Montag, 19.04.2021

|

Altmühlfranken: die Altenheime sind am Corona-Limit

Die Corona-Tests überfordern viele Einrichtungen, Helfer werden dringend gesucht. - 16.12.2020 06:00 Uhr

Die Altenheime in der Region, hier das Altenheim St. Elisabeth in Ellingen, suchen händeringend Helferinnen und Helfer, um die verpflichtenden Corona-Tests für Angehörige auf die Reihe zu bekommen.

15.12.2020 © Foto: Jan Stephan


  Eine immense Belastung für die Heime, die sich nun auf der Suche nach Helfern bei den Testungen an die Öffentlichkeit wenden. "Wir haben das jetzt so vor den Latz geknallt bekommen", fasst Christian Bernhard die Situation zusammen. Der Leiter des St.-Elisabeth-Altenheims in Ellingen hat – wie alle anderen Einrichtungen auch – von der Regierung die Auflage bekommen, alle Mitarbeiter zweimal die Woche auf das Coronavirus zu testen – und idealerweise die Bewohner einmal wöchentlich ebenso. "Das sind schon mal rund 300 Testungen pro Woche bei uns", sagt Bernhard.


Die Situation im Landkreis spitzt sich langsam zu


Auch im Caritas-Altenheim St. Walburg in Weißenburg arbeiten mehr als 75 Angestellte, im Altenheim St. Andreas ebenfalls an die 100. Wenn man davon ausgeht, dass ein Schnelltest etwa 15 Minuten dauert, kann man sich ausrechnen, welchen Arbeitsaufwand die Alten- und Pflegeheime betreiben müssen. Und das in einer Branche, die ohnehin schon seit Jahren unter Personalmangel leidet.

"Wir versuchen alles"

"Wir versuchen alles, was zeitlich irgendwie möglich ist", erklärt Christian Bernhard. Einige Mitarbeiter wurden geschult, um die Tests durchzuführen; auch er selbst hat schon mitgeholfen. Doch es ist der Faktor Zeit, der immer wieder die Grenzen aufzeigt. Eine Stunde am Tag kann man für den ein oder anderen Mitarbeiter freischaufeln und dann immerhin punktuell testen – mehr geht nicht. Mehrere Hilfsorganisationen haben die Heime schon um Hilfe gebeten, doch sowohl beim BRK als auch bei den Johannitern selbst sind die personellen Kapazitäten erschöpft, berichtet Bernhard.

Noch nicht miteingerechnet sind die Tests, die theoretisch nun auch an Besuchern durchgeführt werden müssten. Denn einen Zutritt zu den Altenheimen gibt es derzeit nur mit negativem Testergebnis und FFP2-
Schutzmaske – und beides hat der Besucher idealerweise schon dabei. Doch auch hier gibt es Probleme: Der PCR-Test darf – gerechnet vom Zeitpunkt der Abnahme – maximal drei Tage alt sein, der Antigen-Schnelltest maximal 48 Stunden. "Spätestens an den Weihnachtsfeiertagen kann das eng werden", befürchtet der Leiter des Ellinger Altenheims. Und er muss die Vorgaben durchsetzen. "Wir haben da überhaupt keinen Spielraum."

Ein Test in der Einrichtung geht nicht immer

Zwar können die Besucher auch direkt in den Einrichtungen getestet werden – aber nur, wenn es zeitlich gerade möglich ist. So weist etwa die Caritas darauf hin, dass die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner immer Vorrang hat. "Deshalb können Schnelltests bei Besuchern nur vorgenommen werden, wenn die Testung die personellen und organisatorischen Ressourcen der Einrichtung nicht überfordert", verkündet der Caritasverband der Diözese Eichstätt.


Warum stille Weihnachten sinnvoll sein kann


Immerhin: Materialknappheit herrscht derzeit nicht. In Ellingen und auch im Altenheim St. Andreas in Weißenburg konnte man ausreichend Schnelltests bei der Firma Modl in Pappenheim organisieren. Und auch auf den Kosten für die Tests bleiben die Einrichtungen nicht sitzen: Vom Gesundheitsamt wurde eine Rückvergütung zugesagt. "Zum Glück, denn das wären allein an Materialkosten über 7000 Euro im Monat", berichtet Bernhard.

Weihnachten fällt aus

Die Altenheime sind schon längst an der Grenze dessen, was sie personell leisten können. Für die Bewohner aber ist die Situation vor allem seelisch belastend. "Wir müssen ihnen erklären, dass es besser ist, wenn sie an Weihnachten nicht von ihren Familien abgeholt werden, sondern bei uns in der Einrichtung bleiben", sagt Kerstin Will, Leiterin des Caritas-Seniorenheims St. Walburg in Weißenburg. Die Außenkontakte sind eine große Gefährdung für die Wohngemeinschaften. Aber auch die Besuche im Heim sind aufgrund der oben beschriebenen Problematik erschwert. "Viele unserer Senioren verstehen das einfach nicht. Und vor allem Besuche von Kindern oder Tieren, was den Bewohnern viel Freude macht, fallen derzeit weg", berichtet Will.

Bitte um Unterstützung

Um den gesamten Bedarf an Corona-Schnelltests personell stemmen zu können, braucht es zusätzliche Kräfte. So könnten auch an den Weihnachtsfeiertagen Tests durchgeführt werden, um Familienbesuche zu ermöglichen.

Darum rufen die Altenheime St. Andreas in Weißenburg und St. Elisabeth in Ellingen die Bevölkerung zur Mithilfe auf: Personen mit medizinischen oder pflegerischen Vorkenntnissen werden gebeten, sich bei den Einrichtungen zu melden. Aber auch Studenten oder andere Freiwillige sind willkommen, die dann entsprechend im Umgang mit dem Antigen-Test geschult werden, heißt es vonseiten der beiden Heimleiter. "Mit Blick auf Weihnachten sehen wir ohne zusätzliche Unterstützung kaum Möglichkeiten für ein Treffen der Bewohner mit ihren Angehörigen."

MIRIAM ZÖLLICH

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Weißenburg, Ellingen