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Montag, 21.10.2019

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Aus dem Alesheimer Bank- wird ein Bürgerhaus

Die Gemeinde Alesheim hat das Raiba-Gebäude gekauft und macht sich nun schnellstmöglich an den Umbau - 17.09.2019 05:47 Uhr

Lebensmittel statt Bankgeschäfte: Die Gemeinde hat das einstige Raiba-Gebäude gekauft und will es zu einem Bürgerhaus mit Dorfladen und Gemeinschaftsraum umgestalten. Im ersten Halbjahr 2020 soll Eröffnung sein. © Foto: Jürgen Leykamm


Bei der sehr gut besuchten Bürgerversammlung im Gasthaus "Conrad" schilderte Bürgermeister Manfred Schuster den Stand der Planungen. Im Erdgeschoss soll der Dorfladen einziehen, für den Bürgertreff ist das Obergeschoss vorgesehen. So zumindest die generelle Marschroute. Ebenerdig könnte aber ebenso eine Bäckerei eine Verkaufsstelle betreiben und ihrerseits für ein regionales Angebot sorgen. Eine Anfrage seitens der Kommune gibt es bereits, eine Zusage steht noch aus.

Ziel sei es, Produkte des täglichen Bedarfs vorhalten zu können, wenngleich hier aber wohl auch "kein Vollsortimenter einziehen wird", warnte Bürgermeister Schuster vor zu hohen Erwartungen. Sowohl die einheimische Bevölkerung wie Durchreisende könnten von dieser neuen Einrichtung profitieren. Allerdings "wird ein kostendeckender, wirtschaftlicher Betrieb vermutlich schwierig", ehrenamtliche Unterstützung sei nötig. Findet sich kein entsprechender Partner, könne ein solcher Laden auch gänzlich über einen Förderverein betrieben werden.

Der Einbau einer öffentlichen Toilette ist ebenso bereits angedacht. Im ersten Stock sei die Errichtung eines Bürgersprechzimmers möglich ebenso wie ein Sitzungs- und Veranstaltungsraum.

Noch hat das Projekt keinen Namen. "Mittendrin" oder "Bürgerhaus" heißen laut Schuster zwei der Vorschläge. Im Winterhalbjahr stehen die notwendigen Umbauarbeiten an, schon in der ersten Jahreshälfte 2020 hofft man, Eröffnung feiern zu können. Das aber sei "eine optimistische Zeitplanung", räumte der Bürgermeister ein.

Aus Trommetsheim seien derzeit auch Einwände zu hören, weil mit der dortigen ehemaligen Raiba-Filiale anders verfahren worden war. Doch zum einen sei die Verkehrslage jener in Alesheim ungleich besser und zum anderen gäbe es nun optimale Förderung – die Quote liegt bei 75 Prozent, gab Schuster zu bedenken.

Die Zukunft des alten Schulhauses in Alesheim steht ebenso weiter zur Diskussion. Sanierung, Abriss ohne oder mit Neubau heißen die Varianten. Entscheidet man sich für eine Gebäudelösung, könnte hier im Erdgeschoss beispielsweise eine Tagesbetreuung für Senioren eingerichtet werden, Nutzung durch einen Dienstleister wie etwa einen Masseur ist laut Schuster ebenso denkbar. In den oberen Etagen böte sich die Errichtung von Wohneinheiten an. Mit bis zu einer Million Euro an Investitionssumme wird gerechnet, allerdings stehen hier gleichfalls hohe Fördersummen in Aussicht.

Sorgen bereitet der Kommune nach wie vor die Situation bezüglich der Kindergärten. So bleibt die Einrichtung in Alesheim weiterhin aufgrund Personalmangels geschlossen (wir berichteten). Die Betreuung der 26 Buben und Mädchen findet ausschließlich in Trommetsheim statt. Derzeit arbeiteten die Kirchenvorstände und der Gemeinderat "an einer zukunftsfähigen Lösung", so der Bürgermeister. Seitens der Politik favorisiere man, den einen Standort für einen zweigruppigen Kindergarten auszubauen und den anderen zu schließen. Hier stünden Investitionen in Höhe von einer Dreiviertelmillion Euro ins Haus.

Was die Grundschule Alesheim betrifft, laufen derzeit die Vorbereitungen des Glasfaseranschlusses für das "digitale Klassenzimmer". Erschlossen wird derzeit das neue Baugebiet "Nähe Weimersheimer Straße" mit fünf Parzellen. Davon sei lediglich noch ein Grundstück frei, so Schuster, "Interessenten sollen sich umgehend melden!".

In Trommetsheim erfreue sich das Nahwärmenetz immer größerer Beliebtheit – seit letztem Jahr hätten hier zehn neue Anschlüsse verzeichnet werden können, weitere folgten, so Schuster. Ein ebensolches Netz sei zudem von privater Hand in Störzelbach in Vorbereitung.

Im Gemeindeteil Lengenfeld soll 2020 der Kernweg nach Markt Berolzheim ausgebaut werden. Für den eigenen Bauhof wurde ein neuer Schlepper samt Hänger angeschafft, die Straßenbeleuchtung ist nun im Gemeindegebiet fast komplett auf LED umgestellt. In naher Zukunft steht die Anschaffung eines neuen oder gebrauchten Tragkraftspritzen-Feuerwehrfahrzeugs mit Atemschutz und Wassermitführung an, das in Trommetsheim seine Heimat finden soll, da das Alesheimer Gerätehaus zu klein ist.

Die Ausrufung zur Biodiversitäts-Kommune sei zwar für die Gemeinde erfreulich, aber auch nicht unproblematisch. Wie des Langgras entsorgt werden soll, "ist bisher nicht geklärt".

Bei der kommenden Wahl im März werde sich die Zahl der Gemeinderatsmitglieder von zwölf auf acht verringern, was an der schrumpfenden Einwohnerzahl liege, die mittlerweile klar unter die 1000er-Marke gesunken ist. Er selber werde für eine dritte Amtszeit kandidieren, kündigte Manfred Schuster unter Beifall an.

Finanziell läuft es gut – die positive Entwicklung bei der Steuerkraft hält weiter an. Fast 77 500 Euro sollen vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt überführt werden. Allerdings ist im Gegenzug auch eine Rücklagenentnahme von über 300 000 Euro geplant. Denn der guten Entwicklung steht die Finanzierung von großen Projekten gegenüber. Allein die Abwasserentsorgung erfordert in den kommenden Jahren einen Investitionsbedarf von mindestens dreieinhalb Millionen Euro. 1,7 davon sind voraussichtlich als Eigenanteil zu stemmen.

JÜRGEN LEYKAMM

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