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Alesheim: Abwasser und Kindergarten sorgten für Diskussionen

Manfred Schuster ist am 15. März der einzige Kandidat für das Bürgermeisteramt - 21.02.2020 11:38 Uhr

Die Umgestaltung des bisherigen Raiffeisenbank-Gebäudes in Alesheim ist eine der anstehenden Aufgaben. Geschaffen werden sollen ein Dorfladen und ein Veranstaltungsraum sowie öffentliche Toiletten. © Foto: Robert Maurer


Am Sonntagabend war er gefrustet. Alesheims Bürgermeister Manfred Schuster hatte sich einen anderen Ausgang des Bürgerentscheids gewünscht. Die Bürger wollten keine Umstellung der Kanalisation und sprachen sich klar für einen Verbleib im Mischsystem fürs Abwasser aus. "Ich meine immer noch, dass ein Trennsystem besser gewesen wäre", sagt Schuster ein wenig resigniert. Fügt aber gleich mit einem Lächeln hinterher: "Aber die Welt wird sich auch so weiterdrehen." Auch wenn das für ihn nun bedeutet, dass er bei der Dorferneuerung in Wachenhofen das Mischsystem gegen seine eigene Überzeugung umsetzen muss.

Dass ihm diese Aufgabe bleiben wird, gilt als sicher. Denn der 62-jährige Trommetsheimer ist der einzige Bewerber für den Posten des ehrenamtlichen Bürgermeisters in der Gemeinde Alesheim. 2008 wurde er erstmals gewählt – damals mit über 96 Prozent der Stimmen. Sechs Jahre später hatte er immer noch eine Zustimmung von mehr als 93 Prozent. Ein beliebter Bürgermeister, der seinen Job ganz offensichtlich immer noch mit Herzblut, Sachlichkeit und Akkuratesse erledigt.

Dennoch: Insgeheim wird sich Manfred Schuster darauf eingestellt haben, dass es am 15. März nochmal ein bisschen runtergehen könnte mit der Zustimmung. Denn obwohl in Alesheim in den vergangenen zwölf Jahren alles in großer Harmonie und unaufgeregt erledigt wurde, gab es zuletzt doch einige Reibungsflächen.

Die eine war die nun abgeschlossene Abwassergeschichte. Die andere ist die Zusammenlegung der Kindergärten in Trommetsheim. Dabei ist sowohl in Alesheim als auch in Trommetsheim die jeweilige evangelische Kirchengemeinde Träger der Kita. Der Ärger der Bürger richtet sich dennoch gegen die politische Gemeinde. Und es werden auch schon Unterschriften für ein neuerliches Bürgerbegehren gesammelt.

Alesheims Bürgermeister Manfred Schuster tritt wieder an. © Foto: Privat


Erfreulich ist, dass sowohl in der Abwasserfrage als auch in der Kindergartenfrage der Anstand gewahrt blieb. "Ich bin nie persönlich angegangen worden", stellt Schuster fest. In Zeiten, in denen Bürgermeister immer öfter beleidigt und sogar attackiert werden, ist das ein Zeichen, dass mancherorts der Kern der Demokratie noch richtig verstanden wird.

Der jüngste Ärger lässt allerdings manchen ein wenig vergessen, dass in Alesheim in den vergangenen Jahren jede Menge passiert ist – und zwar im positiven Sinne. Ein Beispiel ist die gelungene Generalsanierung der Schule. Darauf ist Schuster auch stolz. Zufrieden weist er darauf hin, dass die Zusammenarbeit mit Weißenburg im Schulverband bestens läuft.

Ein weiteres Positivbeispiel ist, nach Überzeugung des Bürgermeisters, der Breitbandausbau. In allen Ortsteilen – mit Ausnahme von Alesheim selbst – gibt es schnelles Glasfaser bis an die Haustür. Schuster: "Da haben wir von Anfang an alles richtig gemacht." Zwar gab es ganz zu Beginn mit der Betreiberfirma Probleme, aber das ist längst vergessen. Und auch in Alesheim stehen die Verbesserungen schon auf der Erledigen-Liste. Schuster rechnet damit, dass ein neues Förderprogramm noch Verbesserungen bringen kann.

Apropos Förderprogramme. Die hat die kleine Gemeinde mit ihren rund 950 Einwohnern immer gut genutzt. So war es möglich, dass trotz überschaubarer Gewerbesteuereinnahmen seit 2014 mehr als fünf Millionen Euro investiert werden konnten und der Schuldenstand in der Zeit nur um 230 000 Euro auf rund 850 000 Euro stieg.

Und auch beim aktuellen Projekt Dorfladen "MittenDrin" funktioniert das mit den Zuschüssen wieder, schildert Manfred Schuster. Das Amt für Ländliche Entwicklung Mittelfranken hat 310 000 Euro an Zuschüssen für das Vorhaben zugesagt. Insgesamt wird es rund 400 000 Euro kosten (inklusive Ankauf), das ehemalige Raiba-Gebäude zu einem Dorfladen und zu einem Treffpunkt zu machen. Es wird ein Sanitärtrakt angesetzt, sodass eine öffentliche Toilette entsteht. Außerdem wird das Obergeschoss zum Veranstaltungsraum. Kulturabende können dort ebenso stattfinden, wie Seniorennachmittage oder auch die öffentlichen Gemeinderatssitzungen.

Diese wurden zuletzt eigentlich immer im evangelischen Gemeindehaus abgehalten, weil in der Gemeindekanzlei nicht genug Platz für Zuhörer ist und auch der Zustand des Gebäudes zu wünschen übrig lässt. Wegen des Raiba-Gebäude-Kaufs wurde der Plan, das alte Rathaus umzubauen, hintangestellt. Auch hier hat Schuster mit der Regierung von Mittelfranken bereits verhandelt. Es wäre denkbar, das Haus abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen. Als Idee hat Schuster noch immer eine Tagespflege für Senioren im Kopf und darüber wären Wohnungen denkbar. Aber es gibt auch ein Kaufangebot eines Investors. Wie es weitergehen wird, wird wohl der nächste Gemeinderat entscheiden.

Der wird sich in den nächsten Jahren auch weiterhin ganz intensiv mit dem Thema Abwasser befassen müssen. Denn hier ist einiges zu tun, um den vollständigen Anschluss an die Kläranlage in Markt Berolzheim abzuschließen. Das Thema Trennsystem wird dabei wohl vorerst nicht mehr auftauchen. Denn zum einen hat der Bürgerentscheid eine bindende Wirkung für ein Jahr und bezog sich ja ausdrücklich auf die Gesamtgemeinde. Zum anderen sind die Kanäle in den anderen Orten jünger und eben auf das alte Mischsystem ausgelegt. Schuster: "Wir werden uns da etwas überlegen müssen, um das Fremdwasser herauszubekommen."

Wir, das ist natürlich der Gemeinderat. Von den bisherigen zwölf Mitgliedern hören sechs endgültig auf, jeweils drei amtierende Gemeinderäte finden sich auf den Listen für Alesheim und Trommetsheim (in den beiden Orten gibt es auch Wahllokale). Möglicherweise gibt es dennoch nur zwei neue Gesichter in dem Gremium. Denn weil die Einwohnerzahl schon vor ein paar Jahren unter 1000 gesackt ist, hat Alesheim kein Anrecht mehr auf einen Zwölfer-, sondern nur noch auf einen Achter-Gemeinderat.

Die Kandidaten in Alesheim

CSU/Freie Wähler Alesheim

1. Christian Tutsch, Lehrer, Störzelbach

2. Renate Möhring, Diplom-Verwaltungswirtin, Wachenhofen

3. Florian Gagsteiger, Ingenieur, Alesheim

4. Thorsten Roth, Amtmann im Notardienst, Alesheim

5. Gerda Wenderlein, Fachwirtin im Gesundheitswesen, Alesheim

6. Björn Eckert, Maurermeister, Alesheim

7. Richard Bauer, Fliesenleger, Wachenhofen

8. Klaus Stöhr, Zimmerermeister, Alesheim

9. Nina Silbereisen, Management im Gesundheitswesen, Alesheim

10. Mathias Enderlein, Zimmerermeister, Alesheim

Freie Wählergemeinschaft Trommetsheim

1. Andreas Wenderlein, Informationselektroniker, Trommetsheim

2. Helmut Zäh, Betriebselektriker, Trommetsheim

3. Agnes Thanbichler, Softwareentwicklerin, Trommetsheim

4. Erwin Eckert, Rentner, Trommetsheim

5. Florian Strauß, Elektrotechnik Ingenieur, Trommetsheim

6. Stefan Seegmüller, Agrarbetriebswirt, Lengenfeld

Kommunalwahl 2020: Bürgermeisterwahl in Alesheim

Die Gemeinderatswahl 2020

59,5%

40,5%

CSU/FW
FW Trommetsheim

1,1%

1,1%

Alle Stimmkreise ausgezählt.

ROBERT MAURER

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