Aufregung im Landkreis

Kinder auf Schulweg in Cronheim und Heidenheim angesprochen? Das sollten Eltern tun

Judith Horn
Judith Horn

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24.1.2023, 10:45 Uhr
Auf diesem gestellten Foto versucht ein Mann, ein Kind mit Schokolade ins Auto zu locken. Am Freitag soll sich ein ähnlicher Fall im Gunzenhäuser Ortsteil Cronheim zugetragen haben - doch die Polizei gibt Entwarnung.

© imago images/photothek, NN Auf diesem gestellten Foto versucht ein Mann, ein Kind mit Schokolade ins Auto zu locken. Am Freitag soll sich ein ähnlicher Fall im Gunzenhäuser Ortsteil Cronheim zugetragen haben - doch die Polizei gibt Entwarnung.

Messengerdienste wie WhatsApp sind in der heutigen Zeit Fluch und Segen zugleich: Meldungen über Vorfälle wie angesprochene Kinder auf dem Schulweg verbreiten sich in Windeseile in der Bevölkerung. Eltern, Großeltern, Bekannte und Freunde sind so schnell gewarnt und sensibilisiert - wenn der Vorfall denn der Wahrheit entspricht.

Auf WhatsApp verbreitet

Ist dies nicht der Fall, verbreiten derartige Nachrichten unnötige Angst und Panik - und im schlimmsten Fall führen sie auch zu falschen Verdächtigungen.

Am Wochenende haben auch viele Eltern aus Gunzenhausen und der Umgebung ungläubig und mit Schrecken auf ihre Smartphones geschaut. Ein Elternbrief wurde in den sozialen Medien und auf WhatsApp verbreitet. Darin stand, dass Schulkinder aus Cronheim morgens an der Bushaltestelle von einem fremden, schwarz gekleideten Mann angesprochen worden seien.

Er habe eine Kopfmaske getragen und den Kindern in gebrochenem Deutsch Stifte und Geld angeboten, damit sie in sein Auto steigen. Die Schüler lehnten ab, und der Mann fuhr in seinem schwarzen Audi davon, heißt es in der WhatsApp-Nachricht.

An Bushaltestelle angesprochen

Nun hat die Pressestelle des Polizeipräsidiums Mittelfranken erklärt, dass sich der oben genannte Vorfall nicht bestätigt habe.

Am Freitagmorgen seien Mitteilungen über ein verdächtiges Ansprechen von Schulkindern unter anderem in Cronheim eingegangen. Demnach haben sich Schüler in den frühen Morgenstunden an eine Lehrkraft gewandt und von einem maskierten Mann berichtet, der Schulkinder im Bereich einer Bushaltestelle angesprochen habe und in sein Auto locken wollte. Die Schulleitung informierte umgehend die Gunzenhäuser Polizei, sagt Sprecher Christian Seiler.

Die Beamten überprüften den Schulweg und konnten keine verdächtigen Personen und Fahrzeuge bemerken. Bei den Ermittlungen und den Gesprächen mit den betroffenen Kindern habe sich herausgestellt, dass sich der Vorfall anders zugetragen habe, sagt Seiler. "Einem Mann aus dem örtlichen Umfeld ist ein Auto mit auswärtigem Kennzeichen aufgefallen. Er hat daraufhin an der Bushaltestelle gehalten, um die Kinder für das Thema zu sensibilisieren."

Mitteilung aus Heidenheim

Der Mann habe die Buskinder warnen wollen, damit sie nicht zu Fremden ins Auto steigen, sagt der Polizeisprecher. "Das ging irgendwie nach hinten los." Denn so kam die Geschichte mit dem maskierten Mann zustande, der Kinder ins seinen Audi locken wollte.

Unabhängig zu dem Vorfall in Cronheim hat die Polizei eine ähnliche Mitteilung aus Heidenheim erreicht. Eine Schülerin soll dort am Donnerstag von einem fremden Mann angesprochen und aufgefordert worden sein, in sein Auto zu steigen.

Die kommissarische Leiterin der Grund- und Mittelschule Heidenheim, Michaela Kirchmeier, hat Eltern in einem Brief darüber informiert. Demnach sei eine Erstklässlerin in Heidenheim auf dem Nachhauseweg aus einem fremden Auto heraus angesprochen worden. "Der Fahrer, der nicht gut Deutsch sprach, hat sie mehrfach aufgefordert einzusteigen", heißt es in dem Brief.

Gespräche im Unterricht

Kirchmeier bittet die Eltern darin, die Kinder in den nächsten Tagen persönlich von der Schule abzuholen. "Für Kinder, die nicht abgeholt werden, bilden wir Nachbarschaftsgruppen, die gemeinsam nach Hause laufen."

Auch im Unterricht sprechen die Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern über den Vorfall und geben ihnen Tipps für ein richtiges Verhalten. "Wir versuchen dabei den Balanceakt, die Kinder nicht noch mehr zu verunsichern und doch aufzuklären", sagt Kirchmeier, die die Geschehnisse sehr ernst nimmt.

Auch würde es mit den Nachbarschaftsgruppen und dem persönlichen Abholen gut klappen, sagt die kommissarische Schulleiterin. "Und dass die Polizei Streife fährt, das ist ein gutes Gefühl."

Tipps von Polizei

Zu dem Fall in Heidenheim kann Polizeisprecher Seiler nichts sagen, die Ermittlungen dazu laufen. Die Polizei fahre jedoch um die beiden betroffenen Grundschulen derzeit verstärkt Streife.

Auch nehme die Polizei jeden einzelnen solcher gemeldeten Fälle und insbesondere die Besorgnis der Betroffenen ernst. Die Beamten geben dazu folgende Tipps:

- Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit, um mit Ihrem Kind über seine Erlebnisse und Sorgen zu sprechen. Vermitteln Sie Ihrem Kind das Gefühl, dass es Ihnen alles erzählen kann.

- Üben Sie mit Ihrem Kind im Alltag, wie es sich in bedrohlichen Situationen verhalten soll, damit es im Notfall richtig reagieren kann. Ein Selbstbehauptungskurs für Kinder kann hier hilfreich sein.

- Machen Sie Ihrem Kind keine Angst. Panik ist in jeglicher Hinsicht ein schlechter Begleiter.

Verhalten im Akutfall:

- Wenn Ihr Kind von einem Vorfall berichtet, bemühen Sie sich zunächst, Ruhe zu bewahren. Hören Sie Ihrem Kind aufmerksam zu und nehmen Sie es ernst.

- Verständigen Sie in Akutsituationen sofort über den Notruf 110 die Polizei.

- Nehmen Sie Abstand vor eigenhändigen "Fahndungsaufrufen" in sozialen Netzwerken, Chatgruppen etc. Hier haben Sie weder den Verbreitungsgrad noch den Inhalt weiterer Verbreitungsnachrichten in der Hand.

Zur Vorbeugung:

- Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wo es sich gegebenenfalls auf dem Schulweg/Spielplatz Hilfe holen kann (Geschäfte, Klingeln an einer Haustüre, stark frequentierte Straßen etc.).

- Schicken Sie Ihr Kind wenn möglich in kleinen Gruppen zusammen mit anderen Kindern zur Schule oder zum Spielplatz.

- Beschriften Sie Kleidungsstücke oder die Schultasche nicht von außen sichtbar mit dem Namen. Spricht ein Fremder das Kind mit Vornamen an, wird eine Vertrauensbasis suggeriert.

- Kinder sollen lernen, Distanz zu Fahrzeugen zu halten, wenn sie angesprochen werden.

- Kinder müssen wissen, dass Sie Aufforderungen oder Bitten von fremden Erwachsenen immer ablehnen dürfen, ohne dass dies unhöflich ist.

- Kinder sollten im Alltag Respekt und Selbstvertrauen erfahren, um Selbstbewusstsein entwickeln zu können. Täter sprechen bevorzugt unsicher wirkende Kinder an. Selbstbewusstsein ist daher ein wirksamer Schutz.