Verliebt in Pferde

Viel Hilfe: Treuchtlinger Verein und Lions Club spendieren Reitstunden für schwerkrankes Mädchen

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7.10.2022, 06:00 Uhr
Die kleine Lia liebt Pferde über alles. Nun darf sie im Treuchtlinger Reitverein Longierstunden nehmen.

© Lidia Piechulek, NN Die kleine Lia liebt Pferde über alles. Nun darf sie im Treuchtlinger Reitverein Longierstunden nehmen.

Auf einem Pony mit Namen "Mini-Muffin" sitzt Lia wie eine stolze Reiterin. An einer Longe führen sie und ihre Reitlehrerin, Sabine Kramer, das Pferd immerzu im Kreis. Die kleine Lia macht derweil Gymnastik, sie streckt die Arme zum Himmel und lächelt dabei. Die Übungen dienen dazu, dass sie die Angst vor dem Reiten vergisst. Sie lernt, locker zu lassen, und sich nicht an dem Pferd festzuklammern.

"Sie könnte tagelang im Reitstall sein"

"Unsere Lia hat aber gar keine Angst", sagen ihre Mutter und ihre ältere Schwester, ebenfalls stolz und voller Freude. Tatsächlich wirkt die junge Treuchtlingerin tiefenentspannt, wie sie im Sattel sitzt. Von Erschöpfung sieht man auch nach einer halben Stunde kaum eine Spur, auf Nachfrage möchte sie am liebsten immer weiter üben. Die kleine Lia liebt Pferde über alles, vertraut ihnen, und strahlt in jeder Sekunde schiere Freude aus. "Sie könnte tagelang im Reitstall sein", erzählt ihre Mutter. Wie ihre ältere Schwester ist sie völlig vernarrt in die Tiere.

Mit ihrer Lehrerin Sabine Kramer übt Lia heute zum ersten Mal das Aufstehen im Sattel während des Trabens

Mit ihrer Lehrerin Sabine Kramer übt Lia heute zum ersten Mal das Aufstehen im Sattel während des Trabens © Lidia Piechulek, NN

So unbeschwert wie jetzt ist Lias Leben leider nur selten. Mit ihren acht Jahren ist sie schon eine echte Kämpferin. Seitdem im August 2020 der erste epileptische Anfall ihre beschauliche Kindheit betrübte, mussten sie und ihre Familie einiges durchmachen. Erst diesen Sommer erhielt sie, nach langer Wartezeit auf die Labor-Ergebnisse, erschreckende Gewissheit: Lia leidet an einem überaus seltenen Gendefekt. Behandelt man ihn nicht, so könnte Lia der Prognose nach noch im Kindesalter sterben.

Schon jetzt würde die Familie im Alltag die Auswirkungen der Krankheit bei Lia bemerken, erzählt die Mutter, während ihre Tochter unbeschwert die erste Longierstunde ihres Lebens genießt. Schon jetzt fehlen ihrer Tochter in manchen Situationen die Worte. Am Frühstückstisch fiel ihr erst kürzlich das Wort "Brötchen" nicht mehr ein.

Der Gendefekt bewirkt, dass bestimmte Stoffe im Körper nicht ausgebildet werden. Das Gehirn bildet sich sukzessive zurück, das Sprechen fällt immer schwerer, und am Ende, nach wenigen Jahren schlimmen geistigen wie körperlichen Leidens, endet die Krankheit mit dem Tod. Helfen könnte nur ein Medikament aus den USA, das in Deutschland nicht zugelassen ist.

Medikament ist in Deutschland nicht zugelassen

Doch bislang weigert sich die AOK, für die Behandlung zu bezahlen - eben aufgrund der fehlenden Zulassung. Die Familie hat einen Anwalt eingeschaltet und würde notfalls auch vor Gericht ziehen. Doch das reicht nicht aus, denn ein Rechtsstreit zöge sich jahrelang hin.

Es handelt sich dabei um Lebensjahre, die Lia nicht bleiben, wenn nicht sofort gehandelt wird. Daher hat Lias Großvater nun eine Spendenkampagne ins Leben gerufen, um das Leben seiner Enkelin zu retten. Seit der Veröffentlichung des ersten Berichts über Lia am 4. Oktober haben (Stand: 6. Oktober, 14 Uhr) rund hundert Menschen für die Treuchtlinger Familie gespendet. Mehr als 2000 Euro kamen so binnen 48 Stunden zusammen.

Das Ziel ist die Gründung einer Stiftung, um Spendenquittungen ausgeben zu können und später einmal Kinder mit ähnlichen Schicksalsschlägen wie Lia unterstützen zu können. Doch erst einmal soll von dem Geld Lias Medikament bezahlt werden. Dieses kostet, solange die Krankenkasse nicht dafür aufkommt, monatlich 12000 Euro.

500 Euro für Longierstunden

"Das Problem ist, dass wir, wenn wir mit der Behandlung einmal angefangen haben, nicht aufhören dürfen", erzählt Lias Mutter, was ihr die Fachärzte erklärt haben. Daher wolle man so viel Geld auf Seite legen, dass man eine Jahresration des Medikaments einkaufen kann. Ihre Tochter muss das Medikament dann ein Leben lang nehmen. Auf der anderen Seite bedeutet jeder Tag, der ohne Behandlung verstreicht, eine Verschlechterung des Gesundheitszustands.

Während die Familie weiter auf Unterstützung von außen und ein Einlenken der AOK hofft, ist der Lions Club Altmühltal an sie herangetreten, um zu helfen: Das schwerkranke Mädchen soll in ihrem Hobby, dem Reiten, einmal pro Woche Erfüllung finden dürfen.

Daher übergab Lions-Präsident Friedrich Kipf nun 500 Euro an den Treuchtlinger Reitverein im Beisein von Lia und ihrer Mutter. "Es war uns eine Herzensangelegenheit, hier helfen zu dürfen", sagt der Präsident des Lions Clubs. "Wir wünschen der Familie und natürlich der kleinen Lia alles Gute und hoffen auch auf die Einsicht der Krankenkasse. Hier geht es ja schließlich um ein kleines Menschenleben", sagt er. Das Geld fließt direkt in Lias größte Leidenschaft, das Reiten. Von jetzt an wird sie einmal die Woche Longierstunden nehmen.

Spenden kann man für Lia unter www.gofundme.com/f/kindern-eine-chance-zum-leben-zu-geben

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