Donnerstag, 14.11.2019

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Barbara Stamm gratuliert der Lebenshilfe in Weißenburg

Den 50. Geburtstag mit einem Festakt im Kulturzentrum Karmeliterkirche begangen - 28.07.2019 07:00 Uhr

Der integrative Chor „StarkstRömer“ steuerte Lieder wie „Wir sind die Welt“ oder „Go West“ bei und bewies damit, dass Musik verbindet. © Foto: Markus Steiner


"Die Würde des Menschen ist unantastbar, das ist ein Auftrag an uns", sagte Stamm die seit nunmehr schon 18 Jahren die Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern ist und in ihrer charismatischen Rede gleich mehrmals Bezug nahm auf den Artikel 1 des Grundgesetzes. Für sie selbst sei das Amt der Vorsitzenden keine Bürde, betonte sie, sondern eine Selbstverständlichkeit: "Ich liebe meine Lebenshilfe."

Vermutlich mag das auch zum Teil daran liegen, dass Stamm häufiger auf Terminen zu Gast ist, die so ähnlich verlaufen wie die Geburtstagsveranstaltung in Weißenburg. Die war alles andere als steif, sondern zeigte, dass man es bei der Lebenshilfe ernst meint mit der Inklusion. Ganz so, wie es im Bundesteilhabegesetz vorgesehen ist, das Bayern Stamm zufolge jetzt auch umsetzen müsse: "So, dass es den Menschen zugute kommt und so, dass Inklusion stattfinden kann." Der ehemaligen Landtagspräsidentin zufolge gebe es alle Chancen mit dem Gesetz, man müsse bei der Umsetzung aber auch behutsam vorgehen. Stamm dankte allen, die in der Lebenshilfe ehren- oder hauptamtlich dafür Sorge tragen, dass das Recht auf Bildung, das jeder Mensch habe, auch umgesetzt werden könne. Allerdings könnte man aus ihrer Sicht die Arbeitsbedingungen noch verbessern.

Der Lebenshilfe Altmühlfranken gratulierte Stamm zu dem, was hier geschaffen wurde, und gab allen im vollbesetzten Saal der Karmeliterkirche folgende Botschaft mit auf den Weg: "Wir dürfen nicht immer fragen, was darf der Mensch kosten, sondern müssen fragen, was braucht der Mensch?" Denn dann könne man glücklich in einer Gesellschaft miteinander leben und näher zusammenrücken, gelebte Inklusion im besten Sinne also.

Die verschiedenen Gruppen bei der Lebenshilfe haben alle Vertreterinnen und Vertreter, die sich für die Belange und Rechte der Behinderten einsetzen. Die sogenannten Selbstvertreterräte stellten sich beim Festakt einzeln dem Publikum vor. © Foto: Markus Steiner


Vor Stamms Festrede hatten die Gäste ganz zu Beginn der Veranstaltung einen kleinen Film anschauen dürfen, den die Lebenshilfe gemeinsam mit Studenten der Technischen Hochschule Nürnberg produziert hat und der zum einen die geschichtliche Entwicklung der Lebenshilfe und zum anderen die verschiedenen Einrichtungen zeigt, wie zum Beispiel die integrative Kinderkrippe, die Frühförderstätte, die Schulvorbereitende Einrichtung (SVE), die Römerbrunnenschule, die Werkstatt für Behinderte oder das Inklusionscafé im Weißenburger Bahnhof, auf das auch Oberbürgermeister Jürgen Schröppel ganz besonders stolz ist, wie er in seinem Grußwort bekannte. Der Oberbürgermeister sagte, dass die Lebenshilfe mit Stolz auf das zurückblicken könne, was sie in dieser Stadt geleistet habe: "Schön, dass Sie da sind."

Landrat Gerhard Wägemann dankte den ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern für ihr Engagement und hatte auch Lob für die Festrednerin dabei: "Barbara Stamm war und ist immer eine deutliche Stimme, wenn es um Soziales geht." Sie sei eine "außerodentliche Kämpferin" für soziale Themen. Auch der Landrat betonte, dass Inklusion täglich gelebt werden müsse.

Festrednerin und die Gründungsmitglieder der Lebenshilfe Altmühlfranken: Barbara Stamm, Irene Reichert, Erich Ellinger und Hermann Remold (es fehlt Anni Ellinger) sowie Martin Britz (Geschäftsführer) und Wilfried Etschel (Vorsitzender) der Lebenshilfe. © Foto: Markus Steiner


Regierungspräsident Dr. Thomas Bauer erinnerte in seinem Grußwort daran, dass sich in den 50 Jahren seit der Gründung der Lebenshilfe vieles zum Guten gewendet hat und die Gesellschaft auch durch die Lebenshilfe verändert wurde. Kinder mit Behinderung hatten in den 50er- und 60er-Jahren noch keine adequate Förderung, der Bildungsbegriff habe sich damals auf Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen beschränkt und behinderte Kinder wurden entweder zu Hause oder weit weg betreut. Weil in Weißenburg Anni und Erich Ellinger, Irene Reichert und Hermann Remold als Eltern behinderter Kinder sich zusammenschlossen und die Lebenshilfe gründeten, sei bis heute viel erreicht worden. Bauer dankte den Gründungsmitgliedern und versprach der Lebenshilfe Altmühlfranken: "Die Regierung von Mittelfranken wird Ihnen weiterhin bei Ihrer Arbeit an der Seite stehen."

Christa Naaß, stellvertretende Bezirkstagsvorsitzende, bezeichnete die Lebenshilfe Altmühlfranken als "eine Erfolgsgeschichte" und erwähnte das "Café Lebenskunst" im Weißenburger Bahnhof ebenfalls als Paradebeispiel für gelebte Inklusion, weil hier Menschen mit Behinderung direkt miteinbezogen würden. Am Ende zitierte Naaß Willy Brandt: "Durch Ihre Arbeit wird Solidarität Wirklichkeit."

Vorsitzender Wilfried Etschel dankte allen, die in den 50 Jahren dazu beigetragen haben, dass die Lebenshilfe Altmühlfranken heute "lebendig, offen und bunt" sei und dass sie von der Gesellschaft im ganzen Land getragen werde.

 

MARKUS STEINER

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