Altmühlfrankens Buchhandlungen: Orte der Meinungsfreiheit

5.5.2021, 13:33 Uhr
Orte der Meinungsfreiheit: Melena Renner, Mathias Meyer, Thomas Fischer und Bettina Balz (v. li.) wollen mit ihren Buchhandlungen dazu beitragen, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

Orte der Meinungsfreiheit: Melena Renner, Mathias Meyer, Thomas Fischer und Bettina Balz (v. li.) wollen mit ihren Buchhandlungen dazu beitragen, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen.

Der Börsenverein möchte mit der Aktionswoche auf die Buchhandlungen als Orte der Meinungsfreiheit hinweisen. Noch immer werden Buchhändlerinnen und Buchhändler, Verlegerinnen und Verleger, Autorinnen und Autoren in etlichen Ländern der Welt verfolgt – weil sie ihrer Arbeit nachgehen und von ihrem Recht auf Meinungs- und Publikationsfreiheit Gebrauch machen.

Pakistan, Weißrussland, China, Bangladesch, Myanmar, Ägypten oder Vietnam: Wer Bücher schreibt, verlegt oder verkauft, die dort von staatlicher Seite nicht erwünscht sind, muss mit Beschlagnahmung, Verhaftung, Anschlägen oder Strafverfahren rechnen.

Unter dem Motto "Gemeinsam für Demokratie, Debatte und Toleranz" unterstützen auch die beiden Gunzenhausener Buchhandlungen Fischer und am Färberturm sowie die Weißenburger Geschäfte Meyer und Stoll die Aktionswoche. "Corona-bedingt müssen wir leider auf konkrete Aktionen zu dieser Woche verzichten", bedauert Bettina Balz von der Buchhandlung Stoll in Weißenburg.

Das ist insofern bedauerlich, weil nach den Erfahrungen der örtlichen Buchhändler vor allem die Veranstaltungen und Lesungen zu Austausch und Diskussion anregen. "Gerade bei Lesungen von Autoren aus anderen Kulturkreisen merkt man, wie heftig und interessiert da oft debattiert wird", berichtet Mathias Meyer. "Und das ist irre wichtig."

Jede Menge Bücher zum Thema

Um die wichtige Aktionswoche dennoch in den Fokus zu rücken, bieten die vier im Börsenverein organisierten Buchhandlungen in Weißenburg und Gunzenhausen jedoch allen interessierten Lesern und Kunden Schaufenster und Büchertische an, auf denen sich eine Auswahl aktueller Buchtitel findet. Die Publikationen behandeln Meinungsfreiheit, Meinungsbildung, Hass, Fake News und Debattenkultur.

Da ist viel auf den Markt gekommen in letzter Zeit, haben die Buchhändler beobachtet. "Das ist ein großes Thema, natürlich durch Corona, aber natürlich auch durch die vergangenen US-Wahlen und Trump", hat Melena Renner von der Buchhandlung am Färberturm in Gunzenhausen beobachtet.

"Not und Gebot – Grundrechte in Quarantäne" vom ehemaligen Chefredakteur Heribert Prantl ist ebenso auf den Büchertischen zu finden wie etwa "Der innere Stammtisch – ein politisches Tagebuch" von Literaturkritiker Ijoma Mangold. Für Melena Renner sind solche Bücher vor allem in der heutigen Zeit ein wichtiger Baustein im Meinungsbildungsprozess. "Hier hat sich jemand länger hingesetzt, sich intensiv mit einem Thema beschäftigt und recherchiert. Mit Büchern kann man den schnellen Online-Posts, die die Welt nur in Schwarz-Weiß zeichnen, etwas entgegensetzen."

Miteinander sprechen

Das gelte nicht erst seit Corona, ergänzt Bettina Balz. Aber seit der Pandemie habe sich das Thema Meinungsfreiheit natürlich noch verschärft. Verschwörungsmythen greifen um sich und der Ton wird rauer. "Man muss immer wachsam und sensibilisiert sein", sagt Balz. Und vor allem: miteinander sprechen.

Denn nicht nur die Bücher sind es, die den Dialog anstoßen, sondern auch der persönliche Kontakt. Darum sei es auch wichtig, sind sich Balz und ihre Kollegen einig, dass Buchhandlungen auch in der Pandemie als "geistige Tankstellen" weiterhin inzidenzunabhängig geöffnet haben.

"Die Kunst des Miteinander-Redens ist kein Luxusprojekt, sondern Überlebensthema, eine Jahrhundertaufgabe", zitiert Thomas Fischer vom Klappentext eines Buchs. Das Statement unterschreibt der Gunzenhausener Buchhändler voll und ganz. "Demokratie braucht den Streit. Und den Kompromiss." Immer wieder diskutiert er mit Kundinnen und Kunden über aktuelle Themen, nicht erst seit Corona.

Buchhandlungen sind ein Ort für solche Gespräche, auch wenn man nicht einer Meinung ist. "Natürlich bestellen Kunden auch mal ein Buch, das ich nicht in die Auslage legen würde", sagt Fischer. Aber das sei ihm lieber, als wenn der Kunde das Werk im Internet bestellt – das passiert dann nämlich ohne die Chance auf ein Gespräch oder eine Diskussion.


Die Woche der Meinungsfreiheit geht noch bis zum Montag, 10. Mai. Weitere Informationen zur Aktion unter www.woche-der-meinungsfreiheit.de.

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