Belastungsspitze für Januar erwartet

Versorgungskrise absehbar: Fürther und Erlanger Kliniken bitten Studierende um Hilfe

Max Söllner
Max Söllner

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20.11.2021, 05:55 Uhr
Das Fürther Klinikum sucht Studierende zur Aushilfe.

© Daniel Vogl, dpa Das Fürther Klinikum sucht Studierende zur Aushilfe.

Vor rund einer Woche haben die städtischen Kliniken aus München in den sozialen Medien einen Aufruf veröffentlicht: Die vierte Corona-Welle fordere sie "bis ans Limit", es werde deshalb dringend Hilfe von Studierenden gebraucht. "Es geht nun darum, in den kommenden Wochen, über die Feiertage und in der Zeit bis Ende März die Versorgung der Münchner Bürgerinnen und Bürger aufrecht zu erhalten", hieß es in der Mitteilung.

Fürth: Hilfeaufruf schon im Spätsommer

Gibt es ähnliche Aufrufe auch in der Region? "Schieb mit uns ne Schicht", ist in einer Stellenanzeige des Fürther Klinikums zu lesen, die sich speziell an Medizinstudierende richtet. Wer gerade erst mit dem Studium begonnen habe, könne sich vorsichtig an den Corona-Klinikalltag herantasten, sagt Carola Schröder, die Personalreferentin des Pflege- und Funktionsdienstes ist. Höhere Semester hätten hingegen oft den Wunsch, direkt auf der Intensivstation eingesetzt zu werden, um zum Beispiel beim Umbetten von Patienten zu helfen.

Grundsätzlich sei man jedoch für alle Fachrichtungen offen. Nicht-naturwissenschaftliche Studierende können etwa in der Verwaltung oder im Service helfen, erklärt Schröder. Es komme vor allem auf die Bereitschaft an, "sich im Klinikbetrieb anlernen zu lassen".

Gestartet haben die Fürther ihren "Hilfeaufruf" bereits im Spätsommer, weil sie die Vorahnung hatten, dass es zu einer vierten Welle kommen könnte. Vor zwei Wochen fiel dann die Entscheidung, verstärkt zu werben. Allerdings sei die Resonanz bislang gering: "Wir haben zwar den einen oder anderen in die Klinik bekommen, aber wir sind bei weitem noch nicht am Punkt vom April 2020."

Damals, in der ersten Corona-Welle, habe es einen immensen Zulauf gegeben. Den Unterschied erklärt sich die Personalreferentin mit dem "vollen Unibetrieb", den Studierende im Gegensatz zum ersten Lockdown längst wieder zu meistern haben. Schröder betont, dass das Klinikums deshalb einen flexiblen Einsatz ermöglichen will. Zudem können Studierende auch jenseits der Covid-Bereiche arbeiten - denn "hier gibt es den ein oder anderen mit verständlichen Bedenken."

Nürnberg: In Kürze wohl erneut der Fall

"Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) eine eigene Uni auf dem Gelände des Klinikums haben, in der angehende Ärzte und Ärztinnen ausgebildet werden", schreibt Sabine Stoll, Pressesprecherin des Nürnberger Klinikums. Schon in vorausgegangenen Pandemiespitzen hätten PMU-Studierende unter anderem auf den Corona-Stationen geholfen.

Und jetzt, in der vierten Welle? "Wir gehen davon aus, dass das in Kürze erneut der Fall sein wird" - nicht nur auf Station, sondern auch im betriebsärztlichen Dienst bei der Corona-Testung. Schließlich spitze sich die Lage im Nürnberger Klinikum täglich zu.

Erlangen: Versorgungskrise steht bevor

Am Erlanger Universitätsklinikum rechnet der Krisenstab damit, "dass die Patientenzahlen deutlich über dem Höhepunkt der dritten Welle liegen werden", wie Pressesprecher Johannes Eissing schreibt. Laut einer Prognose werden in drei Wochen rund 50 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt sein. Den Höhepunkt der Belastung erwarte man für Mitte Januar 2022. Gleichzeitig seien die Ärzte- und Pflegeteams seit eineinhalb Jahren "extrem gefordert", was sich in einem Krankenstand von aktuell 15 bis 20 Prozent ausdrückt.

"Wir fahren mit hoher Geschwindigkeit in eine Versorgungskrise im Gesundheitswesen und brauchen bis voraussichtlich März 2022 unbedingt personelle Unterstützung von allen mit Grunderfahrungen im Pflegebereich", wird der Ärztliche Direktor Heinrich Iro zitiert.

Deshalb suche man nun dringend Unterstützung insbesondere von Studierenden der Humanmedizin, die ohne große Einarbeitung bestehende Teams bei einfachen Tätigkeiten entlasten können. Wichtig sei, das sie die 2G-Regel erfüllen, nachgewiesene Grundkenntnisse in der Pflege haben und in den kommenden vier Monaten pro Woche mindestens sieben bis acht Stunden Zeit mitbringen.

Bereits im Herbst 2020, also während der zweiten Welle, hatten dem Erlanger Uniklinikum rund eintausend Studierende ihre Unterstützung angeboten. Eissing: "Wir waren von der Resonanz sehr beeindruckt." Da die zweite Welle aber nicht so dramatisch ablief, wie befürchtet, habe man letztendlich nur 200 bis 300 Studierende eingesetzt.

Alle drei Kliniken geben an, dass sie jenseits des Einsatzes von Studierenden intern Personal umorganisieren und teils auch versuchen, Ruheständler und Elternzeitnehmer zu reaktivieren. Von Erlangen etwa heißt es: "Wo es brennt, da hilft man sich gegenseitig aus."

Info: Wer in Fürth unterstützen, findet unter https://www.klinikum-fuerth.de/ alle Informationen. An der Erlanger Universitätsklinik können sich Studierende unter hilfe@uk-erlangen.de bewerben (bei Rückfragen: 09131-8546878)

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