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Tückisch: Experten raten zur Vorsicht beim Pilzsammeln

Naturhistorische Gesellschaft bietet öffentliche Beratungen an - 13.08.2019 05:50 Uhr

Ursula Hirschmann (Mitte) bestimmt und erklärt bei ihrer Lehrwanderung große und kleine Pilze, die Teilnehmer unterwegs finden.


Auf in die Wälder: Nach langer Trockenheit hoffen Pilzfreunde jetzt, dass die jüngsten Niederschläge Maronen, Pfiffer, Röhrlinge und Co.kräftig sprießen lassen. Allerdings warnen Fachleute wie die Pilzberater der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg (NHG) dringend vor dem Sammeln und dem Verzehr von Arten, die man nicht absolut sicher bestimmen kann. Schon jetzt meldet der bayernweit zentrale Giftnotruf am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München mehr als 100 Hilferufe in der Saison, die noch kaum richtig begonnen hat.

Damit alle Liebhaber der Waldgewächse auf Nummer sicher gehen können, stehen ihnen ehrenamtliche Pilzberater zur Seite. Individuelle Termine sind täglich nach Absprache möglich. Eine öffentliche Beratung bietet die NHG zudem in der Hauptpilzsaison jeden Dienstag von 19 bis 20.30 Uhr im "Pilzturm" beim Naturhistorischen Museum, Marientorgraben 8. Dort begutachten Fachleute vorgelegte Pilze. Was allerdings nicht in Frage kommt: "Wir sind keine Pilzsortierstelle", betont Beraterin Ursula Hirschmann.

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Nach den jüngsten Niederschlägen könnte jetzt die Pilzsaison in Schwung kommen. Wir stellen eine kleine Auswahl beliebter und bekannter Speisepilze vor.


Dafür stellte sie bereits am Montag bei einem Vortrag im Katharinensaal am Wochenende frisch gesammelte Pilze mit ihren Erkennungsmerkmalen vor, allen voran beliebte Speisepilze und mehr oder weniger gefährliche "Doppelgänger". Außerdem gab es Hinweise zu Pilzregeln und zur Zubereitung. Am Sonntag 25. August, lädt sie zur nächsten Lehrwanderung an. Dann geht es vor Ort darum, die "guten" und die "schlechten" zu erkennen und zu unterscheiden – und noch viel mehr über Bedeutung und das Leben dieser Pflanzen zu erfahren. Treffpunkt dazu ist um 9 Uhr auf dem Parkplatz beim Faberhof (südlich von Sperberslohe).

Am zurückliegenden Wochenende folgten ihr zwei Dutzend Interessenten mit Stiefeln und Regenjacken auf eine kleine Tour rund um den Schmausenbuck, absolute Anfänger und Neulinge ebenso wie schon etwas kundigere Sammler. Denn auch sie profitieren jedesmal von dem schier unerschöpflichen Wissen der Expertin, die sich seit bald vier Jahrzehnten in die Pilzkunde vertieft. Immerhin rund 30 bis 40 gängige Speisepilze seien im Reichswald zu finden, erläutert sie, alles in allem seien hier bisher mehr als 2000 genieß- und ungenießbare Pilzarten dokumentiert worden. Und doch muss sie auf Gaumenfreuden erpichte Sammler immer wieder enttäuschen: "Da können Sie sich eine ordentliche Magen-Darm-Verstimmung einhandeln", warnt sie mehrmals.

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Es gibt leider keine Regeln und keine einfachen Merkmale, nach denen sich essbare und giftige Pilze auf Anhieb unterscheiden lassen. Auf schönes Aussehen oder guten Geruch ist schon gar kein Verlass - umgekehrt kann ein wenig ansehnliches Gewächs durchaus schmackhaft sein. Wissen und Erfahrung sind gefragt. Sonst macht man sich womöglich selbst zur Testperson - mit hohem Risiko. Hier eine Auswahl mehr oder weniger bekannter Giftpilze.


Typisches Beispiel: Was ein Familienvater in Händen hält und aufgeschnitten hat, bestimmt sie im Nu als Kartoffelbovist. "Der riecht unangenehm und ist hart. In alten Büchern ist er manchmal noch als Würzpilz eingestuft, sogar als Trüffelersatz. Aber das ist unhaltbar." Vorsicht geboten sei durch neuere Einflüsse heute auch bei wilden Champignons. Zum kleinen Einmaleins gehört natürlich, Pilze, die man nicht sicher kennt, grundsätzlich ganz herauszunehmen (und nicht nur abzuschneiden) und sie sodann unbedingt von den anderen getrennt aufzubewahren, um sie von Fachleuten bestimmen zu lassen. Und Kostproben grundsätzlich wieder auszuspucken.

"Eine bloße Berührung eines giftigen Pilzes mit den Händen ist allerdings nicht gefährlich, allenfalls kann es eine allergische Reaktion geben", meint Hirschmann weiter. Tabu ist es, Pilze zu zertreten oder zerschlagen oder mehr zu entnehmen, als man tatsächlich verwerten will. Andernfalls sollten sie wieder an ihren Platz gestellt werden, damit sie wenigstens ihre Sporen noch abgeben können. Denn im Öko-System Wald kommt ihnen eine zentrale, unverzichtbare Rolle zu.

Unterdessen ruft auch Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml zur Vorsicht auf. In Bayern seien rund 100 Pilzarten bekannt, die als gesundheitsschädlich eingestuft sind, bis zu acht gelten als tödlich. Bei Übelkeit, Erbrechen oder Bauchweh nach einer Pilzmahlzeit sollte der Giftnotruf unter der Telefonnummer 089/19240 oder der Rettungsdienst unter der 112 verständigt werden. Dringend abgeraten wird von der Einnahme von Hausmitteln oder Medikamenten ohne ärztlichen Rat. Erhöhte Vorsicht ist übrigens auch im heimischen Garten geboten, weil auch in Blumenerde und auf dem Rasen vermehrt giftige Pilze gedeihen. Auch Hirschmann erhielt heuer schon zehn Anrufe, weil kleine Kinder von solchen Pilzen genascht hatten.

Eine Liste geprüfter Pilzberater und -sachverständiger findet sich im Internet bei der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft: www.pilze-bayern.de

Wolfgang Heilig-Achneck

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