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Verbot von Silvesterfeuerwerk? Das planen Frankens Städte

In München will eine Initiative ein Kracherverbot durchsetzen - und hier? - 13.12.2018 05:33 Uhr

Feuerwerk vor der Silhouette der Nürnberger Kaiserburg - ein echter Hingucker. Nur: Wie schwer sind die Schäden durch die Böller? © André De Geare


Eine Münchner Initiative gegen private Feuerwerke zieht seit Monaten durch alle Bürgerversammlungen der Landeshauptstadt und lässt abstimmen. Zwölf Mal stand ein flächendeckendes Feuerwerksverbot zur Diskussion. Neun Mal votierten die Bürger dafür, nur in drei Stadtbezirken gab es keine Mehrheit. Rechtlich sind die Abstimmungen nicht bindend.

Auch in der Region ist der Ärger über Krach und Müll der Böllerei groß, er verraucht aber offenbar im Neuen Jahr schnell. Hans-Peter Kürzdörfer vom Ordnungsamt Fürth kennt bisher keine Beschwerden zu dem Thema bei Bürgerversammlungen. Ausgeprägt sei nur die Anspruchshaltung der Bürger: Wenn Straßen noch tagelang im Januar verdreckt sind, wird schnell der Ruf nach Straßenreinigung laut. Aber ein Glas- und Böllerverbot wird es in Fürth zu Silvester 2018 an ausgewählten Plätzen auf jeden Fall geben: Die Stadt will den Abschluss ihres Jubiläums "200 Jahre eigenständig" noch einmal mit Großveranstaltungen feiern. Auf der Freiheit gibt es bereits um 20.18 Uhr ein Profi-Feuerwerk.

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Jedes Jahr lassen es die Deutschen an Silvester krachen. Allerdings gibt es einige Regeln im Umgang mit Böllern, Raketen und Co., die es zu beachten gilt.


Auch in Schwabach ist eine allgemeine Verbotsdiskussion nicht im Gang. Knut Engelbrecht, für Recht, Umwelt und Soziales zuständig, sieht zwar Probleme durch die Silvesterknallerei, aber wegen der nur etwa 40.000 Einwohner seien die Schwierigkeiten überschaubar.


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Argumente gegen das Böllern gibt es zur Genüge: Wer mit Ärzten in der Notaufnahme spricht und dort gräßliche Dinge über Verbrennungen oder abgesprengte Finger hört, sieht das nächtliche Treiben ohnehin kritisch. In etlichen Städten wird zu Neujahr von "bürgerkriegsähnlichen Zuständen" berichtet, vielerorts trauen sich die Menschen zu Silvester nicht mehr auf öffentliche Plätze.

 

Ein tragisches Thema sind Traumatisierungen von Senioren, die sich durch die Explosionen in bittere Kriegsnächte zurückversetzt fühlen.

Richard Mergner vom Bund Naturschutz meint, die Politik im Land und im Bund gefordert, die "Auswüchse zu stoppen", die er auch in seiner Heimatstadt Hersbruck erlebt. Gerade durch neuartige Batterien mit Dauerfeuer sei die "Belästigung für Mensch und Tier unerträglich". Einzelne Kreisgruppen des BN nehmen sich bereits des Themas an. Aber bisher seien es nur lokale Kampagnen. Er sieht Zürich und Paris als Vorbild, wo Feuerwerke und Lasershows zentral von Profis veranstaltet werden, privates Feuerwerk aber verboten ist.

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Eigentlich sollte an Silvester ja jeder seinen eigenen Müll wegräumen - geklappt hat das aber nicht wirklich. Deswegen hat der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) schon am frühen Montagmorgen mit den Aufräumarbeiten begonnen. Neben Glasflaschen und Plastikbechern mussten aber auch die Überreste vom Feuerwerk entfernt werden - sogar in der eigentlich böllerfreien Zone.


Der Landesbund für Vogelschutz in Hilpoltstein hat die "Schrecken" der Silvesternacht aus der Vogelperspektive beschrieben: Bis kurz vor Mitternacht sitzen die Tiere an ihren Schlafplätzen, plustern sich auf, um Energie zu sparen. Tausende Vögel steigen mit Beginn der Knallerei auf und flüchten bis zu tausend Meter hoch, um dem Krach zu entkommen. Die Störung hat fatale Folgen, besonders bei kaltem Wetter. In kurzer Zeit verlieren die Vögel so viel Energie, dass ihr Leben bedroht sein kann.

Auch Haus- und Wildtiere fühlen sich meist von der Knallerei bedroht und ziehen sich zurück. Einzig schussfeste Jagdhunde stören sich nicht am Böllerkrach.

Aber auch für den Menschen ist das Feuerwerk schlichtweg ungesund. Das schreibt das Umweltbundesamt in einer Analyse des Jahreswechsels. 5000 Tonnen Feinstaub werden in die Luft geblasen, das entspreche 17 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Menge — und das in wenigen Stunden.

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Feinstaubbelastung zu Silvester ist eindeutig ein städtisches Problem. An 35 Tagen im Jahr darf der Maximalwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten werden. Dieser Wert spielt auch bei der aktuellen Diskussion um Dieselfahrverbote eine wichtige Rolle. Welch dicke Luft am Neujahrsmorgen um ein Uhr herrscht, zeigt das Umweltbundesamt auf: München und Nürnberg erreichten einen Wert über tausend Mikrogramm. Leipzig ist Rekordhalter mit 1860 Mikrogramm.

Schwere Krankheiten

Das sind Verhältnisse, wie sie oft in manchen asiatischen Metropolen wie Delhi oder Karachi herrschen. Dort gehen die Menschen allerdings nur mit Mundschutz aus dem Haus und filtern die Raumluft in ihren Wohnungen. Denn Feinstaub gelangt nicht nur in die Nasennebenhöhlen, er erreicht auch Bronchien und Lungenbläschen und kann sogar ins Blut gelangen. Erkrankungen von Herz, Lunge und Kreislauf sind die Folge.

Rechtlich ist es schwierig, die Böllerei zu verbieten. Nahe Krankenhäusern und Seniorenheimen gelten Verbotszonen. Ein weiterer Verbotsgrund ist der Brandschutz, etwa in historischen Stadtkernen oder auf der Nürnberger Kaiserburg — oder der Naturschutz wie an der Ehrenbürg im Kreis Forchheim.

Feuerwerke unterliegen dem Sprengstoffrecht. Und das ist weder Angelegenheit von Kommunen oder dem Land. Dafür ist der Bund zuständig, der zu Silvester eine Ausnahme zulässt. Das weiß auch Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) aus Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf. Der 33-Jährige macht sich dennoch für einen freiwilligen Verzicht auf Kracher in der 13.000-Einwohner-Kommune stark.

Weiter sind da schon die 1700 Ramsauer am Fuße des Watzmann im Berchtesgadener Land. Seit Silvester 2016 verzichten sie ganz auf Böller und spenden das Geld für Bedürftige im Landkreis. Ganz ohne Krach startet das Bergsteigerdorf dennoch nicht ins neue Jahr: Die 30 Weihnachtsschützen schießen jeweils 20 Mal, macht 600 Kracher — dann wird es wieder ruhig unterm Watzmann.

 

Was meinen Sie? Böllerverbote zu Silvester oder den Leuten ihren Spaß mit Krachern und Raketen lassen?

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Lorenz Bomhard Ressortleiter Metropolregion Nürnberg und Bayern E-Mail

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