Wegen Corona: Nürnberger Versicherung wird immer digitaler

Markus Hack
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Politik- und Wirtschaftsredaktion

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25.4.2020, 10:10 Uhr
Auch die Nürnberger Versicherung hat aufgrund der Corona-Pandemie ihre Arbeitsweise komplett umgekrempelt. Kundengespräche finden derzeit nur digital statt.

Auch die Nürnberger Versicherung hat aufgrund der Corona-Pandemie ihre Arbeitsweise komplett umgekrempelt. Kundengespräche finden derzeit nur digital statt. © Horst Linke

Aktuell läuft - virusbedingt - das Neugeschäft komplett ohne persönlichen Kontakt. Stattdessen kommunizieren die Vermittler mit den Kunden telefonisch oder per Video. Auch die Verbindung zwischen den Vermittlern draußen und den internen Mitarbeitern der Versicherung funktioniert digital. Zumindest bei weniger komplizierten Versicherungen werde das künftig wohl Standard sein. Wobei ein Beratungsgespräch "von Mensch zu Mensch" zweifelsohne eine andere Tiefe habe, so Zitzmann. Dieser persönliche Austausch werde vor allem bei der Altersvorsorge wichtig bleiben.


Nürnberger Versicherung treibt Digitalisierung voran


Seine Prognose für das laufende Jahr hält der Versicherungschef derweil aufrecht. Er rechnet mit einem leichten Anstieg beim Konzernergebnis im Vergleich zum Vorjahr, das schon sehr gut gelaufen sei. Corona könne zwar zu erhöhten Aufwendungen bei den Betriebsschließungsversicherungen führen. Durch den wochenlangen Shutdown reduzierten sich aber möglicherweise Schäden in anderen Bereichen. Und wie das Jahr tatsächlich wird, das lasse sich ohnehin erst nach den Sommerhageln und Winterstürmen sagen, so Zitzmann.

Die Dachgesellschaft der Versicherung, die börsennotierte Nürnberger Beteiligungs-AG, hatte 2019 zwar weniger Überschuss als im Vorjahr erzielt. Das lag, so das Unternehmen, aber an einem Sondereffekt durch den Abgang von Immobilien, der 2018 für einen außergewöhnlich hohen Gewinn gesorgt hatte. Von der insgesamt "sehr guten Geschäftsentwicklung" sollen auch die Aktionäre profitieren, sagt Zitzmann. Der Vorschlag, die Dividende um zehn Prozent zu erhöhen, werde aufrechterhalten. Zuvor hatte die Finanzaufsicht insbesondere Banken gedrängt, in der Krise keine Dividende zu zahlen. Bei Versicherungen habe die Behörde diese Entscheidung von den Kennzahlen abhängig gemacht, erklärt Zitzmann.

Lebensversicherungen weiter gefragt

Die Nürnberger Versicherung sieht sich unterdessen so gut aufgestellt, dass sie auch eine noch lange dauernde Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank gut verkraften würde. Auch das Geschäftsmodell der Lebensversicherungen, das mit beharrlich sinkenden Garantiezinsen zu kämpfen hat, stehe nicht zur Disposition. Zitzmann verweist ganz im Gegenteil auf eine jährliche Verzinsung von über zwei Prozent, die den Nullzinsen bei vielen anderen Angeboten der sicheren Geldanlage gegenüberstehen. Dabei setzt die Nürnberger vor allem auf fondsgebundene Lebensversicherungen. Bei diesen Produkten hängt die Entwicklung stärker von den Kapitalmärkten ab. Das birgt bei einer guten Börsenentwicklung wie im vergangenen Jahr Chancen, bringt aber auch Risiken wie aktuell mit sich.

In der Sparte Krankenversicherung verspricht sich Zitzmann viel von den Zusatzversicherungen. Im vergangenen Jahr hat die Zahl der versicherten Personen hier um 7,9 Prozent zugelegt. Gefragt seien vor allem Zahnzusatzpolicen oder auch zusätzliche Leistungen bei einem stationären Aufenthalt. Gesundheitsvorsorge sei sehr zukunftsträchtig, betont Zitzmann.


Nürnberger Versicherung: Prognose wegen Coronavirus unmöglich


Damit auch die Beschäftigten gesund bleiben, hat die Assekuranz mittlerweile die meisten Teams geteilt. Ein Teil arbeitet zu Hause, ein anderer ist im Büro. So könne der wegen Corona notwendige Abstand gut gewahrt bleiben.

Pleiten zu befürchten

Wie aber wirkt sich das Virus auf die mittelfränkische Wirtschaft aus? Die Industrieunternehmen werden die Krise mit den Hilfsangeboten von Bund und Land gut meistern, glaubt Zitzmann, der seit kurzem auch an der Spitze der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken (IHK) steht. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die internationalen Lieferketten nicht dauerhaft gestört sind. Dienstleister wie Selbstständige und kleine Firmen kämen mit den staatlichen Hilfen zunächst ganz gut über die Runden. Dauerte der Shutdown länger, seien Pleiten zu befürchten. Allergrößte Bauchschmerzen habe Zitzmann bei Gastronomie und Hotellerie. Die staatlichen Hilfsmaßnahmen reichten hier nicht aus. Es drohe eine Insolvenzwelle.


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