Fotoprojekt in Sozialen Netzwerken

Warum ein Rheinländer fränkische Biere in Szene setzt

Nuernberg , 21.02.2019..Ressort: Sonstiges Fotografie: Stefan Hippel..Mitarbeiterportrait Maria Segat
Maria Segat

Nürnberger Nachrichten

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25.8.2021, 16:34 Uhr
Torsten Goffin trinkt leidenschaftlich gern fränkisches Bier - und er fotografiert es auch genauso. 

Torsten Goffin trinkt leidenschaftlich gern fränkisches Bier - und er fotografiert es auch genauso.  © Charlotte Schreiber / Screenshot: Instagram Torsten Goffin @allemanfang / Collage: nordbayern.de

Um irgendwann im Leben einen sehr differenzierten Biergeschmack auszubilden, ist Torsten Goffin an genau dem richtigen Ort auf die Welt gekommen: Im nordrhein-westfälischen Monheim,der einzigen Stadt in Deutschland mit einer Brauerei, die sowohl Alt- als auch Kölsch braut.

"Wenn man zwischen dem Kölner Dom und dem Düsseldorfer Rathaus mit dem Lineal eine Linie ziehen würde – in der Mitte bin ich geboren", sagt er.

Als fränkischer Leser runzeln Sie gerade verwirrt die Stirn? Man kann wohl auch nicht erwarten, dass viele Franken sich mit rheinländischer Bierkultur so auskennen, wie Torsten Goffin mit der fränkischen.

"Alles mit dem iPhone fotografiert"

Er hat ein besonderes Hobby, mit dem er viele Mitglieder der Facebook-Gruppe "Wir lieben Bier aus Franken" begeistert: Er setzt auf seinen Fotos fränkische Biere in Szene.

Ganz schlicht auf seinem Küchentisch, von der Hängelampe beleuchtet, "alles mit dem iPhone fotografiert", sagt er. Aber als studierter Fotograf hat er natürlich den Blick für den richtigen Winkel und die entsprechenden Details: mal bunte Blumen, mal ein Kerzenständer im Hintergrund – aber im Zentrum steht immer ein anderes fränkisches Bier.

Dass die Auswahl da groß ist, weiß Goffin, der meint, "für einen Nicht-Franken inzwischen ganz gut informiert" zu sein. Rein nach persönlicher Geschmackspräferenz geht er bei seinem Foto-Projekt, das auf Instagram unter dem Hashtag #projektdroschkekrines gestartet ist, deshalb auch nicht vor.

Stattdessen arbeitet er sich am Buch "111 fränkische Biere, die man getrunken haben muss" ab – gewissermaßen dem Standardwerk der hiesigen Bierkultur. "#projektdroschkekrines" lautet nach dessen Autorennamen deshalb auch der Hashtag, unter dem Goffin seine Bildersammlung auf Instagram und Facebook teilt.

Über seine Liebe zu fränkischem Bier kann Goffin so mitreißend wie fachkundig erzählen: Vom austretenden Eiweiß, das für eine Trübung des Bieres sorge und außerhalb Frankens als Makel gelte. Außerhalb von Franken habe man "dem Bier seinen Charakter als Nahrungsmittel genommen".

Schließlich habe Bier ursprünglich in der Fastenzeit mal als Ersatz für eine Mahlzeit herhalten müssen, sagt er. "Bei Krombacher kann man sich das nicht vorstellen, aber bei den fränkischen Bieren schon."

Vom Ziel, jedes der 111 Biere zu probieren und zu dokumentieren, musste sich Goffin bereits verabschieden – nicht alle Brauereien produzieren aktuell noch. Seine Minimalforderungen sind deshalb jetzt 100 Biersorten.

Und auch das ist ambitioniert, bedenkt man, dass er nicht in Franken lebt, sondern nur eine große Liebe für die Region und ihr Bier hegt. Einem Getränkemarkt in Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg - "was Frankenbier betrifft der beste Laden außerhalb Bayerns" - hat er über die Jahre das Sortiment leergekauft, immer wieder bekommt er auch Flaschen mitgebracht oder kann selbst bei den Brauereien bestellen.

Kleine Brauereien zahlen oft drauf

Weil kleine Brauereien oft drauf zahlen, wenn sie ihr Pfand nicht zurückbekommen, gibt es viele der Biere, die Goffin gern verkosten würde, in der Regel nur vor Ort.

Doch wie auf so vieles hat auch auf sein Projekt die Corona-Pandemie einen Einfluss gehabt: Für viele Kleinbrauereien sei Versand die einzige Option auf Umsatz gewesen, deshalb habe es so manches auch in Flaschen gegeben, was man vorher nur vor Ort vom Fass bekam. Für einen Sammler wie Goffin darf man das, trotz der Umstände, wohl schon als Glück bezeichnen.

Noch in diesem Jahr will er sein Ziel von zehn mal zehn dokumentierten Biersorten erreichen – schon allein, weil eine so runde Zahl für eine mögliche grafische Umsetzung genau die richtige ist.

Wo und wie sein Projekt außerhalb der Sozialen Netzwerke einmal zu sehen sein wird, weiß Goffin noch nicht.

Aber er könnte sich gut vorstellen, seine Bilder auch irgendwann einmal gedruckt und live zu präsentieren – vielleicht sogar in Nürnberg? Eine ideale Gelegenheit wäre die BrauBeviale, wie er findet. Die fand wegen Corona zuletzt nur digital statt. Ein kleines bisschen Zeit noch: Die 90 Biersorten hat der Fotograf inzwischen geknackt - bis zur 100 ist der Weg nicht mehr weit.

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