"Befreiter Fluss"

Umweltpreis für die Renaturierung der Altmühl

Uli Gruber

24.10.2021, 17:02 Uhr
Das kanalartigen Gewässer zwischen Gunzenhausen und Treuchtlingen ist Geschichte. Heute mäandert die Altmühl gemütlich durch ihr Flusstal.

© Wasserwirtschaftsamt Ansbach Das kanalartigen Gewässer zwischen Gunzenhausen und Treuchtlingen ist Geschichte. Heute mäandert die Altmühl gemütlich durch ihr Flusstal.

Die Deutsche Umwelthilfe würdigt unter dem Stichwort „Befreite Flüsse“ ausgewählte Fließgewässer beziehungsweise –abschnitte, die durch behutsame Gewässerunterhaltung oder gezielte Umgestaltung dabei unterstützt werden, sich naturnah zu entwickeln. Unter diesem Aspekt wurde das Wasserwirtschaftsamt Ansbach von der Umwelt-Organisation für seine Arbeiten an der mittleren Altmühl ausgezeichnet.

23 Kilometer umgestaltet

Der im letzten Jahrhundert begradigte Fluss und seine unmittelbar angrenzende Aue wurden zwischen Gunzenhausen und Treuchtlingen im Zeitraum von 1999 bis 2016 auf einer Länge von 23 Kilometern ökologisch umgestaltet. Im Wesentlichen galt es, Flächen im Umgriff der Altmühl zu erwerben und nährstoffhaltiges Bodenmaterial abzutragen.

Um die erfolgten Maßnahmen zur Renaturierung der mittleren Altmühl vom Wasser aus in Augenschein zu nehmen, fuhren Vertreter der Deutschen Umwelthilfe und Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts Ansbachauf Booten von Gundelsheim nach Trommetsheim. Ines Wittig, Projektmanagerin Naturschutz der Deutschen Umwelthilfe, überreichte Amtsleiter Thomas Keller die begehrte Plakette der Organisation. Mit dabei auch Roland Rösler, der Abteilungsleiter des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen.

Um die erfolgten Maßnahmen zur Renaturierung der mittleren Altmühl vom Wasser aus in Augenschein zu nehmen, fuhren Vertreter der Deutschen Umwelthilfe und Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts Ansbachauf Booten von Gundelsheim nach Trommetsheim. Ines Wittig, Projektmanagerin Naturschutz der Deutschen Umwelthilfe, überreichte Amtsleiter Thomas Keller die begehrte Plakette der Organisation. Mit dabei auch Roland Rösler, der Abteilungsleiter des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen. © Uli Gruber

Hierzu musste ein neues und dem Gewässertyp entsprechendes, verzweigtes Gewässerbett angelegt werden. Des Weiteren stand das grobe Modellieren von fehlenden Gewässerstrukturen (flache Ufer, Einengungen, Aufweitungen, unterschiedliche Tiefen) auf der Agenda. Das bis dahin kanalisierte Gewässer wurde anschließend in das künftige Bett geleitet, das alte begradigte Gerinne hingegen rückgebaut oder teilweise zu einer Flutmulde umstrukturiert.

Auf Gehölze verzichtet

Die Experten verzichteten auf eine Bepflanzung mit Gehölzen oder auf Erosionsschutzmaßnahmen am neuen Gewässerbett. Der Eigendynamik des Wassers blieb die weitere Modellierung überlassen. Abwechslungsreich gestaltete Ufer und kleinere Inseln sind die Folge einer natürlichen Entwicklung. Die mittlere Altmühl hat sich seit Fertigstellung gut entwickelt. Aufwändige Unterhaltungs- oder Pflegemaßnahmen sind bisher nicht erforderlich.


Altmühl-Renaturierung: Vom toten Kanal zum befreiten Fluss


Von den einstigen baulichen Eingriffen ist in der Natur mittlerweile nichts mehr zu erkennen. Gewässer und Aue verfügen über ein natürliches Erscheinungsbild. Dies führt zu einer positiven Wahrnehmung gleichermaßen bei Bürgern, anliegenden Gemeinden und Besuchern. Durch ein umfangreiches sogenanntes „Biomonitoring“ ist belegt, dass sich aufgrund der Umgestaltungsmaßnahmen die Anzahl wertvoller Pflanzen- und Tierarten im und am Gewässer beträchtlich erhöht hat. Wegen der zunehmenden Beschattung des Gewässers durch Ufergehölze kann das hochentwickelte Ökosystem auch heißen und trockenen Sommern standhalten.

Aktuell ist das WWA Ansbach damit beschäftigt, dank festgestellter Erfolge in der Gewässerökologie und -morphologie sowie einer dokumentierten Resilienz und geringer Unterhaltsfolgelast, das Umgestaltungskonzept der mittleren Altmühl auf den Oberlauf mit einer Länge von ebenfalls 23 Kilometern zu übertragen.

"Wir freuen uns riesig"

Ziel sei es, das Gewässersystem zu erhalten und den Anforderungen der Klimaänderung anzupassen. Kein Wunder, dass Behördenleiter Thomas Keller stolz auf das bisher Erreichte ist: „Wir freuen uns riesig über die Auszeichnung. Unsere begleitenden Untersuchungen von Flora und Fauna zeigen eindrucksvoll, neben dem positiven Effekt auf den Wasserhaushalt, wie Pflanzen und Tiere von der Strukturvielfalt profitieren.“