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Trotz zusätzlicher Schulbusse: Abstandhalten nicht möglich

Bayern investiert 15 Millionen Euro, Busunternehmen begrüßen Förderprogramm - 10.09.2020 05:57 Uhr

Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist in Schulbussen vorgeschrieben. Dadurch hält es das Verkehrsministerium für vertretbar, wenn die Schüler trotz zusätzlicher Busse nicht immer genug Abstand voneinander halten können.

© Becker&Bredel/imago images


Eine Busfahrt zur Schule ist sicher nicht so vergnüglich wie eine Reise durch beliebte Urlaubsregionen – schon gar nicht für die Busunternehmen. „Bei einer schönen Toskana-Reise ist die Marge natürlich ganz anders als im Schülerverkehr“, betont Kirstin Neumayr, Sprecherin des Landesverbandes Bayerischer Omnibusunternehmen (LBO).

Trotzdem begrüßt es der LBO, dass der Freistaat bis zu den Herbstferien 15 Millionen Euro investiert, um Verstärkerfahrten im Schülerverkehr zu finanzieren. Denn diese Förderung dient letztlich nicht nur der Verringerung des Infektionsrisikos, sondern ist zugleich ein kleines Konjunkturprogramm für die mächtig schlingernde Busbranche.

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„Nicht einmal ein Drittel des normalen Bus-Ausflugsverkehrs findet derzeit statt“, verdeutlicht Neumayr. Für die überwiegend privaten, mittelständigen Busbetriebe in Bayern sei es eine Möglichkeit, das brachliegende Geschäft zumindest etwas zu kompensieren. „„Damit kann man immerhin die laufenden Kosten zum Großteil decken“, sagt Ernst Rupprecht, Geschäftsleiter von Arzt Reisen aus Seligenporten (Landkreis Neumarkt).

Eigentlich hat sich der Freistaat, der in diesem Jahr ursprünglich 320 Millionen Euro für die Schülerbeförderung ausgeben wollte, bereit erklärt, zusätzlich die förderfähigen Kosten der Verstärkerfahrten zu 100 Prozent zu übernehmen. Konkret bedeutet das: Vier Euro pro Kilometer oder (bei kurzen Linien) eine Pauschale von bis zu 300 Euro.

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Laut Abfragen des LBO bei seinen Mitgliedern gibt es ein Potenzial von 660 bis 670 freien Bussen in Bayern. Ein Vermittlungsportal des Verkehrsministeriums soll Schulen, Landkreisen und Kommunen helfen, freie Kapazitäten zu finden.

„Das ist gar nicht so einfach. Die verfügbaren Busse sind in Bayern sehr ungleich verteilt“, sagt Bernd Krämer, beim Kreis Roth für Schülerverkehr zuständig. Neun zusätzliche Busse werden dort ab kommender Woche eingesetzt. „Die 300 Euro Pauschale werden aber nicht immer ausreichen. Es gibt auch Angebote, die darüber liegen“, erläutert er.


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Ob zum Beispiel der Landkreis Nürnberger Land auf einem kleineren Teil der 35.000 Euro pro Woche, die nun zusätzlich investiert werden müssen, sitzen bleibt, wird dort deshalb momentan eruiert.

Schielein Reisen aus Nürnberg setzt in dieser Woche bereits zwei zusätzliche Busse ein, ab kommender Woche werden es drei sein. „Im Schnitt sind dann nur 20 bis 25 Kinder im Bus. Und weil der Reiseverkehr ausfällt, fahren jetzt eben die Schüler mit den freien Vier- oder Fünf-Sterne-Reisebussen“, sagt Axel Nettersheim von Schielein Reisen.

"Keine Maskenverweigerer und Verschwörungstheoretiker"

Oft haben die Schüler deshalb einen Doppelsitz für sich allein. „Die Kinder halten sich sehr gut daran, da gibt es keine Probleme. Wir transportieren aber auch hauptsächlich Grundschüler. Die sind noch sehr artig. Da gibt es keine Maskenverweigerer und Verschwörungstheoretiker“, meint Nettersheim.

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Aber auch Ernst Rupprecht von Arzt Reisen, das drei zusätzliche Busse für die VAG in Nürnberg und neun Verstärkerfahrzeuge im Landkreis Neumarkt einsetzt, kann nur Positives berichten von den jungen Fahrgästen. „Wir hatten bislang noch gar keine Konflikte oder Diskussionen“, sagt er.

Trotz aller Verstärkerbusse bleibt die wichtigste Maßnahme im Schülerverkehr aber die Maske. Auch das Verkehrsministerium räumt schließlich ein, dass ein Mindestabstand von 1,50 Metern in den Bussen nicht immer eingehalten werden kann. „Daher wird es hier insgesamt für zulässig erachtet, von der zwingenden Einhaltung der Abstandsregelung abzusehen“, teilt das Ministerium mit. Voraussetzung dafür sei aber zwingend das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

Zusammenbrechen könnte das ganze Konstrukt allerdings, wenn die Busfahrer jetzt verstärkt zu streiken beginnen. In Coburg, Aschaffenburg und Kaufbeuren taten sie dies gestern bereits. „In der gegenwärtigen Situation ist das völlig unangemessen“, meint LBO-Sprecherin Neumayr. Die geforderte Lohnerhöhung um 30 Prozent sei derzeit nicht darstellbar für die Betriebe, die derzeit mit dem Rücken zur Wand stünden.

Das Geschäfts ist gerade mächtig in der Krise. Bei Arzt Reisen zum Beispiel hätte man zwar noch zehn zusätzliche Busse für den Schülerverkehr. Mit dem Personal dafür sieht es aber schwierig aus. „Durch die Kurzarbeit sind einige auf den Lkw oder den Stadtverkehr umgestiegen“, verdeutlicht Geschäftsleiter Ernst Rupprecht.


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