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Verkehr in Franken: Hier gab es 2019 die längsten Staus

"Der bayerische Autobahnstau reicht zweimal um den Globus" kritisiert die SPD - 06.04.2020 08:45 Uhr

Autofahrer mussten im vergangenen Jahr viel Zeit mitbringen, wenn sie auf bayerischen Autobahnen unterwegs waren. Auf rund 73.500 Kilometern standen sie im vergangenen Jahr im Stau. Das sind 15.3000 Stunden Zeitverzögerung, wie das Bayerische Verkehrsministerium auf eine Anfrage der SPD mitteilte. "Der bayerische Autobahnstau reicht zweimal um den Globus", kritisierte Landtags-Vizepräsident Markus Rinderspacher (SPD). Die bayerischen Autobahnen seien "chronisch überlastet". Die Staatsregierung habe es versäumt, den Verkehr auf die Schienen zu verlagern.

Besonders lange im Stau standen Auto- und Lastwagenfahrer den Angaben nach auf der A 3, die von der niederländischen bis zur österreichischen Grenze führt, mit 3477 Stunden. Auch die Staus auf den Autobahnen 8 und 9 kamen auf eine Dauer von mehr als 3000 Stunden. Hauptursache seien Unfälle und Baustellen, heißt es in der Anfrage. In den vergangenen beiden Jahren seien in Bayern rund 550 Millionen Euro investiert worden, um Staus zu vermeiden.

10.000 Stunden Wartezeit mehr als 2018

Nach Angaben des ADAC waren die Staus in Bayern 2019 sogar noch deutlich länger: Demnach standen Fahrer 266.869 Kilometer im Stau. Dafür hätten sie 83.455 Stunden benötigt. Fast 10.000 Stunden mehr als noch im Jahr zuvor. Das bayerische Verkehrsministerium wolle dabei nichts beschönigen, so der ADAC. "Weder unsere noch die Zahlen des Freistaates sind falsch, nur die Grundlage ist eine andere", erklärte ein Sprecher des Verkehrsclubs.

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Während der ADAC jede Verkehrsmeldung zu Staus oder stockenden Verkehr aufnimmt, bemisst das Ministerium Staus mithilfe von stationären Detektoren. Diese Detektoren sind an besonders befahrenen Straßen aufgestellt. Ein Stau nach einem Unfall auf einer weniger anfälligen Strecke fließt dementsprechend nicht in die Statistik ein.

Die Top drei der längsten Staus auf Autobahnen in Nordbayern waren 2019 die Abschnitte auf der A 6 von Aurach bis Schnelldorf (21 Kilometer), die A3 von Frauenaurach bis Fürth/Erlangen mit 21 Kilometern sowie der A6-Abschnitt von Neuendettelsau bis Schwabach Süd mit 19 Kilometern.


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Ganze zehn Stunden mussten Autofahrer im vergangenen Juli bei einem Stau auf der A9 zwischen Hilpoltstein und Nürnberg Feucht ausharren, 7.5 Stunden benötigten sie im Mai auf der A6 zwischen Neuendettelsau und Nürnberg Süd.

"Die gestiegene Gesamtdauer kann man vor allem auf die Anzahl von Baustellen auf deutsche Autobahnen zurückführen, die um 20 Prozent gestiegen ist. Zahlreiche Baustellen und Engpässe haben 2019 zu einem staureichen Jahr für Autofahrer gemacht. Bundesweit führend unter den belasteten Autobahnen ist nach wie vor die A3", sagt Jürgen Hildebrandt, Verkehrsexperte vom ADAC Nordbayern.

Weniger Verkehr wegen Corona

Die Staubilanz diesen Jahres wird nach Prognosen des ADAC geringer ausfallen. Grund dafür: die Coronakrise. Nach dem Lockdown Mitte März verzeichnete der ADAC auf bayerischen Autobahnen exakt 571 Staus, ein Minus von über 50 Prozent im Vergleich zur Woche davor, wo noch 1231 Staus registriert wurden. Im Vergleich zu Anfang März sei die Zahl schon um mehr als 75 Prozent zurückgegangen.


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Grund dafür sind die Ausgangsbeschränkungen, die entfallenen Freizeitaktivitäten sowie die Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice. "Megastaus gibt es aber nach wie vor, der meiste Stillstand findet aufgrund der verschärften Kontrollen an den Grenzübergängen statt", erklärt Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher des ADAC Südbayern. Davon besonders betroffen sind die Grenzübergänge in beiden Richtungen bei Pocking auf der A3 Passau-Suben, der Grenzübergang Waidhaus auf der A6 Nürnberg-Pilsen, der Grenzübergang Walserberg auf der A8 Salzburg-München sowie der Grenzübergang Kiefersfelden auf der A93 Inntaldreieck-Kiefersfelden.

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Weniger Verkehr bedeutet allerdings nicht weniger Raser. Nach Informationen des ADAC nutzen einige Autofahrer die leeren Straßen derzeit dazu, mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs zu sein. "Der Missbrauch der ruhigen Verkehrslage für Raserei provoziert unnötige Gefahren und ist nicht hinnehmbar, zumal unsere Rettungsdienste mehr als ausgelastet sind", kritisiert Kreipl scharf und appelliert an den gesunden Menschenverstand.

Sonntagsfahrverbot ausgesetzt

Im Gegensatz zum PKW-Verkehr ist das LKW-Verkehrsaufkommen laut der ADAC-Staudatenbank beinahe unverändert. Zunächst bis zum 30. Mai 2020 ist das Sonntagsfahrverbot für LKW ausgesetzt. In Bayern können somit auch sonntags haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel befördert werden. Damit sollen Liefer- und Versorgungsengpässe vermieden werden.

Das öffentliche Leben ist in der Corona-Krise fast zum Stillstand gekommen, auf bayerischen Autobahnen wird dagegen weiterhin gebaut. 97 Autobahn-Baustellen gibt es aktuell im Freistaat. Der abgenommene Verkehr führt allerdings dazu, dass Baumaßnahmen einfacher durchgeführt werden können. Der ADAC weist darauf hin, dass deshalb trotz rückläufigem Mobilitätsverhalten durchaus Verzögerungen und Staus an den zahlreichen Baustellen in Bayern entstehen können.

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dpa, ifi

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