Wahlbeteiligung und Kleine: Die Gründe für das CSU-Ergebnis

Lorenz Bomhard
Lorenz Bomhard

Ressortleiter Metropolregion Nürnberg und Bayern

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18.10.2018, 19:07 Uhr

© Foto: Harald Sippel

Eigentlich ist alles gar nicht so schlimm bei der CSU, auch wenn sie die absolute Mehrheit verloren hat. Zum Beispiel in Mittelfranken: 2013 kamen die Christsozialen im Wahlkreis auf 685.156 Gesamtstimmen. 2018 waren es 680.886. Das sind nur 4270 Stimmen Unterschied.

Als das Wahlergebnis von 2008 (43,4 Prozent bayernweit, 2018: 37,2) die CSU in eine Krise stürzte und Günther Beckstein zurücktrat, hatten die Christsozialen in Mittelfranken 645 628 Gesamtstimmen geholt, also viel weniger als 2018, und dennoch insgesamt besser abgeschnitten. Und Mittelfranken ist ziemlich repräsentativ für bayerische Verhältnisse.

Hohe Wahlbeteiligung

Was ist also los? Die erste Erklärung ist einfach, denn es geht um die Wahlbeteiligung. Wenn mehr zur Wahl gehen, ist die absolute Zahl von Stimmen, auch wenn sie nahezu gleich bleibt, weniger wert. 2008 lag die Wahlbeteiligung bei 57,9 Prozent, 2013, bei 63,6, 2018 bei 72,4.

Der andere Faktor ist die Zahl der Parteien, die es über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, also berücksichtigt werden bei der Vergabe der Sitze. 2008 waren es fünf Parteien, 2013 flog die FDP raus, 2018 kamen mit AfD und FDP zwei Parteien dazu, also sechs Parteien, die bei der Sitzvergabe berücksichtigt werden müssen.

91 Direktkandidaten werden durch die Erststimme ermittelt. Dann gibt es weitere 89 Abgeordnete, die über die Gesamtstimmen, also Erst- und Zweitstimme ermittelt werden.

Überhang- und Ausgleichsmandate

Erringt eine Partei in einem Wahlkreis — das entspricht den sieben Bezirken — mehr Stimmkreismandate als ihr gemäß ihrem Gesamtstimmenanteil an Sitzen zustehen, verbleiben ihr diese zusätzlichen Sitze als sogenannte "Überhangmandate". Die in dem betroffenen Wahlkreis insgesamt zu vergebende Zahl der Sitze wird dabei so lange erhöht, bis sich bei ihrer proportionalen Verteilung (Niemeyer-Verfahren) nach dem Gesamtstimmenverhältnis der Parteien für die betreffende Partei die Zahl der in den Stimmkreisen errungenen Direktmandate ergibt.

Auf diese Weise können auch die anderen Parteien zusätzliche Mandate erhalten, sogenannte Ausgleichsmandate. Die CSU erhielt insgesamt 10 Überhangmandate, die übrigen Parteien 15 Ausgleichsmandate (FW 5, Grüne 4, SPD 4, AfD 1, FDP 1). Dadurch vergrößert sich der Landtag von 180 auf 205 Sitze.

Und so schaffte es der Forchheimer Sebastian Körber mit gerade mal 9741 Stimmen, für die FDP in den Landtag einzuziehen. Der Vergleich mit Markus Söder hinkt, weil der als Listenerster natürlich besonders viele Stimmen (282.776) bekommt. Aber selbst die CSU-Abgeordnete Barbara Regitz aus dem Nürnberger Norden, die mit Markus Ganserer (Grüne) und Arif Tasdelen (SPD) gleich gegen zwei ernstzunehmende Konkurrenten antreten musste, geht von Listenplatz 5 mit 24.284 Stimmen in den Landtag.

Bei den Grünen kam die Listenerste Verena Osgyan auf 60.849 Gesamtstimmen, davon 9187 Erststimmen, Horst Arnold von der SPD auf 39.512, davon 13.577 Erststimmen. Peter Bauer (Freie Wähler) 31.500 bei 11.391 Erststimmen und Raimund Swoboda (AfD) 46.089 bei 8700 Erststimmen. Der mittelfränkische FDP-Landtagsabgeordnete Matthias Fischbach erreichte 15.899 Gesamtstimmen, davon waren 3767 Erststimmen.

Linkes Nürnberg

Die Linke konnte sich bayernweit um 1,1 Prozentpunkte verbessern, kam aber mit 3,2 Prozent in Bayern nicht ins Parlament. Mit 7,6 Prozent erzielte sie im Nürnberger Westen ihr bestes Ergebnis im Freistaat.

Unter den sonstigen Parteien erzielten die Bayernpartei (1,7) und die ÖDP (1,6) noch Werte im wahrnehmbaren Bereich. Diese Sonstigen erhielten insgesamt 5,4 Prozent, das sind 3,3 Punkte weniger als noch vor fünf Jahren. Darunter waren etwa die Liberal-Konservativen Reformer (LKR), die nur in Oberbayern und Schwaben antraten (0,0 Prozent), die Partei "mut" der Ex-Grünen Claudia Stamm (0,3), die Partei der Humanisten, die ausschließlich in Oberbayern kandidierte (0,0), oder die V-Partei3 – Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer (0,3).

Interessant ist das Verhältnis der letzten Umfrage zum tatsächlichen Endergebnis. Drei Tage vor der Wahl veröffentlichte die Forschungsgruppe Wahlen diese Zahlen: CSU 34 (Wahlergebnis: 37,2), SPD 12 (9,7), Freie Wähler 10 (11,6), Grüne 19 (17,5), FDP 5,5 (5,1) Linke 4 (3,2) , AfD 10 (10,2).

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