21°

Sonntag, 12.07.2020

|

Bankenehe in Weißenburg-Gunzenhausen scheitert

Die Fusion der örtlichen Raiffeisenbanken mit Roth-Schwabach ist geplatzt. - 24.05.2020 15:27 Uhr

Die Fusion der Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen mit jener von Roth-Schwabach ist überraschend geplatzt. In einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben sie von „unterschiedlichen strategischen und vertrieblichen Ausrichtung". © Foto: Robert Renner


Noch vor rund einem Monat hatten sich die beiden hiesigen Vorstandsmitglieder Wilfried Wiedemann und Gerhard Meyer bei der Bilanzpressekonferenz ihres Hauses für 2019 mit Blick auf die bevorstehende Bankenehe zuversichtlich gezeigt. Wiedemann sah in der Fusion eine große Chance, eine starke regionale Bank zu formen und nannte erstmals den geplanten Namen für die neue Genossenschaftsbank: Raiffeisenbank Südfranken.

Er und Meyer hofften zu diesem Zeitpunkt noch, dass der Fusionsfahrplan trotz Corona-Krise bestand haben kann und vor allem die Termine für die entscheidenden Vertreterversammlungen am 23. Juni in Roth und am 25. Juni in Weißenburg gehalten werden können. Doch nun heißt es in der Pressemitteilung: "Die für 2020 angedachte Fusion der Raiffeisenbank Roth-Schwabach eG und Raiffeisenbank Weißenburg-Gunzenhausen eG wird im Moment nicht umgesetzt."

Im vergangenen September hatten beide Banken bekanntgegeben, dass sie fusionieren wollten. "Das Bestreben war ein Zusammenschluss zweier gleichberechtigter Partner zu einer starken Raiffeisenbank in zukunftsgerichteter Unternehmensgröße", heißt es in der aktuellen Pressemitteilung. Und weiter: "Das geplante Vorhaben hätte viele Vorteile für eine gemeinsame genossenschaftliche Ausrichtung gebracht – davon sind beide Banken nach wie vor fest überzeugt!"

Was die Pläne konkret platzen ließ, erklärt der Pressetext nicht. Nur so viel steht dort zu lesen: "In den letzten Tagen und Wochen hat sich in den Gesprächen und im Rahmen der gemeinsamen Projektarbeiten zur Zusammenführung beider Banken aber herauskristallisiert, dass beide Häuser doch eine unterschiedliche strategische und vertriebliche Ausrichtung verfolgen."

Vorstände und Aufsichtsräte der beiden Raiffeisenbanken hätten "daher nach gemeinsamer Überlegung übereinstimmend beschlossen, die geplante Fusion nicht weiterzuverfolgen und an dieser Stelle abzubrechen". Gleichzeitig bedauern sie, "das angestrebte Ziel nicht erreicht zu haben".

Die Vorstände und Aufsichtsräte danken besonders "allen Mitarbeitern für ihren Einsatz, die entgegengebrachte Offenheit und die gegenseitige Wertschätzung". Beide Banken hätten im vergangenen Jahr "ein überdurchschnittliches Ergebnis" erzielt und sich "sehr gut weiterentwickelt". Wirtschaftlich sähen sich beide Häuser "weiterhin in der Lage, auch ohne die Fusion, die Herausforderungen in der Finanzbranche und die Folgen der Corona-Krise zu meistern". Ziel sei "es auch künftig, in guter nachbarschaftlicher Verbindung zu bleiben".

Viele Konferenzen

An der Bankenehe war in den vergangenen Wochen trotz der Corona-Krise kräftig weiter gearbeitet worden. Die letzte Präsenzbesprechung habe es zwar bereits Anfang März gegeben, es sei aber "eine Vielzahl von Telefonkonferenzen" gefolgt, schilderte Vorstandsvorsitzender Wiedemann noch bei der Bilanzpressekonferenz Ende April und betonte dabei, dass die Vorbereitungen gut gelaufen seien.

Umso überraschender kommt jetzt das Aus für die Fusion, wenngleich Wiedemann seinerzeit schon die geplanten beiden Vertreterversammlungen als "die nächste Herausforderung" bezeichnet und dabei auf die 75-Prozent-Zustimmung, die jeweils für den Zusammenschluss nötig gewesen wäre, hingewiesen hatte.

Er sah in der Fusion auch ein Stück "Zukunftssicherung für die Region". Würde zu lange gewartet und die Raiba möglicherweise gar in Schieflage geraten, könnte ein starker Übernehmer von außen kommen, und es sei vorbei mit den regionalen Strukturen, warnte Wiedemann damals noch.

Die Rahmenbedingungen würden zugleich schwieriger werden, sagten er und Meyer. Personelle und organisatorische Herausforderungen ließen sich nach der Fusion "viel besser lösen". Arbeitsplätze würden sicherer, es entstünden qualifizierte Stellen und in der Führungsspitze könne für Kontinuität gesorgt werden.

Ein weiteres wichtiges Ziel wäre die Eigenkapitalstärkung gewesen, die auch von der Bankenaufsicht gefordert wird. Ende 2019 verfügte die Raiba Weißenburg-Gunzenhausen über 175 Millionen Euro an Eigenkapital.

Die Raiba Weißenburg-Gunzenhausen wäre als etwas größerer Partner in die Bankenehe gegangen. Sie hatte 2019 eine Bilanzsumme von 1,5 Milliarden Euro und 272 Mitarbeiter. Die Raiba Südfranken sollte rein rechnerisch eine Bilanzsumme von 2,6 Milliarden Euro haben und 480 Mitarbeiter beschäftigen. Das Geschäftsgebiet hätte ganz Altmühlfranken sowie etwa die Hälfte des Landkreises Roth und das Gebiet der Stadt Schwabach umfasst.

 

ROBERT RENNER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Weißenburg, Treuchtlingen