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Wo sollen die Treuchtlinger Kurgäste wohnen?

Vor 14 Jahren plante Treuchtlingen ein großes Wellnesshotel, seither hat sich nichts getan - 16.08.2019 06:04 Uhr

Der ehemalige „Schwarze Bär“ ist das älteste Gasthaus Treuchtlingens. Einst auch Hotel, beherbergt es aktuell ein Chinarestaurant, ist aber nicht mehr sonderlich ansehnlich. Die Stadt will das ändern und hat deshalb von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht, als kürzlich ein örtlicher Hotelier das Gebäude kaufen wollte. © Patrick Shaw


Rund 200 Betten hätte es haben sollen, vier Sterne, ein Kurhaus, ein Edelrestaurant und einen Steg oder gar einen gläsernen Gang über die Altmühl, über den die Gäste im Bademantel in die Therme hätten flanieren können. So sahen 2006 die Pläne für ein Treuchtlinger Kurhotel aus. In der Altmühlau gegenüber dem Bad sowie auf dem Gelände von Denkmalslok, Spielplatz, Verkehrsübungsplatz und Parkexpress hätte es entstehen sollen, sowie ein zweites Quartier am Kreisverkehr in der Nürnberger Straße.

Zumindest letzteres gibt es heute auch – allerdings nicht mit Wohnungen, Rehazentrum und Hotel, sondern mit dem Seniorenzentrum des Roten Kreuzes. Ansonsten hat sich in Sachen Kurhotel in den vergangenen 14 Jahren nahezu nichts getan. Das irritiert, wenn man sich die Frage stellt, wo all die neuen Kur- und Wellnessgäste nächtigen sollen, die sich die Stadt durch die Modernisierung der Altmühltherme erhofft.

So sollte das 2006 geplante Hotelquartier zwischen der Treuchtlingen Therme (rechts) und der Firma Altmühltaler (links) einmal aussehen. © Grafik: TK-Archiv


Der Bedarf wäre vorhanden

Vanessa Gerhäuser von der Kur- und Touristinformation bestätigt das Problem: "In der Hauptsaison tun wir uns manchmal schon sehr schwer, auch wenn wir bisher noch jeden untergebracht haben." 106.000 Übernachtungen zählte die Stadt im vergangenen Jahr (2005 waren es noch 135.000), davon vier Fünftel in gewerblichen Unterkünften.

Die meisten Gäste nächtigen allerdings in Ferienwohnungen, und auch die Zahl der Urlauber, die primär wegen der Therme nach Treuchtlingen kommen, hält sich laut Gerhäuser in Grenzen. Für ein richtiges Kur- und Wellnesshotel sei aber – auch wegen des nahen Naturparks und mit Blick auf die Ambitionen Treuchtlingens auf den "Bad"-Titel – "der Bedarf auf jeden Fall da".

Die Pläne von 2006 wären nach Gerhäusers Ansicht "optimal" gewesen, insbesondere wegen des direkten Zugangs vom Hotel ins Bad. Einen einigermaßen kurzen Weg, der nicht über viel befahrene Straßen quer durch die halbe Stadt führe, biete lediglich der Reisemobilstellplatz. "Da haben wir auch durchaus Gäste, die nicht in erster Linie wegen des Campens kommen, sondern gezielt nach der Therme fragen."

Zehn Jahre und keinen Schritt weiter

Spricht man Bürgermeister Werner Baum auf das Thema an, regiert er irgendwo zwischen hoffnungsvoll und frustriert. Seit seinem Amtsantritt vor zehn Jahren – die Hotelansiedlung war damals ein Hauptthema im Wahlkampf, wobei Baum und die SPD eher ein einfacheres "Jugend- und Familienhotel" wollten – stehe er in Verhandlungen mit möglichen Investoren. "Momentan sind wir da wieder sehr aktiv", so der Rathauschef. Das Thema sei jedoch "reine Chefsache", und Einzelheiten werde er erst preisgeben, "wenn das Ganze Hand und Fuß hat".

Gehandelt hat die Stadt unterdessen bereits bei einem anderen Gebäude. Als kürzlich ein örtlicher Hotelier das ehemalige Gasthaus und Hotel "Schwarzer Bär" (derzeit Chinarestaurant "Kim Long") in der Hauptstraße kaufen wollte, machte sie von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch. "Das Gebäude unmittelbar neben dem Rathaus bietet so einige Entwicklungsmöglichkeiten", begründet Baum den Schritt. Mit Geld aus der Städtebauförderung lasse es sich sanieren und – vielleicht sogar samt dem alten "Bärenkeller" – in ein "gut fränkisches" Gasthaus verwandeln. Den aktuellen Mietvertrag werde die Stadt aber zuvor noch erfüllen.

Generell nimmt das Stadtoberhaupt nach eigenen Worten derzeit durchaus ein großes Interesse an Immobilien für Gastronomie und Hotellerie wahr. Von den bestehenden Treuchtlinger Hotels würde er sich "wünschen, dass sie nicht nur Zimmer für Geschäftsreisende, sondern mehr auch für Reha- und Wellnessgäste anbieten".

Keine Nachfrage, kein Angebot

Das ist freilich einfacher gesagt als getan. Denn wo keine Nachfrage, da kein Angebot. "Wir haben vor allem Tagesgäste wie Radfahrer oder Durchreisende", erklärt etwa Sieghard Hedwig vom Stadthof in der Luitpoldstraße. Vor einigen Jahren habe das Hotel eine Zeit lang spezielle Wellness-Wochenenden mit Sektempfang und besonderem Essen angeboten. Das Interesse sei "sehr dünn" gewesen.

Zudem vergrault die Therme nach Ansicht von Hedwig mit ihrer neuen Preisgestaltung auch die Tagesgäste. "Wenn die bei Schönwetter spontan für einen Nachmittag ins Freibad wollen, kaufen die doch keine Zehnkarte. Und das spricht sich herum." Die Therme allein reiche überdies nicht als Magnet für Wellnessurlauber. "Wer dafür Geld ausgibt, der will auch bummeln, shoppen und etwas sehen. Der fährt dann nach Österreich, nicht nach Treuchtlingen."

Dem schließen sich Dora Kati vom Altmühlhotel in der Bahnhofstraße und die Familie Zyli vom benachbarten "Adler" an. "Wir haben nicht viele Kurgäste, und die Tagesgäste sind enttäuscht, dass die Arbeiten in der Therme so lange dauern", sagt Kati. Deshalb hätten beide auch nichts gegen ein Wellnesshotel – es würde ihnen kaum Konkurrenz machen.

Auch in Weißenburg ein Problem

Ähnlich unzufrieden waren bislang auch die Weißenburger mit ihrer Hotellandschaft. Doch hier gibt es einen Hoffnungsschimmer mit dem Wittelsbacher Hof, dessen Umbau sich auf der Zielgeraden befindet. Ideal für Bad- und Wellnesskunden dürfte er jedoch ebenfalls nicht sein, liegt er doch genau wie die Treuchtlinger Häuser mitten in der Altstadt, weitab von der Therme. 

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