nutzt – nach den neuesten Zahlen aus dem Jahr 2010 – lediglich 15,4 Prozent des gesamt in Deutschland entnommenen Wassers und damit nur unwesentlich mehr als das Verarbeitende Gewerbe (14,2 Prozent), wobei die Zahlen seit Jahren rückläufig sind.

Mit weitem Abstand auf Platz eins ist die Energieversorgung: 62,5 Prozent des in Deutschland geförderten Wassers dient zur Kühlung von Kraftwerken. Wer Zuhause beim Duschen Wasser spart, entlastet die Umwelt damit gleich doppelt.

Das ist letztlich auch ein Fazit des UBA. Zwar könne durch die Modernisierung von Haushaltsgeräten der Verbrauch noch weiter heruntergesetzt werden, allerdings sei bei 100 Liter pro Tag und Kopf schon eine Untergrenze erreicht. Denn selbst die Weltgesundheitsorganisation sieht diese Menge als Mindestmaß für einen sehr guten Hygienestandard. Einsparpotentiale sieht das Amt eher bei "Industrie, Energieversorgung und Bergbau".

Weitere Informationen zu dem Thema gibt es im Hintergrundbericht "Wassersparen in Privathaushalten: sinnvoll, ausgereizt, übertrieben?" 

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