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Montag, 24.06.2019

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Altmühltaler: Verhärtete Fronten im Wasserstreit

Die Positionen der Städte Weißenburg und Treuchtlingen bleiben unvereinbar - 23.05.2019 05:31 Uhr

Nebeneinander und gegeneinander: Weißenburgs OB Jürgen Schröppel und Treuchtlingens Bürgermeister Werner Baum hatten sich bei der Informationsveranstaltufn im Landratsamt nicht viel zu sagen. © Foto: Robert Renner


Bei der hat das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Ansbach sein Fachgutachten erläutert, und das Landratsamt stellte den Verfahrensablauf dar. Hernach hatten alle Verfahrensbeteiligten die Möglichkeit, Nachfragen an die Behördenvertreter zu richten. 

Weißenburgs Oberbürgermeister Jürgen Schröppel und Treuchtlingens Rathauschef Werner Baum nutzten die Gelegenheit auch zu politischen Stellungnahmen. "Es ist beinahe wie bei Gericht. Jede Partei hält am Ende ihr Plädoyer. Ich bin nur froh, dass ich kein Urteil sprechen muss", meinte Landrat Gerhard Wägemann, und mancher im Saal dachte sich wohl das Gleiche.

Für einen beständigen Informationsaustausch: Roland Rösler vom WWA. © Foto: Robert Renner


Das Wasserwirtschaftsamt hatte zuvor sein Gutachten zum Antrag auf zusätzliche Entnahme von Grundwasser durch die Stadtwerke Treuchtlingen erläutert. Die ausführliche Darstellung lässt sich wohl so zusammenfassen: Das Tiefgrundwasserreservoir ist unbedingt zu schützen. Die neue Modellrechnung ergibt, dass sich der Grundwasserspiegel in den nächsten Jahren einpendeln und dann bis zum Jahr 2500 in etwa konstant bleiben wird.

Auswirkungen der Entnahme von bis zu 300.000 Kubikmetern Tiefenwasser lassen sich erst durch den beantragten Probebetrieb erkennen. Im Fall von sinkenden Pegeln oder Qualitätsverschlechterungen beim Wasser wird seitens des WWA sofort eingeschritten.

Langfristige Nutzung absehbar?

Weißenburgs Oberbürgermeister Jürgen Schröppel ist überzeugt, dass der Probebetrieb in eine langfristige Nutzung durch die Firma Altmühltaler Mineralbrunnen übergehen soll. Dabei sei der Bedarf des Unternehmens nicht nachgewiesen.

Er sieht sich durch die Erläuterungen der WWA-Vertreter in seiner Position bestätigt, dass mit der zusätzlichen Entnahme das Risiko sinkender Tiefenwasserstände einhergeht. Der OB: "Und ein Risiko schaltet man am besten dadurch aus, dass man es erst gar nicht eingeht." Im Übrigen gehe es nicht darum, ob jemand und wer falsch oder richtig gehandelt habe, sondern darum, ob die Wasserentnahme rechtlich in Ordnung ist oder nicht.

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Treuchtlingens Bürgermeister Werner Baum hatte zuvor festgestellt, die Ausführungen der WWA-Leute hätten ihn darin bestärkt, dass er sich keine Fehler unterstellen lassen muss. Er verwies einmal mehr darauf, dass das Tiefenwasser durch Altmühltaler zu 100 Prozent als Lebensmittel genutzt und nicht als Brauchwasser vergeudet wird. Gleichzeitig unterstrich er, dass sowohl den Stadtwerken Treuchtlingen, als auch der Firma Altmühltaler klar sei, dass kein Anspruch auf eine dauerhafte Wasserentnahme besteht.

Große Chance für die Stadtmitte

Gleichwohl hat er die große Hoffnung, dass der für die Treuchtlinger Innenstadt belastende Betrieb von Altmühltaler ausgesiedelt werden kann. Schließlich rollten deshalb 240 Sattelzüge pro Tag an der größten Schule des Landkreises vorbei und über den zentralen Rathausplatz, was Feinstaub- und CO2-Belastungen nach sich ziehe. Dies alles würde dann "der Vergangenheit angehören".

Daher appellierte Baum an alle Verfahrensbeteiligten, den Probebetrieb zuzulassen, schob aber in Richtung des neben ihm sitzenden OB Schröppel nach: "An die Stadt Weißenburg muss ich nicht mehr appellieren, die will unbedingt aus allen juristischen Rohren dagegen schießen."

Abschließend wies er darauf hin, dass durch den siebenjährigen Probebetrieb "1,4 Millionen Kubikmeter Tiefenwasser aus diesem riesigen Stock entnommen werden". Durch die übrigen Nutzer würden alleine in einem Jahr 8,1 Millionen Kubikmeter aus dem überdeckten Sandsteinkeuper gefördert.

Ettenstatts Bürgermeister Willi Maderholz hatte zuvor angeregt, alle Verfahrensbeteiligten während des Probebetriebes regelmäßig zu informieren und dabei auf sich abzeichnende Veränderungen hinzuweisen. Es könne schließlich nicht sein, dass ein benachbarter Wasserversorger durch eine eventuelle, in der Tiefenwasserentnahme begründete Wasserqualitätsverschlechterung Kosten für eine Wasseraufbereitung tragen müsse.

Transparenten Austausch angemahnt

WWA-Abteilungsleiter Roland Rösler sprach sich "im Sinne der Transparenz" ebenfalls für einen jährlichen Informationsaustausch aus. Den begrüßt auch Werner Baum.

Nennslingens Bürgermeister Günter Obermeyer wollte wissen, ob eine Klage gegen eine eventuelle Genehmigung des Probebetriebs aufschiebende Wirkung hat, oder ob die Genehmigung mit Sofortvollzug erteilt wird. Denn ein Klageverfahren könne sich über Jahre hinziehen, in denen dann der Probebetrieb nicht anlaufen könne. Dies sei so, war der allgemeine Tenor, Bürgermeister Baum merkte dennoch an: "Die Stadtwerke Treuchtlingen hätten natürlich ein Interesse am Sofortvollzug."

Landrat Gerhard Wägemann versicherte abschließend noch einmal, so wie er und Abteilungsleiter Marius Mauerer es während der Informationsveranstaltung schon mehrfach getan hatten, dass das Verfahren im Landratsamt mit aller Sorgfalt abgewickelt wird. Die Kreisverwaltung werde sich dazu auch mit der Regierung von Mittelfranken und dem zuständigen Ministerium abstimmen, um den Bescheid so zu erstellen, dass er juristischen Überprüfungen Stand hält. Wichtig war dem Landrat vor allem aber auch: "Der Ausgang des Verfahrens ist selbstverständlich offen." 

ROBERT RENNER

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