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Samstag, 20.07.2019

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Bahnbrücke Pappenheim: 1000 Tonnen Beton werden verschoben

In 100 Stunden tauscht man in Niederpappenheim die alte gegen eine neue Brücke. - 28.06.2019 15:36 Uhr

Rund 1000 Tonnen wiegt die neue Unterführung, die auf Teflonplatten und mit hydraulischen Zylindern gut 15 Meter in den künftigen Bahndamm geschoben wird. © Foto: Rainer Heubeck


Seit am Mittwochabend die Bahnstrecke zwischen Treuchtlingen und Solnhofen gesperrt wurde, sind Sonderschichten angesagt für die Baufirma Markgraf und deren Arbeiter. Da hieß es dann im schnellstmöglichem Tempo die Eisenbahnschienen nebst Schwellen abzubauen, den Bahndamm abzubaggern und das Fundament für die neue Unterführung zu schaffen. Zeitweise waren drei Baggerdamit beschäftigt, den mächtigen Bahndamm abzutragen – und die Lastwagen im Dauereinsatz, um mehreren Hundert Kubikmeter Erde und Steinmaterial wegzukarren und zwischenzulagern. Gearbeitet wurde im Licht mächtiger Scheinwerfermasten nahezu die ganze Nacht hindurch. Am Donnerstag und am gestrigen Freitag sah es an der Unterführung dann so aus, als hätte ein Riese ein Stück aus dem Bahndamm herausgebissen.

Hinter der mächtigen Lücke im Bahndamm stand bis gestern ein wuchtiger Betonklotz auf einer Hebeanlage. Es ist die neue Unterführung, die in den vergangenen Wochen neben dem Bahndamm eingeschalt und betoniert worden ist. In der Nacht zum heutigen Samstag wurde sie dann auf Teflonplatten und mittels riesiger Hydraulikstempel an ihren genau vorberechneten Platz geschoben – Zentimeter für Zentimeter ging es für den rund 1000 Tonnen schwere Koloss an den rund 15 Meter entfernten endgültigen Standort.

Heute und morgen sollen dann der Bahndamm aufgefüllt und die Gleise wieder verlegt werden, denn die Uhr tickt: Um 4.45 Uhr soll der erste Zug über die neue verbreiterte Brücke rollen. Seit Ende April ist die bisherige und nur einspurige Unterführung gesperrt, was für die in Niederpappenheim ansässigen Firmen sowie die Bürger aus Niederpappenheim und Übermatzhofen erhebliche Umwege bedeutet – und das noch bis November 2020.

Denn nach dem Einbau der breiteren Unterführung muss eine große Grundwasserwanne betoniert werden, damit die Unterführung bei einem Starkregen nicht absäuft und das Oberflächenwasser, das aus dem gesamten Langenaltheimer Tal kommt, über einen Kanal in die Altmühl geleitet werden kann. Deswegen wurden die bestehenden Kanäle und Versorgungsleitungen in den vergangenen Wochen verlegt. Erst nach der Grundwasserwanne kann dann die Straße neu gemacht werden – im Zeitplan steht dieser letzte Bauabschnitt ab November dieses Jahres – je nach Witterung. Spätestens im Herbst 2020 sollen Lkw mit bis zu 4,50 Metern Höhe passieren können – nebeneinander.

Für 8,5 Millionen Euro wird derzeit die einspurige Bahnunterführung in Niederpappenheim verbreitert – mit einem komplett neuen Bauwerk neben der bisherigen Unterführung. Gestern Abend haben die Arbeiter damit begonnen, den Koloss an seinen künftigen Standort zu schieben. © Foto: Rainer Heubeck


Der Aufwand für die Beseitigung des bisherigen Nadelöhrs und die verbreiterte neue Bahnunterführung ist enorm – wie auch die Kosten: 8,5 Millionen Euro aus dem Säckel des Landkreises, der Deutschen Bahn und der Stadt Pappenheim werden in dem Bauwerk verschwinden.

Für die Niederpappenheimer und Übermatzhofener gibt es aktuell einen "Schleichweg", mit dem der zwölf Kilometer lange Umweg über die Bundesstraße 2 vermieden werden kann. Der Schotterweg von Zimmern nach Übermatzhofen durch das Steinbruchgebiet wurde ausgebessert und kann befahren werden, allerdings ist es dort mitunter sehr steil und eng. Wenig betroffen von der Baustelle sind die Fußgänger oder Radler. Sie können weiterhin die Bahnunterführung nutzen und auch die Gleise erreichen, wenn ab Montag wieder Züge statt Busse fahren. 

RAINER HEUBECK

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