Der Tourismusverband setzt auf den Center Parc

26.8.2020, 15:55 Uhr
Pro Feriensiedlung: Der Tourismusverband Fränkisches Seenland hat sich in einem Pressegespräch klar positioniert. 

© Center Parcs Pro Feriensiedlung: Der Tourismusverband Fränkisches Seenland hat sich in einem Pressegespräch klar positioniert. 

Die von Kritikern geäußerten Bedenken würden einzig auf Spekulationen beruhen, gab Niederprüm gestern in einem Pressegespräch zu bedenken.

Nun gelte es, den nächsten Dienstag abzuwarten, wenn das französische Unternehmen in drei Infoveranstaltungen mehr Details zu der geplanten Anlage veröffentlichen will. Was man schon weiß, ist die grobe Größenordnung der Anlage und dass der Betreiber gerne 2024 mit dem Bau beginnen möchte.

Beim 150 Hektar großen Muna-Areal von einem "ökologisch hochwertigen Gelände" zu sprechen, sei aus seiner Sicht fehl am Platz, so Niederprüm. Vielmehr handle es sich um ein kontaminiertes Areal, das durch die Investoren von den Altlasten befreit werde. Und die erforderlichen Rodungen des reinen Kiefernwaldes würden durch hochwertigere Pflanzungen wieder wett gemacht.

Es sei auch nicht richtig, dass die Menschen, die einen Urlaub in einem Center Parc buchen, diesen nie verlassen würden. Der Tourismusgesellschaft Allgäu zufolge machten 60 Prozent der Gäste Ausflüge in die Region.

Und mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von fünf Tagen würde das Feriendorf ganz automatisch den bisherigen Wert im Seenland von 2,8 Übernachtungen im Schnitt deutlich nach oben hieven.

Werbeeffekt für das Fränkische Seenland

Am allerdeutlichsten würde sich die Ansiedlung aber im Bekanntheitsgrad der Region niederschlagen, ist Hans-Dieter Niederprüm überzeugt. Daran arbeitet der Tourismusverband seit Jahren, kommt aber nur langsam voran. Eine millionenschwere Werbekampagne kann er sich nicht leisten. Deshalb setzte er auf steigende Attraktivität, aber das sei eben langwierig.

Der Tourismusverband setzt auf den Center Parc

© Foto: Robert Maurer

Aus seiner Sicht wäre es mehr als wünschenswert, dass sich die Investoren bei der Namensgebung von "Center Parc Fränkisches Seenland" überzeugen lassen. Bislang heißt das Projekt des französischen Konzerns intern noch "Center Parc Brombachsee".

Ganz generell will Niederprüm sich bei den Investoren dafür einsetzen, dass die im Leitbild festgehaltenen Markenkernwerte wie Kultur, Natur, Sport und Genuss möglichst auch in dem Feriendorf Platz finden.

Der von Kritikern derzeit oft ins Feld geführte "sanfte Tourismus" findet sich im Leitbild übrigens nicht. Er stammt aus den Anfangszeiten des Seenlandes, als die Zimmervermieter vor allem Privatleute waren, die meist nur wenige Betten vermieteten. Deren Zahl ist seit Jahren rückläufig. 2010 stellten rund 700 Vermieter knapp 8000 Betten bereit.

Neue Übernachtungsbetriebe werden gebraucht

Heute haben vor allem die privaten Vermieter oft das Handtuch geworfen. Auch an den Wochenenden gebunden zu sein, um die Gäste zu versorgen, entspricht nicht mehr dem Zeitgeist. 370 Betriebe mit 4600 Betten stehen in der aktuellen Statistik des Tourismusverbandes.

Dennoch stiegen die Übernachtungszahlen in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Das war durch eine bessere Auslastung möglich. Doch in den Sommermonaten sind längst Kapazitätsgrenzen erreicht. Deshalb freut sich Niederprüm auch über jeden neuen Betrieb. "Ich sehne den Tag herbei, an dem der Wittelsbacher Hof wieder seine Türen öffnet und ich endlich wieder mehr Menschen nach Weißenburg schicken kann."

Auch das Hotelprojekt in Treuchtlingen werde aus seiner Sicht nicht ausgebremst. Vielmehr glaubt er, dass Center-Parcs-Gäste bei einem Besuch die Schönheit der Region entdecken und dann wiederkommen wollen – auch in eine andere Unterkunft. Der Tourismusexperte: "Unser Marketing greift. Unsere Philosophie greift. Aber ich kann die Leute nicht unterbringen."

Brombachsee bleibt rundum zugänglich

Unterstützung hat Niederprüm von Altlandrat Gerhard Wägemann, der nach wie vor Vorsitzender des Tourismusverbands Fränkisches Seenland ist. "Der Brombachsee bleibt natürlich rundum zugänglich, auch wenn die Ferienanlage gebaut werden sollte", betont Wägemann in einer Pressemitteilung.

Es stehe ihm zufolge überhaupt nicht zur Debatte, einen Uferabschnitt zu verkaufen und damit das Alleinstellungsmerkmal des Fränkischen Seenlands – die Zugänglichkeit der Seen – aufzugeben.

Nach Ansicht des früheren Landrats würde das Feriendorf dafür sorgen, dass die Saison im Seenland verlängert werden kann. Denn die Einrichtungen wie das großzügige Hallenbad könnten ja auch Gäste, die nicht dort wohnen, oder Einheimische nutzen. Bislang sei es rund acht Monate im Jahr eher ruhig an den Seen, gibt Niederprüm zu bedenken.

 

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