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Donnerstag, 04.06.2020

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Altmühlfränkische Gastronomen hoffen auf Lockerungen

Die Gastwirte im Weißenburger Laversuchen, sich mit "To-go"-Service über Wasser zu halten - 22.04.2020 14:22 Uhr

Die Tür der Traditionsgaststätte „Goldener Stern“ in Weißenburg steht offen. Die Gäste dürfen derzeit aber nur ihr vorbestelltes Essen dort abholen und sorgen damit wenigstens für etwas Umsatz bei den Gastwirten. © Foto: Markus Steiner


Zu groß sei dort das Infektionsrisiko, lautet die Einschätzung der Bayerischen Staatsregierung, weil Abstandsregelungen im Gastgewerbe schlicht nicht möglich seien. Berta Jäger, die Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands und Inhaberin des Landgasthauses "Jägerhof" in Absberg, sieht das – wie viele ihrer Kollegen und Kolleginnen – etwas anders.

Die Verbandschefin findet, dass die Hotel- und Gaststättenbetriebe sehr wohl den Mindestabstand und die Hygienevorschriften einhalten könnten. So ließe es sich etwa einrichten, dass im Biergarten oder im Restaurant pro Tisch immer nur eine zusammengehörige Gruppe, etwa eine Familie, sitzt. Und gerade rund um den Großen Brombachsee sollte man für die Außengastronomie Lockerungen zulassen, findet Jäger, die aber auch eine Maxime hat: "Die Gesundheit unserer Gäste und unserer Mitarbeiter ist das Wichtigste." Deshalb ist die Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands auch für eine langsame Lockerung der Einschränkungen. Man müsse stets sehen, wie sich die Corona-Fallzahlen analog zu den Lockerungen verhalten. Jäger weiß, dass längst nicht alle Gastwirte soviel Geduld haben wie sie. Auch, weil es bei vielen finanziell bereits jetzt "äußerst schlecht" aussehe. Nach der ohnehin ruhigen Zeit, die in der Region bis einschließlich März vorherrscht, hat die Pandemie auch noch das Ostergeschäft kaputt gemacht: "Das tut mir richtig im Herzen weh."

Musste nach wenigen Wochen schon wieder zusperren: Luisa Haydn von „Lu & Lorenz“ in Weißenburg. © Foto: Markus Steiner


Versuche, das wegbrechende Geschäft mit Hol- und Lieferdiensten auszugleichen, seien nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein, sagt Berta Jäger, die schätzt, dass derartige Angebote lediglich zehn bis maximal 20 Prozent des regulären Umsatzes einbringen können.

Hubert Aiwangers Vorschläge für einen "Einstieg in den Ausstieg", der ab der zweiten Maihälfte beginnen könnte, hält Jäger für sinnvoll. Der Wirtschaftsminister plädierte für einen Zwei-Meter-Abstand zwischen den Gästen, Masken fürs Personal und verschärfte Hygiene- und Zugangsregeln. Am schwierigsten, glaubt Jäger, sei es aber, das Essen zum Gast zu bringen: "Da wird das mit dem geforderten Abstand schwierig."

Denkbar sei daher eventuell das Einrichten einer Theke, von der sich der Gast dann selbst das bestellte Essen holt. Aber auch hier wartet Jäger noch auf genauere Vorgaben und Vorschläge ihres Verbandes, der in seinem "Rettungspaket für das Gastgewerbe" unter anderem einen reduzierten Umsatzsteuersatz von sieben Prozent nach dem Ende des Shutdowns fordert, um mehr Rendite erwirtschaften zu können.

 

Leben ohne Einkommen

 

Luisa Haydn hätte sich ihren Start ins Berufsleben auch anders vorgestellt. Die Jungunternehmerin hat erst am 1. Februar ihr eigenes Lokal "Lu & Lorenz" in der Luitpoldstraße aufgesperrt und sich nach ihrem Studium richtig auf ihr liebevoll eingerichtetes Bistro-Café gefreut, dass sie dann nach sechs Wochen von wieder zusperren musste. Seit dem 17. März muss Luisa Haydn ohne Einkommen über die Runden kommen und lebt derzeit von ihren Ersparnissen. Gut, dass sie außer ein paar Service-Kräften, die auf 450-Euro-Basis arbeiten, keine weiteren Angestellten hat und deshalb nur für sich selbst sorgen muss. Eine reduzierte Pacht für ihr Lokal und ihre Miete für die Wohnung muss sie natürlich dennoch zahlen.

Doch optimistisch, wie die junge Frau ist, versucht sie selbst der Krise etwas Positives abzugewinnen: "Ich versuche, die Zeit zu nutzen für neue Ideen und neue Energie, damit ich dann nach dem Shutdown sofort wieder durchstarten kann." Ob sie auf staatliche Unterstützung hoffen kann, weiß sie noch nicht. Den Antrag auf Soforthilfe bei der Regierung hat sie gestellt, der Bescheid steht indes noch aus.

Rosemarie Klarwasser, seit 31 Jahren die Chefin der Traditionsgasstätte "Zum Goldenen Stern" in Weißenburg, übt sich ebenfalls in Optimisus: "Wir hoffen, dass wir wenigstens Pfingsten wieder aufmachen dürfen." Bis dahin bietet sie allen ihren treuen Gästen Essen zum Mitnehmen an. Bislang nur von Donnerstag bis Sonntag. Ab kommenden Montag dann sogar täglich. Besonders gut gehen auch hier Schäufele und Rouladen – die Gerichte, die auch sonst in der Gaststätte am beliebtesten sind. Dank guter Rücklagen wird sie vermutlich trotz Corona ganz gut über die Runden kommen. Leid tun ihr die Kollegen, die erst gerade in ihre Selbstständigkeit gestartet sind.

Wie zum Beispiel Thomas Leinberger, Inhaber des "Kastanienhofs" in Pleinfeld, der sein Gasthaus erst im vergangenen Frühjahr eröffnet hat und heuer auf eine gute Saison mit Urlaubern, Hochzeiten und Geburtstagsfeiern gehofft hatte. Leinbergers "Kastanienhof", in dessen Umbau und Erweiterung er insgesamt gut zwei Millionen Euro investiert hat, wäre schon jetzt bis zum Ende des Jahres zu 85 Prozent ausgebucht gewesen.

Der Gastronom und seine mittlerweile 13 Mitarbeiter hatten sich auf jede Menge Kommunionen, Konfirmationen, Hochzeiten und Geburtstagsfeiern eingestellt. Dann durchkreuzte Corona die Pläne und der Gastronom versucht, das Beste aus der Situation zu machen und bietet eine reichhaltige "To-go"-Speisekarte an, auf der sich ebenfalls "Fränkisches Schäufele" samt Kartoffelknödel und Bratenjus oder der beliebte Zwiebelrostbraten finden. Von der positiven Resonanz seiner Kunden sei er völlig überrascht: "Unsere Stammkunden nehmen das Angebot sehr gut an. Die Pleinfelder sind super, dafür bin ich sehr dankbar."

Nur 15 bis 20 Prozent des Umsatzes

Der Inhaber des "Kastanienhofs" schätzt, dass er mit dem "To-go"-Geschäft zwischen 15 bis 20 Prozent des regulären Umsatzes erwirtschaften kann. Mehr aber auch nicht. Von einer Restaurantöffnung unter massiven Auflagen hält der passionierte Gastwirt dennoch nicht viel: "Ich möchte als Gast mein Gericht nicht von einer Bedienung mit Mundschutz serviert bekommen." Schließlich besuche man eine Gaststätte ja vor allem auch deshalb, weil man sich dort als Gast wohlfühlen wolle. Mundschutz, Handdesinfekion und Co. verbreiten für Leinberger dagegen eher ein Ambiente wie in einem OP-Saal. "Wir müssen einfach noch abwarten und geduldig sein", sagt der Kastanienhof-Wirt und versucht, die Saison 2020 mit Humor zu nehmen: "Ich bin noch relativ jung und kann ja noch lange abzahlen."

MARKUS STEINER

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