Samstag, 07.12.2019

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XXL-Tunnel in Franken: B2 geht bei Dietfurt unter die Erde

Treuchtlingens Stadtrat hat grünes Licht für den "Dattelbergtunnel" gegeben - 16.11.2019 06:04 Uhr

So könnte der geplante „Dattelbergtunnel“ bei Treuchtlingen einmal aussehen (in Fahrtrichtung Weißenburg): links im Hintergrund Dietfurt und die alte B2, vorne links die Lärmschutzwand sowie rechts die Brücke über die Altmühl und das südliche Tunnel-Portal. © Visualisierung: Staatliches Bauamt Ansbach


Kippen könnte dies jetzt nur noch die Wirtschaftlichkeitsprüfung des Bundes. Und um die sorgen sich Stadt und Staatliches Bauamt überraschend wenig. Denn von den sieben möglichen Trassen, die die Behörden in einem mehr als dreijährigen, erstaunlich einhelligen Beteiligungsprozess gemeinsam mit den Dietfurtern und ihren Nachbarn erarbeitet haben, ist der "kurze Dattelbergtunnel" finanziell sogar die drittgünstigste. Rund 83 Millionen Euro soll er kosten.

Nördlich von Dietfurt kommt die Bundesstraße wieder aus dem Berg und quert die neue Gemeindeverbindungsstraße, die an der Schambachkreuzung an die B2 angebunden wird. © Visualisierung: Staatliches Bauamt Ansbach


Die alte Trasse durchs Dorf beizubehalten und einzuhausen, hätte mit 92 Millionen Euro zu Buche geschlagen und war sowohl wegen der Ablehnung der Bürger als auch der Eingriffe in die Ökologie der Altmühl als erstes durchgefallen. Ein längerer Tunnel wäre mit etwa 142 Millionen Euro unbezahlbar gewesen, ebenso wie die 106 Millionen Euro teure oberirdische Variante über die Jurakante mit ihren massiven Erdbewegungen und Steigungen.

Lediglich die beiden Strecken durchs unter Naturschutz stehende Dietfurter Ried hätten mit 50 beziehungsweise 53 Millionen Euro weniger gekostet, wären aber laut Bauamts-Abteilungsleiter Werner Ott wegen der Lärmbelastung sowie insbesondere "wegen der starken Umweltbeeinträchtigungen nicht genehmigungsfähig gewesen".

Geblieben ist deshalb der sowohl von den Dietfurtern als auch ihren Nachbarn in Osterdorf und am Galgenbuck bevorzugte "kleine Tunnel". Wobei "klein" relativ ist: Etwa 900 Meter lang soll er werden und die Bundesstraße in einer Röhre zweispurig durch den Dattelberg sowie im Süden Dietfurts mit einer anschließenden Brücke über die Altmühl führen. Das spart versiegelte Flächen und ermöglicht gleich vor und nach den Tunnelportalen wieder eine Verbreiterung der B2 auf drei Spuren. Im dorfnahen Bereich gegenüber der Rosengasse ist eine 360 Meter lange Lärmschutzwand vorgesehen.

Mächtige Zufahrtsstraßen

Enorm viel Platz benötigen indes die Anbindungen. Denn auf die Bundesstraße kommt man nach dem Ausbau nur noch über die Schambachkreuzung nördlich und die Heusteigenkreuzung südlich von Dietfurt. Die Straßen nach Treuchtlingen, Osterdorf, Pappenheim und Dietfurt selbst sowie sämtliche Wirtschaftswege müssen an diese beiden Zubringer angeschlossen werden. Dazu sollen ein neuer Kreisverkehr westlich der Schambachkreuzung und ein großes, einem halben Kleeblatt gleichendes Straßenkreuz an der Stelle der Heusteigenkreuzung entstehen.

Aufwendig ist der kreuzungsfreie Umbau an der Heusteige südlich von Dietfurt: Rechts jenseits der Bahn geht es nach Treuchtlingen, links bindet ein Kreisverkehr die Staatsstraße 2230 nach Pappenheim und die Straße nach Dietfurt (vorne) an die B2 an. © Visualisierung: Staatliches Bauamt Ansbach


Das hat am Tag nach dem Beschluss bereits den Bund Naturschutz auf den Plan gerufen, dessen Kreisvorsitzende Alexander Kohler und Karl-Heinz Schork sich nochmals für die innerörtliche Variante mit Einhausung stark machen. Bei den meisten Dietfurtern und beim Bauamt dürften sie damit freilich auf taube Ohren stoßen – zu groß ist die Erleichterung über die einvernehmliche Lösung ohne harte Fronten, wie bei der Umgehung von Schlungenhof. Zudem wären die aufwendigen Anschlüsse größtenteils auch bei jeder anderen Variante nötig, hat das Bauamt doch nicht nur den Auftrag, das Dorf Dietfurt vom Verkehr zu entlasten, sondern auch für den Ausbau des letzten noch nicht kreuzungsfreien Teilstücks der viel befahrenen B2 zu sorgen.

Die Verkehrsfreigabe für den dann wohl bislang einzigen echten Straßentunnel Mittelfrankens strebt Bauamtschef Heinrich Schmidt noch vor dem Jahr 2030 an. Nun muss das Projekt aber zunächst noch die Wirtschaftlichkeitsprüfung überstehen. Immerhin hatte der Bund im Verkehrswegeplan anfangs nur 19 Millionen Euro dafür vorgesehen. Angesichts der zunehmenden Berücksichtigung von Umweltschäden als Kostenfaktor sowie der enormen Beteiligung und Einigkeit der Bürger rechnen aber sowohl Schmidt als auch Bürgermeister Werner Baum nötigenfalls auch mit politischer Unterstützung aus München und Berlin.

Die komplette Animation der Umgehung finden Sie hier.

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