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Wasser marsch! Donauwasser fließt auch in Franken

Main-Donau-Kanal ist Schifffahrtsweg und gigantische Wasserleitung zugleich - 23.07.2017 06:00 Uhr

Der Rothsee liegt nicht zufällig am Main-Donau-Kanal (am unteren Bildrand).

21.07.2017 © Wasserwirtschaftsamt


Dass Franken gegenüber Südbayern benachteiligt ist, ist jenseits aller politischen Diskussionen in einem Punkt nicht zu verleugnen: Der Wasserhaushalt im Norden und Süden des Freistaats stellt sich regional sehr unterschiedlich dar.

Während der Alpenraum und das gesamte Donaugebiet sozusagen im Wasser schwimmen, herrscht in fränkischen Flüssen bei längerer Trockenheit oft ziemlich Ebbe. Höhere Temperaturen, geringere Niederschläge und ein schlechteres Speichervermögen der Böden - all das trägt dazu bei, dass Nordbayern über weniger als ein Drittel der gesamten Wasserreserven des Freistaats verfügt.

Politiker machten sich frühzeitig Gedanken, wie dieses Manko zu beheben ist. Bereits in den 1960er Jahren entstand die Idee, den Mangel durch die Überleitung von Altmühl- und Donauwasser in das Regnitz-Main-Gebiet zu beseitigen. Am 16. Juli 1970 ebnete der Landtag schließlich den Weg, einen überregionalen Ausgleich herzustellen.

Geburtsstunde des Seenlands

Der Beschluss war sozusagen die Geburtsstunde des Fränkischen Seenlands, das heute überwiegend als Ausflugsziel und Ferienregion wahrgenommen wird. Im Grunde handelt es sich aber um ein wasserwirtschaftliches Projekt: Überschüssiges Altmühl(Hoch-)wasser wird im Altmühlsee aufgefangen, in den Brombachsee übergeleitet und bei Bedarf via Regnitz/Main abgegeben.

25 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr lassen sich auf diese Weise umverteilen. Wesentlich leistungsfähiger ist der zweite Weg, und da kommen Main-Donau-Kanal und Rothsee ins Spiel. Denn der Kanal ist nicht nur ein Schifffahrtsweg, sondern auch eine riesige Wasserleitung: Durchschnittlich 125 Millionen Kubikmeter können jährlich über die Schleusen von Süden nach Norden befördert werden. Aus der Roth-Talsperre als Zwischenspeicher wird das Wasser dann über die Kleine Roth und die Schwarzach in das Regnitz-Main-Gebiet abgeleitet.

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In knapp 25 Jahren pumpte das System mehr als drei Milliarden Kubikmeter Wasser in den Norden des Freistaats. Das entspricht etwa dem Volumen des Starnberger Sees südwestlich von München, der fast 20 Kilometer lang und bis zu 128 Meter tief ist.

Wo kommt das Wasser für die fränkischen Flüsse her? Am Kanal gibt es von Kelheim bis Bachhausen fünf Pumpwerke mit einer maximalen Förderleistung von jeweils 35 Kubikmetern pro Sekunde. Diese füllen bis hinauf zur Scheitelhaltung des Kanals als dessen höchstgelegenen Abschnitt wie auch den Dürrlohspeicher mit Wasser aus Altmühl und Donau.

Dabei wird nur ein kleiner Teil des hochgepumpten Wassers für Schleusenbetrieb und Schifffahrt benötigt: Fast zwei Drittel der Förderleistung werden für die Wasserüberleitung herangezogen. In der Scheitelhaltung angekommen, fließt das Wasser oberhalb der Schleuse Eckersmühlen in den Rothsee, wo Badegäste somit in Donauwasser schwimmen können.

Rednitz wäre wohl ausgetrocknet

Im Hitzesommer waren es fast 200 Millionen Kubikmeter Wasser, die aus dem Süden nach Norden transportiert wurden - und die in Trockenzeiten halfen, als in Unterfranken mancherorts bereits das Gartengießen verboten war. Ohne Wasserüberleitung wäre die Rednitz damals zum Rinnsal verkommen, meinen Fachleute. Anders ausgedrückt: Der Abfluss der Regnitz zwischen Fürth und Erlangen lässt sich durch Donauwasser auf etwa 27 Kubikmeter verdreifachen.

Zweck des Überleitungssystems war ursprünglich auch die Bereitstellung von Kühlwasser für das Großkraftwerk Franken in Erlangen und das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld. Nach dem Aus der beiden Anlagen geht es vorrangig um die Verbesserung der Wasserqualität und die Vermeidung von extrem niedrigen Wasserständen in Rednitz, Regnitz und Main.

Weitsicht bewiesen

Davon profitieren nicht nur Landwirte, die ihr Wasser aus dem oberflächennahen Grundwasser in Flussnähe beziehen. Allein aus ökologischer Sicht ist die Überleitung ein Gewinn. Planer und Politiker haben vor Jahrzehnten Weitsicht bewiesen: In Zeiten des Klimawandels war der überregionale Wasserausgleich nie so wertvoll wie heute.

Horst M. Auer

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