Berufsausbildungsmesse

So viele Möglichkeiten: BAM Altmühlfranken bringt junge Menschen und Firmen wieder zusammen

FOTO: Judith Horn, Februar 2022 MOTIV: Isabel-Marie Köppel (29), Porträt
Isabel-Marie Köppel

Lokalredaktion Gunzenhausen

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20.11.2022, 19:00 Uhr
Sowohl im Foyer als auch im großen Saal der Stadthalle Gunzenhausen präsentierten sich verschiedenste Unternehmen und Betribe. So viele Eindrücke, Informationen und persönliche Gespräche auf einmal kann nur eine Messe möglich machen.
 

© Isabel-Marie Köppel, NN Sowohl im Foyer als auch im großen Saal der Stadthalle Gunzenhausen präsentierten sich verschiedenste Unternehmen und Betribe. So viele Eindrücke, Informationen und persönliche Gespräche auf einmal kann nur eine Messe möglich machen.  

"Hier ist es ganz cool aufgelistet - welche Berufe und in welcher Region", zeigt Tom Heimer seiner Mutter die Unterlagen, die er sich gerade beim Stand der Agentur für Arbeit geholt hat. Er besucht die 8. Klasse der Wirtschaftsschule in Gunzenhausen. Obwohl er noch Zeit bis zu seiner Mittlere Reife hat, versucht er jetzt schon herauszufinden, in welche Richtung er mal gehen möchte: "Ich will in drei Jahren nicht da stehen und nicht wissen, was ich machen möchte."

Tom Heimer hat noch fast drei Jahre Zeit, bis er ins Berufsleben startet. Hier, mit der VR-Brille beim Stand der Agentur für Arbeit, machte er sich virtuell einen ersten Eindruck von Handwerksberufen.
 

Tom Heimer hat noch fast drei Jahre Zeit, bis er ins Berufsleben startet. Hier, mit der VR-Brille beim Stand der Agentur für Arbeit, machte er sich virtuell einen ersten Eindruck von Handwerksberufen.   © Isabel-Marie Köppel, NN

Eins steht jetzt schon für ihn fest: "Nichts im Büro. Ich will was machen, wo man sich bewegt, nicht nur sitzt, am PC." Die Branche aber nicht, weshalb er schon an verschiedenen Ständen haltgemach hat. Rund 90 Stück könnte er in der Theorie besuchen - denn so viele beteiligten sicher heuer an der achten Auflage der Berufsausbildungsmesse (BAM) Altmühlfranken.

Toms Mutter schätzt das Angebot ebenfalls - auch mit Blick auf Praktika. Sie selbst arbeitet im Kindergarten und hat schon häufig erlebt, wie wertvoll ein Praktikum sein kann - und findet, alle Schulen sollten dafür feste Wochen einplanen. Denn "ein Kind in den Ferien zum Arbeiten zu überreden, ist nicht leicht", weiß sie.

An drei Standorten

Die BAM fand am Samstag von 9 bis 15 Uhr parallel in Gunzenhausen, Treuchtlingen und Weißenburg statt. Zwischen den drei Standorten konnten die Besucherinnen und Besucher per Bus wechseln. Rund 90 Betriebe, Firmen und Behörden waren vertreten und stellten etwa 130 Berufe vor. Die beiden vergangenen Jahre musste die Messe wegen der Pandemie ins Digitale verlagert werden - deshalb war heuer bei allen Beteiligten ein großes Aufatmen zu verspüren, dass die BAM wieder in Präsenz stattfinden konnte.

So zeigte sich auch Landrat Manuel Westphal bei der offiziellen Eröffnung in Gunzenhausen überzeugt, dass so ein Format vom Sehen und Austauschen lebt. Ergänzt wird die Veranstaltung durch das Angebot auf www.bam.altmuehlfranken.de. Er sprach von einer "Win-Win-Situation" für die jungen Menschen und alle Unternehmer. Denn eines machte Westphal deutlich: "Mitarbeiter sind die Engstelle für die weitere Entwicklung." Schon jetzt sind schließlich die Klagen aus allen Branchen zu vernehmen, dass (Fach)Personal fehlt.

"Super-Krankenschwester" hob Carmen Pfeiffer in die Luft. Kurz zuvor war sie noch auf der Arbeit gewesen - im Klinikum Altmühlfranken. In ihrer Tätigkeit geht sie richtig auf.
 

"Super-Krankenschwester" hob Carmen Pfeiffer in die Luft. Kurz zuvor war sie noch auf der Arbeit gewesen - im Klinikum Altmühlfranken. In ihrer Tätigkeit geht sie richtig auf.   © Isabel-Marie Köppel, NN

Gunzenhausens Bürgermeister Karl-Heinz Fitz pflichtete Westphal bei und ging auf die Frage ein, woran es liegt, dass die Mitarbeiter ausgehen?Als entscheidende Punkte machte er die gesteigerten Aufgaben und gestiegenen Anforderungen aus. Es gelte, die Distanz zu den jungen Menschen abzubauen; in der Schule könnten sich die Jugendlichen wenig von der Arbeitswelt vorstellen.; in der Schule könnten sich die Jugendlichen wenig vorstellen, was es alles gibt. Und eine kleine Botschaft seinerseits: "Nicht jeder muss studieren."

"Habe meine Leidenschaft entdeckt"

Diesem Satz würde Carmen Pfeiffer sicher zustimmen, hätte sie ihn gehört. Die junge Frau machte ihr Abitur auf der FOS und hatte vor, zu studieren. Doch dann merkte sie, sie muss mal raus aus der Schule, was arbeiten, berichtet sie am Stand des Klinikums Altmühlfranken. Denn dort arbeitet sie mittlerweile und ist angehende Pflegefachfrau - im September 2023 steht ihr Examen an. "Ich habe echt meine Leidenschaft entdeckt. Ich kann mir vorstellen, das bis zu meiner Rente zu machen", erzählt sie mit einem Leuchten im Gesicht.

Pfeiffer gehört zum ersten Jahrgang der neu konzipierten Ausbildung, klärt sie auf. "Die typische Krankenschwester gibt es so nicht mehr", sagt sie. Es werde mehr Psychologie gelehrt, "um das Übel an der Wurzel packen zu können". Es gehe darum, den Patienten hinter der Symptomatik zu sehen, etwa Belastungsstörungen zu erkennen. Die Merkendorferin erklärt es an einem Beispiel: Wenn eine Frau über Bauchschmerzen klagt, kann das körperliche Gründe haben, aber auch psychosomatische. Und hier setze das neue Ausbildungskonzept an - dies erkennen zu können. Außerdem eint die Pflegefachkraft mehrere "alte" Berufe, sodass Pfeiffer verschiedene Pflegebereiche kennenlernt, also auch die Alten- und Kinderkrankenpflege.

Außerdem stellt sie klar, dass niemand "auf Station versauern" müsse. "Es gibt so viele Perspektiven", sagt Carmen Pfeifer - sowohl innerhalb des Krankenhauses als auch außerhalb. Studieren könne sie ja immer noch - etwa Pflegemanagement.

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