Sonntag, 11.04.2021

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Architektur-Wettbewerb für Neulinger Areal entschieden

Die offene Bebauung gefiel der Jury am besten - 05.06.2017 07:00 Uhr

So soll das neue Neulinger Areal aussehen

02.06.2017 © Architektur-Wettbewerb


Das Büro Löhle-Neubauer ist in Weißenburg bereits vom Bau des Empfangsgebäudes an den Römischen Thermen bekannt. Es wird als Sieger des Wettbewerbs beauftragt, für das Neulinger-Gelände einen städtebaulichen Masterplan auszuarbeiten. Das ist quasi die Vorstufe zu einem Bebauungsplan, erläuterte Oberbürgermeis­ter Jürgen Schröppel bei einem Pressegespräch.

Jetzt müssen die Planungen weiter vorangetrieben werden, sagte Kießling gegenüber unserer Zeitung. Der Bauherr gehörte der Wettbewerbsjury an und will den Siegerentwurf auch weitgehend umsetzen. Er ist aber nicht verpflichtet, die Vorschläge des Augsburger Büros eins zu eins zu übernehmen. Gebunden ist er an die Vorgaben des Masterplans, der die wesentlichen Aspekte des Entwurfs natürlich beinhalten wird, ergänzte Weißenburgs Rechtsamtsleiter Heiko Stefke. Im Masterplan werden Baumassen, Geschosszahlen, Dachform, Lage der Baukörper und ähnliche Punkte festgeschrieben.

Beim Neulinger-Areal handelt es sich um ein städtebauliches Filetstück, das aufgrund der einzigartigen Lage am östlichen Eingang zur Altstadt so­wie in unmittelbarer Nähe zum Stichvillenpark und der Seeweiheranlage einer sensible Bebauung bedarf. Und die sieht eine deutliche Mehrheit des Preisgerichts bei dem Entwurf von Löhle-Neubauer gegeben.

Neben der sogenannten Raabvilla an der Eichstätter Straße und der ehemaligen Metzgerei an der Einmündung des Seilergäßchens sieht die Planung vor, auch das ehemalige Gefolgschaftshaus unmittelbar an der sogenannten Schiffkreuzung zu erhalten. So entstehe „ein maßstäblicher und bruchloser Übergang der neuen Strukturen zur Bebauung“ der Altstadt, heißt es in der Beurteilung des Preisgerichts.

Entlang des Seilergäßchens sollen zwei lang gestreckte Gebäude entstehen, die nicht mehr die maximale Höhe des derzeitigen Autohauses erreichen. So wird „ein Spiegelbild zur gegenüberliegenden Stadtmauerpartie“ geschaffen, zitierte OB Schröppel ein Jurymitglied.

Urbaner Platz entsteht

Zwischen dem ehemaligen Gefolgschaftshaus und der Raabvilla soll entlang der Eichstätter Straße ein großer Baukörper hochgezogen werden, der den Innenbereich des Areals abschirmen und so einen Platzcharakter entstehen lassen soll. Ergänzt wird die aufgefächerte Bebauung durch zwei villenartige Gebäude und in der Mitte durch einen weiteren lang gestreckten Bau. Zwischen den Gebäuden findet sich viel Grün: „Wie selbstverständlich diffundiert die Parklandschaft durch diese Freiräume, lockert sich nach Norden auf und mündet in einem maßstäblichen und gut nutzbaren urbanen Platz“, heißt es in der Würdigung der Jury.

In Sachen Gebäudenutzung ist „al­les drin, was der Bauherr vorgab“, sagte Schröppel. Die Wettbewerbsunterlagen gaben einen „Bäckereiverkaufsladen mit Café-/Gastronomie­betrieb im Erdgeschoss“ und Außengastronomie zum Seeweiher hin, ein Physiotherapiezentrum, ein Versicherungsmaklerbüro, eine Rechtsanwaltskanzlei, eine Praxis für Arzt oder Heilpraktiker, weitere Büroflächen und hochwertige Wohnungen in Größen von 50 bis 95 Quadratmetern beziehungsweise 110 bis 150 Quadratmetern für Penthousewohnungen vor.

Im Trakt an der Eichstätter Straße könnten nach dem Plan von Löhle-Neubauer vorwiegend gewerbliche Einheiten untergebracht werden. „Im Erdgeschoss der Baukörper am Stadtgraben werden das Versicherungsbüro und – genau an der richtigen, nämlich südlichsten Stelle – das Café mit frei­em Blick auf Weiher und Altstadt vorgeschlagen“, schreibt die Jury. Alle weiteren Flächen der zwei- und dreigeschossigen Häuser sind fürs Wohnen gedacht. „Das werden allesamt hochwertige Wohnungen“, stellte Kießling fest.

Kritisch diskutiert wurden an dem Entwurf die geringe Zahl an oberirdischen Parkplätzen und die Satteldächer, Letztere im Hinblick auf die gewünschten Penthousewohnungen. Hier habe das Büro Löhle-Neubauer aber auch aufgezeigt, wie vergleichbare oder sogar hochwertigere Lösungen geschaffen werden können, erläuterte Ulrich Heiß vom Stadtbauamt, der den Wettbewerb seitens der Stadt betreute.
Die Stadt hatte zu dem Wettbewerb „lokale Büros genauso wie überörtliche und junge genauso wie arrivierte“,  sagte der OB. Elf Planer reichten Arbeiten ein. Diese waren anonymisiert und blieben dies bis zum Wettbe­werbsende. Damit waren weder bei der Vorprüfung im Bauamt, bei der „objektive Kennwerte“ (Stefke) kontrolliert wurden, noch für die Jury die Autoren erkennbar.

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Die Jury bestand aus den Fachpreisrichtern Friedrich Bär (Architekt, Nürnberg), Peter Brückner (Architekt, Tirschenreuth), Martina Dietrich (Stadtplanerin/Regierungsbaumeis­terin, Amberg), Professor Florian Fischer (Architekt/Stadtplaner, München), Michael Gebhard (Architekt/
Stadtplaner, München), Professorin Nadja Letzel (Architektin/Stadtplanerin, Nürnberg), Eberhard Pickel (Baudirektor, Regierung von Mittelfranken), Professor Ludwig Schegk (Landschaftsarchitekt/Stadtplaner (Haimhausen) und Petra Zeese (Architek- tin/Stadtplanerin, Stuttgart).

Als Sachpreisrichter fungierten OB Jürgen Schröppel, Bauherr Stefan Kießling sowie die Stadträte Andre Bengel, Martin Britz, Klaus Drotziger, Wolfgang Hauber, Maximilian Hetzner und Alexander Kohler. Britz war kurzfristig in das Preisgericht gewählt worden, weil Erkan Dinar nicht erschienen war.

Vorgegebenes Verfahren

Die Jury beschäftigte sich einen Tag lang in einem von der Architektenkammer vorgegebenen Verfahren mit den eingereichten Arbeiten. Am Ende votierte sie mit 13:4 Stimmen für den (immer noch anonymisierten) Entwurf von Löhle-Neubauer als ersten Preis. Das Augsburger Büro erhält ein Preisgeld von 11500 Euro.

Unter den Befürwortern des Preisträgers war auch Bauherr Kießling, der den Wettbewerb insgesamt als „gute Sache“ bezeichnete und sich dabei „von den Fachleuten gut beraten“ fühlte. Das gleiche Stimmenverhältnis gab es beim zweiten Platz, der an das Büro Daniel Schönle Architektur und Stadtplanung aus Stuttgart ging (Preisgeld 7000 Euro).

Anerkennungen (Preisgeld je 1500 Euro) gab es für STM Architekten aus Nürnberg sowie Leupold Brown Goldbach Architekten aus München. Letztere hatten übrigens eine Verlängerung des Seeweihers in Richtung Norden vorgeschlagen, um unterhalb der früheren Metzgerei eine Verweilzone mit Sonnendeck am Wasser zu schaffen.

ROBERT RENNER

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