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Verständlichere Etiketten: Mehr Wahrheit für den Wein

Auch der Export soll angekurbelt werden - 11.12.2020 06:04 Uhr

Der Bundestag hat ein neues Weingesetz beschlossen, das die Geschäfte deutscher Winzer verbessern soll.

23.10.2020 © Lena Wölki


Auf den ersten Blick gibt das Etikett auf der Literflasche keine Rätsel auf. "Volkacher Kirchberg Silvaner trocken" ist da zu lesen, dazu noch die Bezeichnung QbA.

Das Kürzel steht für "Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete" und bedeutet, das der Tropfen aus einem geografisch abgegrenzten Gebiet stammt. Wer jetzt aber denkt, die Trauben wurden am Volkacher Kirchberg gelesen, liegt falsch.

Es handelt sich um eine so genannte Großlage mit stattlichen 1685 Hektar Reben, die in den Landkreisen Kitzingen, Schweinfurt und Würzburg auf 23 verschiedenen Lagen stehen.

Darunter ist auch der "Volkacher Ratsherr", für den die Trauben dann tatsächlich vom Kirch- und Mönchberg sowie aus einer weiteren Teilfläche östlich von Volkach verwendet werden.

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160 Großlagen

In ganz Deutschland gibt es über 160 solcher Großlagen, die Durchschnittsgröße liegt bei 600 Hektar.

Die Bezeichnung wurde mit dem Weingesetz 1971 eingeführt, um es größeren Produzenten zu ermöglichen, ihre Weine unter einem einheitlichen Namen zu vermarkten.


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Nach EU-Recht ist das aber eigentlich nicht zulässig, hier gilt der Standard, dass wenigstens 85 Prozent des Leseguts eines Weins mit Ortsangabe auch von ebendort stammen muss.

Gesetz verabschiedet

Jetzt hat der Bundestag eine Novelle zum Weingesetz verabschiedet und damit immerhin eine Grundvoraussetzung für Veränderungen geschaffen, die endgültige Neufassung mit entsprechender Weinverordnung soll im Frühjahr 2021 kommen.

In Zukunft soll dann das so genannte "romanische" Terroir-Prinzip gelten, wie man es in Italien, Spanien und Frankreich kennt.

Eine Herkunftspyramide, bei der ganz oben in der Qualität Weine aus Einzellagen, gefolgt von in einer bestimmten Gemeinde produzierten Ortsweinen stehen.

Danach folgen die Gutsweine eines Betriebs mit Lagen auch in mehreren Orten und schließlich Landweine mit einer allgemeinen Herkunftsangabe.

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"Ein Meilenstein"

"Wenn es so durchgeht ist das ein Meilenstein", sagt Robert Haller. Er ist seit 2010 Gutsdirektor des Bürgerspitals Zum Heiligen Geist in Würzburg, Vorstandsmitglied beim Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) und Vorsitzender des VDP Franken.

Die Neuordnung "ist mit Sicherheit der richtige Schritt zu mehr Verbraucherklarheit", so Haller.

Aber natürlich handelt es sich hier auch um einen Kompromiss und der VDP als Zusammenschluss der Winzer, die an der qualitativen Spitze stehen, musste "eine Kröte" bei den "total verwirrenden" Großlagen schlucken, wie Haller meint.

Lange Übergangsfrist

Für sie soll eine fünfjährige Übergangsfrist gelten. Dann soll die weiter gefasste Herkunft mit dem vorangestellten Begriff "Region" kenntlich gemacht werden, entsprechend könnte dann beispielsweise "Region Kirchberg" auf dem Etikett stehen.

"Insgesamt sind wir mit dieser Richtung zufrieden", sagt Haller, sie berücksichtige sowohl die Interessen von Spitzenwinzern als auch von Genossenschaften und Großproduzenten.


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Der Verbraucher brauche nicht nur "klarere Verhältnisse", sondern auch eine entsprechend der Angabe auf der Flasche "verlässliche Qualität" von der hochpreisigen Einzellage bis hinunter zum günstigen Landwein, die auch den Typus der Rebsorte widerspiegeln, was gerade in Franken nicht ganz leicht ist.

Breites Spektrum

"Wenn ich in Italien im Restaurant einen einfachen Lugana oder Frascati bestelle, weiß ich verlässlich, was ich bekomme", meint Haller. "Aber gehen Sie mal als Italiener nach Franken und kaufen einen Silvaner, da gibt es so ein breites Spektrum."

Mit der stärkeren Herkunftsprofilierung soll nach Willen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auch dazu führen, dass die Winzer ihren Absatz vor allem im Ausland steigern können.

Denn während der Wert der Weinausfuhren der Europäischen Union insgesamt zwischen 2008 und 2018 von 6,1 auf 11,6 Milliarden Euro gestiegen ist, ging der Export aus Deutschland von 434 auf 307 Millionen Euro zurück.

Mehr Marketing

Deshalb sollen auch die Marketing-Mittel auf Bundesebene von 1,5 Millionen auf zwei Millionen Euro aufgestockt werden. Ob das wirklich Effekte zeigen wird, weiß Haller nicht zu sagen.

Franken zumindest sei ohnehin keine große Weinexportgegend. Und der Einbruch in den letzten Jahren hat in seinen Augen nur wenig damit zu tun, dass das Ansehen deutscher Weine im Ausland gesunken sei.

So verhängte der scheidende US-Präsident Donald Trump eine Zollerhöhung um 25 Prozent auf deutschen Wein. Gerade Winzer an der Mosel, die zum Teil 85 Prozent vor allem ihrer Rieslingproduktion in die USA verkauften, "traf das richtig hart", so Haller.

Auch in Großbritannien "ist der Markt richtig eingeschlafen." Hier führten höhere Einfuhrzölle ebenfalls zu einer Verteuerung deutschen Weins, der von den dortigen Verbrauchern nicht mitgetragen wird, so Haller. In Japan wiederum führte die anhaltende Rezession zum Exportrückgang.


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